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„Lasst doch junge Leute feiern“

Lärm beim Stadtfest in Selm

Die DJs haben Freitagnacht Bässe und Beats vom Campus wummern lassen. Zu laut, sagt ein Selmer. Auch wegen der angrenzenden Seniorenheime. Doch die Senioren sehen das offenbar anders.

Selm

19.06.2018
„Lasst doch junge Leute feiern“

Beim Stadtfest in Selm fanden es manche zu laut. © Jürgen Weitzel

Manfred Schäper ist immer noch sauer. Auch einige Tage nach dem Festival-Friday nennt der 72-Jährige das, was Freitagabend auf dem Campus Süd abging, „eine absolute Katastrophe“. Warum? „Es waren mehrere Stunde in einer unglaublichen Lautstärke – wumm, wumm, wumm.“ Das habe bei ihm Herzrhythmusstörungen ausgelöst. Bei seiner Frau auch. „Wir konnten nicht einschlafen.“ Er spiele mit dem Gedanken, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Manfred Schäper wohnt in der Straße Sundernburg, wenige hundert Meter vom Campus entfernt.

Zu laut für die Senioren?

Neben der Sorge um seine Gesundheit und die seiner Frau treibt ihn noch was anderes um: „Wenn ich schon mit starkem Herzen Herzrhythmusstörungen bekomme, dann frage ich mich, wie es den Leuten ergangen ist, die ringsherum in den Altenpflegeheimen leben.“

Gute Frage. Wir haben sie gestellt. Svetlana Schmidtke, Leiterin der Seniorenresidenz Selm an der Ludgeristraße, antwortet: „Von unseren Bewohnern hat es gar keine Beschwerden gegeben.“ Das Altenwohnhaus St. Josef an der Kreisstraße liegt ebenfalls in Hörweite des Campus. Leiterin Doreen Werner hat auf die Anfrage mal in den Wohnbereichen nachgefragt, die potenziell vom Lärm betroffen sind.

Kein Problem mit Lautstärke

Ergebnis? „Die Bewohner haben wohl die laute Musik gehört. Sie war am Freitagabend lauter als am Samstagabend. Aber gestört hat es sie nicht.“ Und dann zitiert sie einige Äußerungen von teilweise über 90-jährigen Bewohnern: „Natürlich war es laut, aber lasst doch junge Leute feiern“; „Wir waren doch auch mal jung“; „Ich habe das wohl gehört. Schade, ich wäre gern dabei gewesen“; „Wir feiern ja auch Sommerfest“. An diesem Freitag, unter anderem mit Tanz und ... Musik.

Ausnahmegenehmigung

Manfred Schäper jedenfalls fragt sich, ob der Stadt als Veranstalterin des Stadtfestes überhaupt bewusst war, dass es in direkter Nähe der Musikveranstaltungen Seniorenheime gibt. Wir haben die Frage an Stadtsprecher Malte Woesmann weitergeleitet. Antwort: Ja. „Für die Musikveranstaltungen gibt es eine Ausnahmegenehmigung vom Nachtruhegebot. Ein Mindestabstand zu Senioreneinrichtungen ist nicht vorgesehen.“ Bei der Stadtverwaltung Selm seien im Nachgang zwei schriftliche Beschwerden per Mail eingegangen. Andererseits: „Viele Bürger haben im Gespräch geschildert, dass sie gerne die Musik abends auf ihrer Terrasse verfolgt hätten. Dies gilt für Freitag und Samstag.“

Lärmquellen und Dezibel:
Für das Bemessen des Schallpegels wird die Einheit Dezibel (dB) herangezogen. Beispiele für Lärmquellen: Uhrenticken: bis zu 30 dB; Straßenverkehr: bis zu 90 dB; Presslufthammer in einem Meter Abstand: bis zu 130 dB. (Quelle: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz)
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