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Schwangerschaftsberatung in Schwerte

Warum Schwangere immer häufiger finanziell unter Druck stehen

Schwerte. Eigentlich sollte bei Schwangeren ein Gefühl überwiegen – Freude. Doch immer mehr Frauen in Schwerte macht die Geburt Sorgen: Weil sie nicht wissen, wie sie die Erstausstattung für ihr Baby bezahlen sollen. Wo gibt es Beratung und finanzielle Hilfe?

Warum Schwangere immer häufiger finanziell unter Druck stehen

Auf Schwangere kommt einiges an Kosten zu. Etwa 2000 Euro müsse man für die Erstausstattung rechen, so Experten.

Irgendwann während der Schwangerschaft wurde der Druck unerträglich: „Ich hatte wirklich Panik, die mir den Schlaf geraubt hat. Dieses Gefühl war stärker als die Freude auf die Geburt“, sagt Marie Becker*. Eigentlich hatte sich die Mittdreißigerin auf die Geburt ihres Kindes gefreut. Doch Ende des achten Monats wurden die Sorgen zu groß. Weil die Schwerterin einfach nicht wusste, wie sie alles bezahlen sollte, was man für ein Neugeborenes anschaffen muss.

Finanzielle Schwierigkeiten bei Schwangeren

Kein Einzelfall: Heike Burghardt und Stefan Uhlenbrock von der Schwangerschaftsberatungsstelle der Diakonie erleben immer häufiger, dass Schwangere in finanzielle Not geraten. Auch Marie Becker wandte sich an die Berater: Bei der Bundesstiftung Mutter und Kind beantragte sie über die Diakonie Zuschüsse. Das Geld darf dann für „Aufwendungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt“ verwendet werden. Also zum Beispiel Schwangerschaftskleidung, Erstausstattung des Kindes, Einrichtung der Wohnung.

Solche Anträge werden in Schwerte immer häufiger gestellt: Allein über die Diakonie waren es 2017 insgesamt 80 bewilligte Anträge, 24 mehr als zwei Jahre zuvor. Und auch in der Schwangerschaftsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt am Westhellweg gibt es diesen Trend: „Insgesamt sind die Zahlen auch bei uns gestiegen. Allein im Januar und Februar wurden 13 Anträge gestellt, das ist schon viel“, sagt Einrichtungsleiterin Christine Windfuhr-Koch.

Ein Grund für diesen Anstieg liegt für Stefan Uhlenbrock und und Heike Burghardt darin, dass der Kreis Unna die einmaligen Hilfen für Schwangere im ALG II 2016 um gut zwanzig Prozent gekürzt hat. „Wir haben neue Werte erhoben, was die Anschaffung von Schwangerschaftsbekleidung angeht. Im Internet sind zum Beispiel Schwangerschafts-Jacken sehr günstig zu haben“, so Norbert Diekmännken, beim Kreis Leiter des Bereichs Arbeit und Soziales. „Die Beratungsstellen waren darüber natürlich nicht erfreut“, so Jutta Damaschke, die in der Schwangerschaftsberatungsstelle des Kreises arbeitet.

Es sind aber längst nicht nur Arbeitslose, die eine Schwangerschaft finanziell überfordere, so Burghardt und Uhlenbrock. „Es kommen auch Hartz4-Empfänger. Es sind aber auch viele Alleinerziehende, Familien, die Aufstocker sind, wo der Vater in Vollzeit im Niedriglohnsektor arbeitet, die schon ergänzende Leistungen vom Jobcenter oder Wohngeld erhalten“, so Uhlenbrock. Und oft seien Frauen betroffen, die in einem befristeten Arbeitsverhältnis angestellt sind.

Sparen und Gebrauchtes kaufen reicht oft nicht

So war es auch bei Marie Becker: Nach abgeschlossenem Studium absolvierte sie eine Fachausbildung in einer Firma in Schwerte. Als sie dann schwanger wurde, kam es zu Problemen. „Meinem Arbeitgeber war die Schwangerschaft nicht recht. Ab einem gewissen Zeitpunkt haben wir nur noch über Anwälte kommuniziert“, so die junge Mutter. Bis eine Richterin im Prozess ein Machtwort zugunsten der Schwerterin sprach, floss einige Wochen lang kein Gehalt mehr. Auch bei ihrem Lebensgefährten brachen die Einnahmen weg.

„Als ich sie kennengelernt habe, war sie in sehr großen existenziellen Nöten“, so Heike Burghardt über die Beratungsgespräche. „Als Mutter möchte man das Nest komplett haben – das ist wichtiger als alles andere“, beschreibt Becker, wie sie sich fühlte. „Man schränkt sich natürlich selbst ein, das ist ja selbstverständlich.“ Aber das reicht immer öfter nicht aus, so die Erfahrung der Berater.

„Wir sagen den Frauen, wenn sie sparsam sind, wenn sie gute Kontakte haben, dann sollen sie mal mit 2000 Euro rechnen“, so Uhlenbrock. Natürlich könne man vieles gebraucht kaufen: Bekleidung, auch einen Kinderwagen. „Wir hatten schon Frauen, die hatten einen 50-Euro-Kinderwagen gekauft. Die waren dermaßen schäbig und verschmutzt, da würde ich mein Baby nicht reinlegen. 200 bis 300 Euro muss man schon rechnen“, nennt Heike Burghardt ein Beispiel, wo das Sparen Grenzen hat.

Bundesstiftung Mutter und Kind gibt Zuschüsse

In solchen Fällen können die Zuschüsse der Bundesstiftung helfen. Im Fall von Marie Becker waren es 580 Euro, die sie in Windeln und eine neue Waschmaschine investierte. Rechtzeitig zur Geburt ihres Kindes im Herbst waren die größten Sorgen damit aus dem Weg geräumt. „Zurückblickend muss ich sagen, ich weiß nicht, ob ich ohne die Diakonie zurechtgekommen wäre. Hier konnte ich offen über die Probleme reden, ich habe mich gut aufgehoben gefühlt.“

*Name von der Redaktion geändert

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Schwangerschaftsberatungsstelle der Diakonie, Kötterbachstraße 16, Tel. 9 39 30, schwangerschaftsberatung@diakonie-schwerte.de, Bürozeiten und Anmeldung: Montag bis Donnerstag, 9 bis 12 Uhr, 14 bis 16 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr. Offene Sprechstunde: Donnerstag 14 bis 17 Uhr.

Im Keller-Basar der Diakonie gibt es Second-Hand-Bekleidung und Haushaltswäsche, Babyausstattung für Mütter in Notsituationen. Öffnungszeiten: Mittwoch: 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr.

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