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Einkaufen für den Abiball

Ein Kleid ist nicht genug

Selm Ein Kleid reicht nicht, es müssen schon zwei sein. Und wie lässt sich eigentlich vermeiden, dass jemand aus der Stufe mit dem gleichen Kleid aufkreuzt? Dafür haben die Abiturienten von heute ihre Taktiken - und auch Geschäfte reagieren darauf. Wir haben zwei angehenden Abiturienten beim Abiball shoppen in Selm zugesehen.

Ein Kleid ist nicht genug

Abiballkleid shoppen bei Collection Aha. (v.l. Eva Fuisting, Nina Reimann, Simone Reimann) Foto: Anabelle Körbel

Die ersten kamen schon im Dezember. Und das, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch über sechs Monate bis zum großen Tag waren, dem Abiball. Die Relevanz der Abiturfeier hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Vor allem der Dresscode werde immer wichtiger, bestätigt Bärbel Berghäuser, die als Verkäuferin bei „Collection aha“ in Selm arbeitet.

Das Fachgeschäft besteht seit über 20 Jahren und hat sich auf elegante Abendgarderobe spezialisiert.

Zum guten Ton gehört mittlerweile auch, dass Mädchen nicht nur eines, sondern gleich zwei Kleider für den großen Tag erwerben. „Ein kurzes und ein langes“, bestätigt Bärbel Berghäuser. Das eine trage man dann zur Zeugnisvergabe am Morgen, das andere bei der Abendveranstaltung.

Wie viele andere Mädchen, ist auch Nina Reimann gerade auf der Suche nach zwei Abiballkleidern. Gerade trägt sie ein schwarzes, langes Paillettenkleid. „Das fällt raus“, sagt sie zu ihrer Mutter Simone Reimann und ihrer besten Freundin Eva Fuisting. Die drei haben sich den ganzen Tag freigehalten, um auf Kleidersuche zu gehen. Und die Zeit kann man auch locker in dem Laden verbringen: „Wir haben mehrere hundert Kleider im Laden“, erzählt Verkäuferin Brigitte Slomka.

Jedes Kleid nur einmal


Für Nina Reimann ist gerade das zehnte Kleid an der Reihe. Damit liegt sie laut Sigrid Krannich, die ebenfalls als Verkäuferin bei „Collection aha“ arbeitet, genau im Durchschnitt. Besonders wichtig bei der Kleiderwahl: Bloß nicht das gleiche Kleid tragen, wie eine Mitschülerin. Um das zu vermeiden, hat das Geschäft eine ausgefeilte Taktik entwickelt: „Wir machen Fotos, damit Kleider, die in der Schule schon einmal verkauft wurden, nicht zweimal getragen werden.“

Ein gutes Konzept, wie Victoria Manns findet. Sie ist mit ihrer Tochter Stephanie ebenfalls dabei, ein Abiballkleid auszusuchen. Die trägt gerade ein langes, rotes Kleid und betrachtet sich im Spiegel. Auch sie wird zwei Kleider tragen, morgens ein anderes als abends. Dass sich der Anspruch an die Abiturgarderobe verändert hat, kann Victoria Manns bestätigen: „Heute werden Unmengen an Geld ausgegeben. Früher hat es das so nicht gegeben.“ Es sei zwar ein besonderer Tag, für den es auch ein besonderes Kleid sein könne. Aber „nicht um jeden Preis“.

So besonders müsse die Garderobe für die männlichen Abiturienten nicht unbedingt sein, weiß Bärbel Berghäuser. Die würden meistens einen Anzug kaufen, den sie auch nach dem Ball bei vielzähligen Gelegenheiten, wie beispielsweise einem Vorstellungsgespräch, tragen könnten.

In der anderen Kabine bei Nina Reimann sind mittlerweile zwei Kleider in der engeren Auswahl: ein dunkelblaues und ein mintgrünes. Die Entscheidung fällt nicht leicht. „Mein Favorit ist das mintgrüne“, sagt Verkäuferin Brigitte Slomka. Sie steht den Mädchen mit Tat und Rat bei Seite. Auch sie findet, dass sich etwas verändert hat. „Die Mädchen haben heute ganz andere Vorstellungen. Oft holen sie sich ihre Inspiration aus dem Internet und kommen dann hierher und sagen: So möchte ich das haben.“

Während die Entscheidung zwischen blau und mintgrün noch aussteht, fachsimpeln Mutter Simone Reimann und Freundin Eva Fuisting schon über die passende Frisur zum Kleid. Lockig oder vielleicht doch lieber eine Hochsteckfrisur?

Die Frisur muss stimmen


Nicht nur für die Kleider wird heute viel Geld ausgegeben, sondern auch für die perfekte Frisur und ein professionelles Make-up. Auch hier käme die Inspiration oft aus dem Internet, weiß Oxana Krist. Sie betreibt in Selm den Friseursalon „Haarmonie by Oxana“. Einige kämen sogar schon vor dem großen Tag zum Probestecken vorbei, damit die Frisur dann auch wirklich den Vorstellungen entspricht.

Eines scheint relativ gleich geblieben zu sein: die Länge. „Die Kleider, die abends getragen werden, sind überwiegend lang, auch wenn man immer mal wieder Cocktailkleider sieht“, bestätigt Sigrid Krannich. Die Absätze sind laut Verkäuferin Bärbel Berghäuser jedoch höher geworden.

Über das passende Schuhwerk machen sich auch Mutter und Tochter Reimann Gedanken. Erst einmal gilt es aber, eine Entscheidung über das passende Kleid zu fällen. Leicht fällt die nicht. Vielleicht doch noch einmal wo anders schauen?

Doppelte Kleider vermeiden

Eine weitere Methode, um gleiche Kleiderwahl am Abiball zu verhindern, bringt moderne Kommunikationsmittel ins Spiel: Abiball-Whatsapp-Gruppen. Die gäbe es mittlerweile an vielen Schulen. Dort würden die Mädchen dann Bilder ihrer Kleider verschicken, weiß Sigrid Krannich.

An der Gesamtschule in Olfen, wo Nina Reimann ihren Abschluss macht, gibt es keine Whatsapp-Gruppe. Trotzdem hat sie mitbekommen, welche Kleider ihre Mitschülerin tragen werden. Viele hätten schon ein dunkelblaues, merkt sie an. „Das mintgrüne finde ich sowieso noch schöner an dir“, bestärkt sie auch die beste Freundin. Der Entschluss ist damit gefallen.

Doch eines fehlt noch: das kurze Kleid. Nach kurzem Umherschauen entscheiden sich die drei aber dazu, diese Entscheidung noch etwas zu vertagen. Es sind schließlich noch rund vier Monate bis zum großen Tag.

Das kostet der Abiball:

  • Kleider sind zwischen 35 und 250 Euro zu haben, oft werden zwei gekauft.
  • Das Make-Up schlägt mit 5 bis 40 Euro zu Buche.
  • Die Frisur vom Friseur gibt es ab 30 Euro

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