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Dieser Biohof war der erste im südlichen Münsterland

Hof Schulze Altcappenberg

Auf dem Hof Schulze Altcappenberg wachsen Möhren, Kartoffeln und Kürbisse für den Biohandel. Vieles hat sich dort verändert – dafür war auch ein Schicksalsschlag verantwortlich.

Cappenberg

von Sabine Geschwinder

, 02.07.2018
Dieser Biohof war der erste im südlichen Münsterland

Moritz Spahn (links) und Heinrich-Thomas Schulze Altcappenberg im Maisfeld.

Moritz Spahn zieht mit der Hand ein paar Möhren aus der Erde und freut sich: „Schön orange, so mag ich sie.“ Spahn ist seit diesem Jahr Betriebsleiter auf dem Biohof Schulze Altcappenberg an der Lünener Straße in Cappenberg. Wer dem jungen Mann dabei zusieht, wie er über die Felder führt, merkt, dass er mit Spaß und Tatendrang bei der Sache ist. „Es geht nicht nur darum, das Produkt zu verkaufen“, so Spahn. Es gehe auch darum, der Gesellschaft einen Dienst zu leisten, indem Schutzgüter wie zum Beispiel Wasser durch die Landwirtschaft nicht gefährdet werden.

Hof vergrößert sich

Der Hof ist gerade dabei, sich immens zu vergrößern. Von 70 Hektar Fläche sind seit dem vergangenen Jahr 100 weitere Hektar vorgesehen, die biologisch bewirtschaftet werden sollen. So ein Prozess dauert zwei Jahre, im dritten Jahr ist die Umwandlung dann abgeschlossen. Auf den Feldern wachsen jetzt Karotten, Kartoffeln, Rote Beete und Kürbisse. „Das sind Produkte, die in Bioqualität gut nachgefragt werden“, erklärt Moritz Spahn. Wie viele Produkte, beispielsweise Möhren, es im Jahr sind, kann Spahn nicht genau sagen, das sei stark schwankend. Aktuell zum Beispiel mache ihm die anhaltende Trockenheit sorgen. „Wir streben aber 35 bis 40 Tonnen Möhren auf einem Hektar an“, erklärt er. „Wir probieren aber auch an vielen Stellen aus“, so Spahn.

Eines der aktuellen Experimente sind Süßkartoffeln, die Moritz Spahn unter einer abgedeckten Folie mit einem Tröpfchenschlauch bewässert. Die Süßkartoffeln mögen es schließlich sehr warm – deswegen kommen sie selten aus Deutschland, meistens aus Spanien und den USA. Die fertigen Produkte können die Verbraucher dann in verschiedenen Biomärkten oder auch im Bioangebot der Discounter oder anderer großer Supermärkte finden. Die Kartoffeln der Sorte Karolus und Agria zum Beispiel werden gerne zu Bio-Pommes. „Das sind Produkte, die man bei Bio vielleicht nicht unbedingt auf der Pfanne hat, aber sie werden nachgefragt“, sagt Spahn.

Bio im Auftrieb

In NRW sind die ökologischen Betriebe in den vergangenen Jahren stark angewachsen. Waren es laut Landwirtschaftskammer NRW im Jahr 2000 noch knapp 600 Betriebe bei einer Bewirtschaftungsfläche von rund 20.000 Hektar, waren es 2014 schon fast dreimal so viele Betriebe (1.798) und rund 70.000 Hektar. Der Biohof Schulze Altcappenberg ist Teil des Verbands Naturland, einem der drei größten Bioverbände in Deutschland, dem weltweit 54.000 Bio-Erzeuger angeschlossen sind, in Deutschland sind es 3500. Reinhold Schulze Altcappenberg stieg 1989 auf Bio um, der Vater hatte noch einen konventionellen Betrieb. „Es war ungewöhnlich, aber ein Trend war auch damals schon da“, sagt sein Bruder Heinrich-Thomas Schulze Altcappenberg im Rückblick über die Entscheidung seines Bruders. Ihm gehört der Hof inzwischen, seit sein Bruder im Jahr 2015 überraschend gestorben ist.

40 Jahre lang lebte Heinrich-Thomas Schulze Altcappenberg in Berlin, ist eigentlich – wenn auch gerade freigestellt – Museumsdirektor im Kupferstichkabinett in Berlin. Er entschied sich, den Hof weiterzuführen, fühlte eine Verbundenheit mit dem Hof seiner Kindheit. Allerdings gab es einige Änderungen: Seit dem Jahr 2016 gibt es die Kommanditgesellschaft Biogut Schulze Altcappenberg in Kooperation mit dem Biounternehmen Abenhardt in Datteln. Schulze Altcappenberg entscheidet sich zudem, von Getreideanbau auf Gemüse umzusteigen und holt Spahn als Betriebsleiter. Und er hat Pläne: „Wir sehen die Entwicklung der Nachfrage bei einer breiten Menge von Menschen, diese Nachfrage wollen wir auch bedienen“, sagt Spahn. Dafür sei der Hof auch immer auf der Suche nach Partnern. „Wir zeigen gerne was wir tun“, so Spahn.

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