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Vorlesetag in Schwerte

Warum es wichtig ist, Kindern vorzulesen

Schwerte Vorlesetag – der ist auch in Schwerte einmal im Jahr. Zumindest als öffentlicher Termin. In Kinderzimmern sollte aber jeder Tag Vorlesetag sein, sagt die Bücherei-Chefin in Schwerte. Und erklärt im Interview auch, wie man am besten vorliest.

Warum es wichtig ist, Kindern vorzulesen

Schüler lasen am Freitag in der Friedrich-Kayser-Grundschule vor. Foto: Bernd Paulitschke

Vorlesen aus dem Lieblingsbuch. Das hat am Freitag an vielen Orten in Schwerte stattgefunden. In der Stadtbücherei, in der Buchhandlung, in Schulen und Kindergärten. Viele Ehrenamtliche waren dabei. Eltern mögen denken: „Na und? Bei uns ist jeden Tag Vorlesetag. Immer. Jeden Abend.“ Warum ist das Vorlesen so wichtig – selbst wenn es den Großen weniger Spaß macht als den Kleinen? Was kann man tun, damit es auch den Großen Spaß macht? Darüber sprach Redakteur Björn Althoff mit der Leiterin der Schwerter Stadtbücherei, Anja Stock.

Frau Stock, warum soll ich meinen Kindern etwas vorlesen?

Ich würde mal sagen, weil Sie sie lieb haben, aber das ist wohl nicht gemeint (lacht). Eltern möchten, dass Kinder an Sprache Spaß bekommen, an Literatur Spaß bekommen und natürlich dass sie die Technik des Lesens erlernen. Kinder lernen durch Vorbilder. Was Sie als Eltern machen, ist erst einmal das Wichtigste im Leben Ihrer Kinder, wenn die noch klein sind.

Und wann soll ich mit dem Vorlesen anfangen?

Damit kann man nicht früh genug anfangen. Also Sie sollten auf jeden Fall bis zum ersten Jahr schon ordentlich mit Ihren Kindern durch Bücher geblättert haben und ihnen Geschichten erzählt haben. Ob Sie da wirklich was vorlesen – das können die Kinder noch nicht beurteilen. Aber das Vorlesen macht das Geschichten Erzählen natürlich ganz einfach. Dann braucht man sich nichts auszudenken.

Sollte ich irgendwann mit dem Vorlesen aufhören?

Eigentlich nein. Ich weiß, dass sogar einige erwachsene Frauen – Freundinnen von mir – sich Partner wünschen, die ihnen vorlesen abends im Bett. Von daher kann ich eigentlich nur empfehlen, das immer weiter zu machen. Um die Technik auch nicht zu verlernen. Das kann man also auch später im Leben noch brauchen.

Aber bei den eigenen Kindern? Soll ich da irgendwann aufhören? Also sagen: „Nee, du kannst jetzt selbst lesen“?

Der Moment, in dem man vielleicht aufhören kann: Wenn die Kinder in der Schule selber lesen lernen und wenn dann beim Vorlesen die Geschichte am spannendsten ist – dass man dann sagt: „Nee, wir hatten ja gesagt, ich lese nur eine halbe Stunde. Ich leg’ das Buch jetzt weg.“ Dann lässt man es da liegen, wo das Kind auch schläft. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit haben Sie ein neugieriges Kind, das versucht, selber weiter zu entziffern, was im Buch steht.

Soll ich einfach nur vorlesen oder irgendetwas dabei beachten?

Bitte: Sie sollen nicht langweilig sein – es sei denn, Sie machen das ausnahmsweise, damit das Kind einschläft (schmunzelt). Aber gut ist es natürlich, Personen hervorzuheben, ihnen eine kleine Modulation geben in der Stimme, eine andere Tonlage…

…also eine Frauenstimme hoch, eine Männerstimme tief…

…genau. Man muss nicht zwingend riesig schauspielern. Denn wenn Sie sich zu stark verstellen, merken das die Kinder sofort. Lieber selber authentisch bleiben und das machen, woran man auch Spaß hat. Aber da darf man gerne auch ein bisschen Power reinlegen. Man darf auch gerne etwas übertreiben – für Kinder ist das oft schon okay.

Also keine Angst vor einer Geste, vor einem klein bisschen Theater?

Nein: Sie sehen es ja an den Reaktionen: Wenn‘s dem Kind Spaß macht, dann war‘s richtig.

Und was soll ich vorlesen?

Onkel Tom‘s Hütte muss man nicht einem Fünfjährigen vorlesen. Ansonsten hat auch da Ihr Kind das Sagen. Sie wissen ja, was Ihr Kind interessiert – selbst wenn das in einem gewissen Alter immer wieder das Buch mit Baggern und Baustellen ist. Selbst wenn man von Bob, dem Baumeister nicht mehr loskommt. Es kann auch passieren, dass man ein Buch 50 Mal liest, und wenn man sich dann nur bei einem Wort vertut, ist das Kind völlig beleidigt. Weil das ja so nicht stimmt, weil der Text ja anders sein müsste. Damit müssen Sie dann leben.

Das Kind ist der Boss?

Ja. Es gibt auch Kinder, die bei bestimmten Stoffen Angst haben. Ich hatte mal einen Dreijährigen, der Angst vor dem Froschkönig hatte. Man weiß dann nicht warum, aber man lässt es dann eben weg und probiert was anderes.

Und wenn das nicht reicht? Wenn ich unsicher bin, welches Buch das richtige ist?

Grundsätzlich finden Sie Ansprechpartner in Bibliotheken, in Buchhandlungen. Mit anderen Eltern tauscht man sich ja auch aus.

Eine Frage zu Ihrer Bücherei: Sehen Sie hier die Kinder wachsen? Also solche, die zuerst an Mamas Hand kommen und noch zu klein sind zum Lesen – und irgendwann sind sie größer und gehen selbst an die Regale?

Ja, mittlerweile sehe ich die sogar schon aus dem Studium wieder nach Hause kommen und selber Kinder kriegen, mit denen sie dann hier sind. Es gibt Kinder, die regelmäßig in die Bibliothek gehen und die das Lesen tatsächlich lieben. Es gibt aber auch Kinder, die von ihren Eltern mitgeschleppt werden und müssen und überhaupt keinen Bock haben. Man kann das als Eltern nur bis zu einem gewissen Punkt beeinflussen. Man kann Vorbild sein. Man kann auch zuhause viel zum Lesen herumliegen haben. So zeigt man seinen Kindern: Lest ruhig auch selber. Trotzdem haben die Kinder ihren eigenen Kopf. Wie bei allen anderen Dingen auch.

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