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Selmer SPD zum Mitgliederentscheid

Alle an einem SPD-Tisch

Selm Kurz nach dem Bekanntwerden des Mitgliederentscheids der SPD zur Groko haben sich die Neumitglieder des Selmer SPD-Stadtverbands getroffen. Wie sie die Abstimmung sehen, ob sie gleich wieder austreten wollen oder mitarbeiten wollen - es gab viel zu diskutieren.

Alle an einem SPD-Tisch

Patricia Plewe, die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende der SPD Selm, überreicht Thomas Demmler das Mitgliedsbuch. Foto: Foto: Sylvia vom Hofe

Thomas Demmler hat verloren. Genauso wie 123.328 andere SPD-Mitglieder. Unterlegen fühlt sich der Selmer aber dennoch nicht. Dabei ist er extra in die SPD eingetreten, um gegen die Groko zu stimmen.

In der An-Bar an der Kreisstraße ist am Sonntagmorgen eine einzige lange Tafel gedeckt. Dort nehmen alle Besucher des erstens Neumitgliedertreffens des SPD-Stadtverbands Platz – egal, ob sie in den vergangenen Tagen für die Große Koalition gestimmt hatten oder dagegen. „Jetzt gilt es, zusammenzurücken“, sagt der Landtagsabgeordnete Rainer Schmeltzer aus Lünen. Der ehemalige Arbeitsminister des Landes NRW hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm die Oppositionsrolle für seine Partei besser gefallen hätte. Dass die Mehrheit der mitgliederstärksten Partei Deutschlands das anders entschieden hat, sei zu akzeptieren. „Das ändert nichts daran, dass wir uns erneuern müssen. Wir haben Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren.“

Wunsch nach „konstruktiver Kritik“

Wo das passieren muss, steht für Schmeltzer fest: „Überall, auch an der Basis.“ Für Bürgermeister Mario Löhr und die Genossen im Stadtrat gelte dasselbe wie für Andrea Nahles und Olaf Scholz: „Nicht gegenseitiges Schulterklopfen bringt uns weiter, sondern nur konstruktive Kritik.“

Also Streit, um die beste Lösung – etwa in der Pflege. Da ist Sabrina Eichert, die am Ende der Tafel sitzt, sofort dabei. Sie arbeitet selbst als Altenpflegerin in Selm. Für sie steht fest, dass das Sofortprogramm Pflege im Koalitionsvertrag „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“ sei: gerade einmal eine halbe Zusatzkraft pro Heim. Woher das Personal kommen soll, sei völlig offen. „Schon jetzt lassen sich die Stellen ja gar nicht mehr besetzen.“ Mehr Wertschätzung für die Pflege – das wünscht sich Sabrina Eichert nicht nur. Sie will dafür auch arbeiten – in der SPD. „Eigentlich aus der Opposition heraus“, sagt sie.

Zehn neue Mitglieder im Januar

Mit Nein zur Groko wollte auch Maren Lobe stimmen. Sie ist mit 20 Jahren die Jüngste im Saal: ein aktives Mitglied der im Oktober wieder ins Leben gerufenen Juso-Gruppe Selm. Tatsächlich habe sie aber „Ja“ zur Groko gesagt, „auch weil wir sechs gute Ministerien bekommen werden“. Erneuerung, sagt Lobe, die 2020 in den Stadtrat einziehen möchte, „geht auch aus der Regierungsverantwortung heraus“.

Ob jugendlich oder bereits im Seniorenalter: Zehn Neumitglieder habe die Partei im Januar begrüßen können, sagt der Selmer Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzende Thomas Orlowski – so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. „Einer ist allerdings bereits 20 Minuten, nachdem Martin Schulz gesagt hatte, er wolle Außenminister werden, sofort wieder ausgetreten“.

Größere Partei für Veränderungen

Richtig sauer auf die Partei war auch Rolf Ohligschläger. 2007 war das. „Schröders Agenda 2010“, sagt er nur und schüttelt den Kopf. Hartz IV, Leiharbeit, der ganze Niedriglohnsektor. Das habe das Land zum Schlechteren verändert. „Ich wollte das nicht mittragen“, so Ohligschläger. Er sei erst der Linken beigetreten, dann habe er die Gruppe „Bürger für Selm“ gegründet. „Inzwischen ist mir klar geworden, dass man eine größere Partei braucht, um Veränderungen wirklich durchzusetzen.“

„Wenn es Fehler in der sozialdemokratischen Politik gibt, müssen sich Sozialdemokraten als erste auf dem Weg machen, um sie zu korrigieren“, stimmt Rainer Schmeltzer zu. Ansätze gebe es im Koalitionsvertrag etwa in den Änderungen bei der Befristung von Arbeitsverträgen: „Das reicht aber leider noch nicht.“

Austrittsüberlegungen

Das sieht Gerd Paduch genauso. Anders als Schmeltzer, der bereits seit 41 Jahren SPD-Mitglied ist, hat er das rote Parteibuch erst seit einigen Wochen: „Um etwas gegen die Groko zu unternehmen“. Er ist der einzige der rund 20 Sozialdemokraten in der An-Bar, der sich seit dem Bekanntwerden des Mitgliederentscheids überlegt, ob er weiter Mitglied bleiben soll.

Für Neumitglied Thomas Demmler, ebenfalls ein Nein-Sager, ist das dagegen keine Frage. In der schwierigen Lage, in der sich die älteste Partei Deutschlands befinde, seien alle gefragt. Auch Gerda Plein. „Mein Mann ist seit 60 Jahren SPD-Mitglied, meine Schwiegermutter war es 70 Jahre lang“, sagt sie. In Zeiten, in denen der SPD die Luft auszugehen drohe, reiche das aber nicht. „Ich wurde selbst Mitglied, um für die Groko stimmen zu können.“ Damit gehört sie zur Mehrheit bundesweit. Und in Selm? „Wir haben bewusst nie darüber abgestimmt“, sagt Thomas Orlowski. Dann hätten sich nur Gräben aufgetan, die es jetzt zuzuschütten gelte.

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