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Wasserschau im Paßbach

So geht es dem „kleinen Bruder“ des Selmer Bachs

Selm Alle Blicke ruhen auf dem Selmer Bach: dem Star des künftigen Auenparks in der Aktiven Mitte, der größten Baustelle der Stadt. Ihm geht es aber nur gut, wenn auch alles beim Paßbach stimmt: ein Grund, mal nachzugucken, wie es um den Bach bestellt ist.

So geht es dem „kleinen Bruder“ des Selmer Bachs

Nicht nur der Reifen wird verschwinden, sondern auch die Einengung.

Es gibt die Modenschau auf dem Laufsteg, die Tagesschau im Fernsehen, und Pferdezüchter besuchen die Stutenschau. Die Gewässerschau ist da weniger populär, „aber wichtig“, sagt Josef Kodura von der Unteren Landschaftsbehörde, also dem Kreis Unna. Einmal im Jahr geht er zusammen mit Vertretern von Politik und Verwaltung, Landwirtschaft und Umweltgruppen zu einem der Selmer Fließgewässer und guckt nach dem Rechten. Dieses Mal war der Paßbach an der Reihe. Der ist zwar nicht so bekannt wie der Selmer Bach, aber so etwas wie sein Zwillingsbruder.

Wo fließt der Paßbach überhaupt?


Er entspringt im Cappenberger Wald. Genau zwischen dem Wanderheim des Sauerländischen Gebirgsvereins im Westen und dem Cappenberger Damm im Osten. Der Bach erreicht nach etwa sechs Kilometern Fließstrecke den Siedlungsrand der Stadt Selm. Dort fließt der kleinere Herbach mit ihm zusammen. Ab dieser Stelle heißt der Paßbach Selmer Bach. Er durchzieht die Stadt in nordwestlicher Richtung. In Ternsche mündet er in den Lippe-Zufluss Stever – wenige Meter vor dessen Unterquerung des Dortmund-Ems-Kanals. Wer sich im Gewässerverzeichnis des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz über die Länge des Selmer Bachs informiert, erhält die Angabe: zwölf Kilometer. Der Paßbach ist da gleich mit eingerechnet.

Wie sieht der Paßbach aus?


Ganz anders als sein bekannterer Zwilling. Während sich der Selmer Bach zurzeit noch als ein schmales, unscheinbares Rinnsaal präsentiert – die aktuellen Arbeiten für den Auenpark werden das ändern –, ist der Paßbach ein eineinhalb Meter breites, kräftig dahinschießendes Gewässer. Zurzeit habe es viel geregnet, sagt Kodura, als er zwischen den Straßen Zum Wegebild und Netteberger Straße den Wasserlauf abschreitet. Durch zunehmende Bebauung und damit einhergehender Versiegelung der Flächen müssten Fließgewässer mehr Wasser aufnehmen als zuvor, ergänzt Rudolf Leismann, Vorsitzender des Kreisverbandes des Bundes für Naturschutz (Nabu) und zugleich Selmer.

Wie ist die Wasserqualität?


Die aktuelle Gewässergütekarte stammt aus dem Jahr 2000. Damals galt der Paßbach als „mäßig belastet“. „Ich gehe davon aus, dass es heute nur noch gering belastet heißen würde“, meint Wasserbauingenieur Kodura. Während der Gewässerschau habe er durch klares Wasser auf den Grund schauen können: zwar keine chemische Analyse, aber ein guter Sichtbefund. „Nichts weist auf Eutrophierung (Überdüngung). hin.“ Auch Gülleeinträge im Wasser habe er dieses Mal nicht entdeckt.

Was ist der Grund für positive Veränderungen?


Kodura nennt einen ganz praktischen: „Inzwischen gehören viele Uferstreifen dem Kreis Unna.“ Rechts und links gebe es einen drei bis sieben Meter breiten Abstandsstreifen zwischen den landwirtschaftlichen Flächen und dem Bach. „Das hilft sicherzustellen, dass Landwirte nicht zu nah am Wasser ackern“ – und dass kein Dünger und Pflanzenschutzmittel direkt vom Feld ins Wasser gelangt.

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie schreibt Landwirten außerdem Mindestabstände vor. Die Kontrollbehörde würde regelmäßig Flächen überfliegen lassen. Bei Verstößen würden die Betroffenen zur Kasse gebeten.

Für eine Entwarnung für die Fließgewässer ist es dennoch zu früh: Silvia Lippert, Sprecherin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) erinnert an einen Fall aus dem Vorjahr. „Damals stand die Gülle geradezu auf einem Feld.“ Der Landwirt habe darauf verwiesen, dass sich das beauftragte Lohnunternehmen vertan habe: Es hatte die Fläche zweimal gedünkt. In erster Linie dient díe Gewässerschau der „Feststellung, ob die Gewässer ordnungsgemäß unterhalten werden“, wie es im Landeswassergesetz heißt. Was bedeutet das? Der Wasserabfluss muss stimmen. Dass es hier und da Probleme gibt, haben Landwirte den Teilnehmern der Gewässerschau gezeigt: verstopfte Dränagerohre, Erlen, deren Wuchs den Bachlauf so weit verschiebt, dass das Gewässer plötzlich durch ein Feld zu fließen droht. „In solchen Fällen suchen wir mit den Anliegern und dem Unterhaltungsverband nach Lösungen“, sagt Kodura.

Was ist die größte Maßnahme, die es geben wird?


Nicht nur der Selmer Bach in der Aktiven Mitte erhält eine Auenlandschaft, auch sein Zwilling: Der Paßbach wird unterhalb der Netteberger Straße, wo gerade der Schnippenbach in ihn mündet, ein neues Bett bekommen. Zurzeit fließt er direkt am Grundstück von Familie Kox vorbei. Bei Starkregen gab es regelmäßig nasse Keller – aus zwei Gründen: zum einen der viel zu kleine Durchlass unter der Netteberger Straße, vor dem sich regelmäßig Wassermassen stauten und auf das Grundstück drückten, zum anderen der 90-Grad-Winkel, den der Bach vor dem Haus macht. Das Durchlassproblem ist seit Ende 2016 behoben. Ein 2,20 Meer hoher Betonkörper ermöglicht bequemen Durchfluss. „Jetzt werden wir noch den Bach verlegen“, so Kodura: deutlich nach rechts. Das sei gut für den Hochwasserschutz und gut für die Natur. „Hier entsteht eine Auenlandschaft, in der der Bach wieder naturnah fließen kann.“ Das Grundstück hat der Kreis bereits gekauft. In diesem Jahr erfolgt die Detailplanung. Die Umsetzung könnte 2019 erfolgen.

Haben die Gewässerschau-Teilnehmer auch Tiere unterwegs gesehen?


Ja, aber nicht im Wasser oder am Ufer, sondern in der Luft. Rudolf Leismann entdeckte gleich zu Beginn in Netteberge einen Rotmilan, einen Turmfalken und einen Bussard. Auch ein Storch kreiste später über der Gruppe.

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