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Barrierefreiheit in Selm

Bordstein wird zum Problem für Menschen mit Rollator und Kinderwagen

Selm Die Stadt Selm muss bis zum Jahr 2022 alle Bushaltestellen barrierefrei gestalten. So steht es im Gesetz. Doch die Selmer Bürger stört noch etwas anderes.

Bordstein wird zum Problem für Menschen mit Rollator und Kinderwagen

Helga Vatheuer (84 Jahre) wird immer wieder vor Probleme gestellt – wie hier an der Buddenbergstraße. Foto: Marvin K. Hoffmann

Die Stadt Selm hat ein Problem – drei sogar, um genau zu sein. Unser Reporter hat sich einige Stellen zeigen lassen, die Teil der Problematik sind. Die erste Herausforderung bringen die Bürgersteige. Die sind nämlich an einigen Stellen zu hoch – und sorgen für Unmut bei den Selmer Senioren.

Helga Vatheuer etwa ist auf ihren Rollator angewiesen. „Oft werde ich gefahren, aber das geht ja nicht immer. Dann muss ich zu Fuß raus“, sagt die 84-jährige Selmerin. Und das stellt sie dann vor Probleme. Wie in der Talstraße. Dort ist nämlich der Bürgersteig viel zu hoch. „Viele Senioren laufen hier her, um zum Markt zu kommen“, erklärt Siegrun Hirsch, die sich in Selm viel um die Senioren kümmert.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Detlef Graumann gemacht. Der 57-jährige Selmer ist nach zwei Schlaganfällen ebenfalls auf einen Rollator angewiesen und bei unserem Termin nur zufällig vor Ort – bringt aber seine Verärgerung zum Ausdruck. „Für jeden Mist ist Geld da, nur für uns nicht“, schimpft Graumann.

Barrierefreie Haltestellen

Das zweite Problem bringt ein Gesetz mit sich., das Personenbeförderungsgesetz (PBefG). Die Stadt Selm muss sich jetzt vor allem um den Paragrafen 8, Absatz 3, kümmern. Darin heißt es nämlich, dass bis zum Jahr 2022 alle Haltestellen in der Stadt barrierefrei sein sollen. Barrierefrei bedeutet, dass alle Menschen ohne Probleme in die Busse ein- und aussteigen können – die Stadt muss jetzt nachrüsten. Nicht nur bei den Haltestellen, wenn es nach den Bürgern geht.

Denn die Stadt Selm weiß überhaupt nicht, wie viele Haltestellen nachgebessert werden müssen. Es fehlt der Verwaltung schlichtweg der Überblick. Auf Anfrage unserer Redaktion hieß es dazu von Stadtsprecher Malte Woesmann: „In Selm gibt es insgesamt 112 Haltestellen unterschiedlichen Typs. Wie viele davon umgebaut werden müssen/können, ist zurzeit noch nicht klar.“

Hilfe von der Stadt

Stadtsprecher Malte Woesmann verspricht jedoch Hilfe und eine Lösung des Bürgersteigproblems. „Die Buddenbergstraße ist im Investitionsplan nach der Fertigstellung der Kreisstraße berücksichtigt. Im Zuge dieser Gesamtmaßnahme werden auch die Bordsteine angepackt“, teilte er auf Anfrage mit. Gleichzeitig verwies der Pressesprecher aber auch auf die Mithilfe der Senioren. „Im Rahmen der Unterhaltung können dann Einzelmaßnahmen getroffen werden, um eine bessere Situation zu erreichen“, sagt er.

Doch nicht nur die Haltestellen, die umgerüstet werden müssen, und die Bürgersteige, die nachgebessert werden sollten, sorgen für Mehrkosten im Selmer Haushalt. Auch die Bushaltestelle am neuen Schulzentrum – das dritte Problem – sorgt für Ärger. Der Rat hat in einem Dringlichkeitsbeschluss „die überplanmäßige Bereitstellung von Haushaltsmitteln“ bewilligt. Heißt: 180.000 Euro werden nun fällig, um die Zusammenlegung der bisherigen Bushaltestellen am Schulzentrum und am Altenwohnhaus St. Josef zu gewährleisten.

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