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Polizei hat eine heiße Spur

Schul-Erpressung in Schwerte

Die Polizei ist sich sicher, dass der Besitzer des beschlagnahmten Computers der Schul-Erpresser ist. Eine Festnahme des Verdächtigen ist laut Auskunft der Polizeipressestelle aber trotzdem unwahrscheinlich.

Schwerte

von Reinhard Schmitz

, 04.06.2018
Polizei hat eine heiße Spur

An der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule läuft nach der Erpressung wieder der normale Unterricht. © Foto: Reinhard Schmitz

Auf freiem Fuß ist weiterhin der mutmaßliche Erpresser der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule (TFG), während sein beschlagnahmter Computer noch weiter untersucht wird. „Nichtsdestotrotz sind wir uns sicher, dass wir den Richtigen haben“, sagte am Montag der Sprecher der Kreispolizei Unna, Thomas Röwekamp. Mit einer Festnahme und Untersuchungshaft sei aber nicht zu rechnen. Nicht nur, weil die Bedrohung als nicht so schwerwiegend eingestuft wurde. Die Entscheidung hänge auch von der verdächtigten Person ab. Von der Frage, ob gegen sie überhaupt prozessuale Maßnahmen möglich seien.

Erst ab 14 Jahre strafmündig

Strafmündig – so erläutert der Sprecher grundsätzlich – sei ein Kind erst ab 14 Jahre. Jüngere können nicht bestraft werden. Was wäre also, wenn etwa ein junger Schüler die Droh-Mails verschickt hätte, in denen eine sechsstellige Geldsumme gefordert wurde? „Gesetzt den Fall“, antwortet Röwekamp, „dann wären sicherlich auch andere Behörden gefragt.“ Beispielsweise könne das Jugendamt mit ins Spiel kommen.

Bei Kindern müsste Jugendamt tätig werden

„Wenn ein Kind eine Straftat begeht, muss das Jugendamt tätig werden“, bestätigte Mascha Gerdom, Leiterin der Sozialen Dienste bei der Diakonie. Auch bei Strafunmündigen würde eine Anzeige gefertigt, um anschließend das Jugendamt zu informieren: „Dann nimmt der Jugendhilfedienst Kontakt zu der Familie auf.“ In Gesprächen werde ausgelotet, wo die Probleme liegen und welche Hilfen angeboten werden. Deren Spannweite ist – je nach Lage des Falls – breit und reicht von erzieherischer oder therapeutischer Unterstützung bis zur Herausnahme des Kindes aus der Familie.

Schadensersatz steht auf anderem Blatt

Neben der Straftat – so Polizeisprecher Röwekamp – gebe es aber auch die zivilrechtliche Seite mit Schadensersatzansprüchen. Hier beginnt die Deliktfähigkeit im Bürgerlichen Gesetzbuch in der Regel schon ab sieben Jahren – abhängig allerdings davon, ob der Betroffene reif genug war, seine Verantwortlichkeit einzusehen.

Disziplinarische Mittel möglich

Ein „bezifferbarer materieller Schaden“ sei durch den dreitägigen Schulausfall nicht entstanden, sagte Benjamin Hahn, Sprecher der Bezirksregierung in Arnsberg. Die Stadt dagegen musste drei Schulsekretärinnen, die nicht arbeiten konnten, den Lohn weiterzahlen. Den Entgeltausfall könne man möglicherweise zurückfordern, erklärte Morgenthal: „Wir müssen das prüfen.“ Auch bei einem Kind könne man grundsätzlich einen Rechtstitel erwirken und das Geld dann einfordern, wenn es später irgendwann einmal Einkommen habe.

Bei einem Schüler könnte die Bezirksregierung auch darüber nachdenken, „ob nicht möglicherweise andere Mittel infrage kommen“, sagte Sprecher Hahn. Zum Beispiel disziplinarische Maßnahmen, wie er bestätigte.

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