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Maria Gorzelski geht - die Leseliebe bleibt

Bekannte Bibliothekarin

Sie ist eines der bekanntesten Gesichter in Selm: Maria Gorzelski gehört seit 20 Jahren zur Stadtbibliothek. Nun geht die Frau, die schon in der dritten Klasse Balzac gelesen hat.

Selm

von Arndt Brede

, 27.06.2018
Maria Gorzelski geht - die Leseliebe bleibt

Maria Gorzelski (r.) geht am Freitag in den Ruhestand. In der Bib ist Tina Brandt ihre Nachfolgerin.Brede © Arndt Brede

Willy-Brandt-Platz 5. Das ist die Adresse der Bib. Die Treppe rauf oder mit dem Aufzug in die erste Etage. Links um die Ecke: Da sitzt sie. Maria Gorzelski. Seit mehr als 20 Jahren ist sie in der Bücherei für die Besucher kompetente Fachfrau für Medien. Und noch mehr. Jasmin Simon zum Beispiel, eine ihrer jungen Kolleginnen, hat eine besondere Beziehung zu Maria Gorzelski: „Als ich 2000 die Ausbildung angefangen habe, war Frau Gorzelski meine erste Ansprechpartnerin.“

Die Selmer kennen sie gut

Die Selmer kennen sie gut. Wenn sie vom Bahnhof Beifang zur Bib geht, hat Maria Gorzelski kaum eine ruhige Minute: „Viele winken mir zu.“ Ist der Bekanntheitsgrad Stress? „Ich habe die mehr als 20 Jahre in der Bibliothek sehr genossen“, sagt die 65-Jährige. Sie lächelt, als sie erzählt: „Viele der Kinder, die einst angemeldet wurden, kommen jetzt mit ihren eigenen Kindern zu uns.“

In der Tat: Generationen von Selmern hat sie betreut. Und dabei Vertrauen aufgebaut. Viele der Bib-Kunden setzen auf das Urteil von Maria Gorzelski. Jasmin Simon: „Viele fragen nach ihr.“ Warum? Weil Maria Gorzelski im Zweifel genau weiß, wer was gern liest oder lesen könnte. Auch der Bereich der Fernleihe fand in Maria Gorzelski eine unermüdliche Kraft.

Liebe für den Beruf

Sie liebt ihren Beruf eben. Deshalb nimmt sie jeden Tag insgesamt fünf Stunden Fahrt in Kauf. Von Hamm nach Selm und zurück. Zeitlicher Aufwand für eine volle Stelle. Dabei hat sie eine halbe Stelle in der Bib. „Das mache ich aber gern, weil ich dankbar bin, in meinem Beruf arbeiten zu können“, erzählt sie.

Diese Leidenschaft hat schon in der Kindheit begonnen. In der zweiten, dritten Klasse, als die meisten Kinder kindgerechte Bücher gelesen haben, hat Maria Gorzelski Balzac gelesen. Andere Bücher natürlich auch: „Ich habe manchmal zwei Bücher am Tag gelesen.“ Sie habe schon immer in einer Bücherei arbeiten wollen. Ihre beruflichen Stationen lesen sich entsprechend: 1976 bis 1978 Ausbildung in ihrem Geburtsland Polen zur Bibliothekarin; bis 1988 in der staatlichen öffentlichen Bibliothek in Ruda/Polen angestellt; 1992 bis 1997 Beschäftigung in der Stadtbücherei Werne (zwischenzeitlich war sie 1988 in die Bundesrepublik übergesiedelt); 1. Mai 1998 Einstellung als Bibliotheksassistentin in der Stadtbücherei Selm.

Der letzte Tag - und jetzt?


Nun also am Freitag, 30. Juni, der letzte Tag für Maria Gorzelski in der Bibliothek. Zumindest der letzte berufliche Tag. „Ich komme bestimmt mal vorbei“, sagt sie. Zunächst aber stehen nun die Freizeit mit ihrem Ehemann und Besuche bei der vier Monate jungen Enkelin an.

Bleibt die Reporter-Frage: „Was fangen Sie mit den fünf Stunden pro Tag an, in denen Sie jetzt nicht mehr per Bahn und Auto nach Selm fahren müssen?“ Maria Gorzelskis Antwort hätte man da eigentlich vorhersehen können: „Lesen.“

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