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So läuft der Umbau der Villa Bolte in Cappenberg

SELM Seit Jahren liegt die mehr als 100 Jahre alte Villa Bolte in Cappenberg im Dornröschenschlaf. Nun haucht der Cappenberger Wolfhard von Boeselager den Wirtschaftsgebäuden neues Leben ein. Ein echtes Abenteuer. Und das mit 80 Jahren.

So läuft der Umbau der Villa Bolte in Cappenberg

Dr. Wolfhard von Boeselager lässt die Gebäude sanieren - in enger Absprache mit der Denkmalbehörde.

Auf der Straße Baltimora, einer Sackgasse in den Cappenberger Wald, bleiben seit Wochen immer wieder Passanten stehen. Nur kurz blicken sie über die Mauer auf das große, gelb verputzte Anwesen: das Haupthaus der Villa. Denn dort gibt es seit Ende August nicht mehr viel zu sehen. Das langjährige Caritas-Kurzzeitpflegeheim hatte damals geschlossen – aus wirtschaftlichen Gründen, wie die Caritas sagte. Viel spannender ist es, den Blick nach links wandern zu lassen. Da, wo ordentlich etwas los ist.

So läuft der Umbau der Villa Bolte

Diese kunstvoll bearbeiteten Balken  zeigen, wie viel Mühe sich der Nagelfabrikant Bolte einst nahm, um selbst die Wikrtschaftsgebäude seiner neuen Villa ansprechend zu gestalten.
Recycling am Bau: Dieser Eichenbalken, der vor mehr als 100 Jahre im Wirtschaftsgebäude eingebaut wurde, hat vermutlich bereits in einem anderen Gebäude Verwendung gefunden.
Wo einst die Pferde des Nagelfabrikanten unterstanden, entstehen helle Bürogebäude und zwei Wohnungen.
Der Blick in den Garten.
Alter Baumbestand bleibt erhalten.
Handwerker gehen ein und aus.
Das Dach wird ausgebessert.
Idyllisch: Das sogenannte Gärtnerhaus der Villa. Es soll nicht verändert werden.
Dr. Wolfhard von Boeselager im Innenhof der denkmalgeschützten Gebäude.
Dr. Wolfhard von Boeselager lässt die Gebäude sanieren - in enger Absprache mit der Denkmalbehörde.
Bögen prägen die Optik.
Die eigentliche Villa - das Hauptgebäude neben dem Wirtschaftsgebäude, das von Boeselager gerade umbauen lässt - gehört dem Caritasverbad.
Von der Straße Baltimora fällt der Blick auf das Gärtnerhaus mit den geschnitzten Fensterläden.
Ein Blickfang: das alte Scheunentor.
Der einstige Angestellte  des Nagel-Fabrikanten  hatte an diesem Fensterplatz einen Blick auf die Vorfahrt zur Villa.
Die sogenannten Fledermausgauben, die typisch sind für das Gebäude. Warum sie so heißen? Vielleicht wegen der Form ener fliegenden Fledermaus, wie von Boeselager meint.
Ein Blick in das Innere des Gebäudes.
Ein Blick in die Garten.
Das  alte Fachwerk ist teilweise ergänzt worden mit neuem Holz.

Dachpfannen werden gesäubert, die Glasfront entfernt

Dachdecker klettern im Gebälk. Sie sammeln Dachpfannen: flache, rote Ziegel, die an der Unterkante rund Geformt sind. „Biberschwänze“, sagt Wolfhard von Boeselager. Jeder einzelne werde gesäubert, auf Schadstellen untersucht und anschließend wieder eingebaut.

CAPPENBERG 100 Jahre Villa Bolte bedeuten auch 22 Jahre Kurzzeitpflegeheim St. Elisabeth. Mit einer Messe und der feierlichen Einsegnung eines Wandmosaiks des Künstlers Günther Obst wurde am Mittwoch das Jubiläum gefeiert.mehr...

Mehr lässt sich von der Straße aus nicht ausmachen – nicht mehr. „Wir haben die große Scheibe herausgenommen“, sagt von Boeselager. Kirchenmusiker Gottschalk, der vor Jahrzehnten den Gebäudeteil bewohnte, habe es vielleicht gemocht, beobachtet zu werden bei seinem Orgelspiel hinter der Scheibe. So haben es dem gebürtigen Sauerländer von Boeselager, der vor zehn Jahren nach Cappenberg gezogen ist, viele Bekannte erzählt.

Wohnungen, ein Büro und ein Atelier

„Ich selbst bin da anders.“ Die ursprünglichen Scheunentore, hinter denen einst Pferde und Wagen des Industriellen Bolte standen, werden wieder eingebaut. Hinter ihnen schaffen die Handwerker neben dem Büro des Bauherren zwei Wohnungen und ein Atelier für von Boeselagers Ehefrau, die Initiatorin und Leiterin der Waldschule, Martina Schmidt von Boeselager.

„Die Fachwerkwände werden noch gedämmt“, sagt von Boeselager beim Rundgang durch das entkernte Gebäude, in dem nur noch die rustikalen Eichenbalken stehen. „Nur an einer Stelle bauen wir ganz neu.“ Er zeigt durch ein Fenster in den verwilderten Garten auf einen kleinen Anbau: eine Art Wintergarten mit Keller – in klarer, schnörkelloser Formsprache. „Das läuft sehr gut“, sagt Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine-Hippler im Telefongespräch. „Ich freue mich immer, wenn ein so schönes Baudenkmal neue Nutzung erhält.“

Wann von Boeselagers Abenteuer abgeschlossen sein wird? Er lacht. „Vorm Berliner Flughafen.“

Die Villa Bolte in Zahlen

  • 13.3.1911: Der Nagelfabrikant Otto Bolte aus Dortmund erhält die Baugenehmigung für eine Villa in Cappenberg.
  • 9.000 Quadratmeter misst das Grundstück, auf dem er seine Villa errichten ließ mitsamt den Wirtschaftsgebäuden.
  • 16 ist die Hausnummer des Haupthauses in der Baltimora. Zu Bauzeiten gab es noch keine Straßennamen. Alle Häuser hießen Übbenhagen.
  • 26 Kurzzeitpflegeplätze hatte die Caritas zwischen 1989 und 2016 in der Villa. Ende August zogen die letzten Senioren aus. Ob die Caritas das Haus verkaufen oder anders nutzen wird, war bis gestern offen.
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