Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Erziehung an erster Stelle

Viele Familien in Selm beanspruchen Hilfe

Selm. Die Zahl der Hilfen zur Erziehung für Familien sind tendenziell stabil. Die Fallkosten steigen. Ein Widerspruch?

Viele Familien in Selm beanspruchen Hilfe

Die Zahl der Hilfen zur Erziehung ist in Selm tendenziell stabil. Die Fallkosten sind jedoch gestiegen. Foto: picture alliance / dpa

Benedikt Sträter, Abteilungsleiter Soziale Dienste bei der Stadt Selm, hat dem Ausschuss für Jugendhilfe, Familie und Soziales jüngst folgende Zahlen präsentiert: Im Jahr 2017 hat es im Schnitt 189,17 Fälle gegeben, in denen Hilfen zur Erziehung, auf die Familien Anspruch haben, gewährt wurden. Die Entwicklung der Zahlen der letzten Jahre: 2013: 237,17; 2014: 226,99; 2015: 197,75; 2016: 182,31. Dem steht folgende Entwicklung bei den durchschnittlichen Kosten pro Fall und Monat gegenüber: 2013: 1849 Euro; 2014: 1804 Euro; 2015: 2008 Euro; 2016: 2179 Euro; 2017: 2442 Euro.

Werfen wir mal einen Blick auf wichtige Bereiche:

Die Aufgabenverteilung für die Hilfen zur Erziehung bei der Stadt Selm: „Der Allgemeine soziale Dienst ist für die Vermittlung und Steuerung von Hilfen zur Erziehung zuständig“, sagt Benedikt Sträter.

Formen der Hilfen zur Erziehung: Das sind beispielsweise Erziehungsberatung, Erziehungsbeistand, sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehung in einer Tagesgruppe, Vollzeitpflege, Heimerziehung, betreute Wohnform.

Die Entwicklung der Fallkosten in Selm: „In der Gesamtzahl der Hilfen zur Erziehung verzeichnen wir durchaus einen Rückgang“, so Sträter. Die jedoch auffallende steigende Entwicklung bei den Kosten pro Fall sei zum einen dadurch gegeben, dass die pädagogischen Leistungen, die die Stadt einkauft, von Jahr zu Jahr eher teurer werden. Ein Beispiel: Wenn früher bei einem Kind Lese-Rechtschreib-Schwäche diagnostiziert wurde und es in der Schule Schwierigkeiten hatten, konnten über die Jugendhilfe Therapie- und Unterstützungsmöglichkeiten eingekauft werden, die aber von den Kosten her überschaubar gewesen seien. „Mittlerweile haben viele Kinder, die hier in Selm den Unterricht besuchen, einen hohen individuellen Förderbedarf“, berichtet Sträter. Wenn sogar die Teilhabe am Unterricht gefährdet sei, könne die Jugendhilfe dem Kind einen Schulbegleiter zur Verfügung stellen. Die Anzahl der Schulbegleiter sei in Selm gestiegen, mittlerweile auf rund 15 Schulbegleiter. „Diese Hilfen sind sehr kostenintensiv. So ein Schulbegleiter kostet uns pro Stunde 27 Euro. 30 bis 35 Stunden Begleitung eines Kindes pro Woche sind durchaus nicht unüblich.“

Die Entwicklung der reinen Fallzahlen: Auffallend ist, dass von 2013 bis 2016 die Fallzahlen gesunken sind, aber ab 2017 wieder etwas ansteigen. Laut Benedikt Sträter liegt das eben auch daran, dass die Zahl der Schulbegleitungen gestiegen ist. Andererseits hatte sich die Stadt seit Öffnung der Notunterkunft für Flüchtlinge am LAFP in Bork im Herbst 2015 auch um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dort zu kümmern. Seit 2016 sind im Schnitt 15 bis 16 dieser jungen Flüchtlinge unterzubringen. Die Jüngsten waren zwölf Jahre alt. Sind sie dann mit 18 volljährig, endet der Unterstützungsbedarf, etwa durch therapeutische Maßnahmen oder stationäre Unterbringung, nicht. Ein ganz neuer Aufgabenbereich, der die Zahlen hat steigen lassen.

Die Auswirkungen dieser Gesamtentwicklung auf den städtischen Haushalt: „Haushaltstechnisch ist die Auswirkung der Entwicklung gar nicht so gravierend. Für die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bekommen wir eine Kostenerstattung vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. 2017 hatten wir zum Beispiel Ausgaben von 780.000 bis 800.000 Euro. Die finanzieren wir erst mal. 2018 erwarten wir dafür eine Rückzahlung von 800.000 Euro.“ Insgesamt habe die Stadt im Jahr 2017 für Hilfen zur Erziehung 5,2 Millionen Euro ausgegeben. Was bedeutet: Trotz gestiegener Fallkosten hat es keine Kostensteigerungen insgesamt gegeben, sagt Benedikt Sträter.

Die Personaldecke im Bereich Hilfen zur Erziehung: Vier Vollzeit- und zwei halbe Stellen im Allgemeinen Sozialen Dienst. Dazu kommt eine Stelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Zudem stehen zwei Stellen für den Pflegekinderdienst zur Verfügung. Und es gibt ca. 40 Kooperationspartner, wie beispielsweise Familienzentren.

Das Fazit Benedikt Sträters: „Wir haben viele Hilfen, die freiwillig von Eltern angenommen werden. Es ist eine sehr positive Entwicklung, an der viele Kooperationspartner beteiligt sind.“

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

E-Auto im Test: Tag 4

Videotagebuch - wie alltagstauglich ist ein E-Auto

Selm Wie alltagstauglich ist ein E-Auto? Eine Familie aus Olfen und Redaktionsleiterin Sylvia vom Hofe testen zwei Wochen lang den Nissan Leaf. Kann das Elektro-Auto überzeugen? In Teil 4 ihres Video-Tagebuchs geht es darum, dass leise zwar schön ist, aber auch gefährlich. mehr...

11. Selmer Kneipennacht

Musik gibt es sogar im Bus

Selm. Zwei Bands, neun Veranstaltungsorte und ein Preis: Das ergibt die 11. Selmer Kneipennacht. Die in diesem Jahr mit Neuerungen aufwartet. Hier sind alle Bands und alle Standorte im Überblick.mehr...

Grundstücke an der Waltroper Straße

In Bork tut sich etwas

Selm. Nach dem Abriss der Häuser im Bereich Hauptstraße/Waltroper Straße hat sich auf der Fläche mehrere Monate nichts getan. Nun steht der Baubeginn bevor. Und es gibt erste Pläne, was in die neuen Gebäude einziehen soll.mehr...

Brunnen für den Campus Süd

Aus der Erde spritzen bald 50 Wasserfontänen

Selm Die Bauarbeiter haben eine große schwarze Kammer auf der Baustelle am Campus Süd der Aktiven Mitte versenkt. Darin wird die Steuerungstechnik für die Wasserspielfläche eingebaut. Bis zu 50 Düsen sollen dort bald Wasser spritzen lassen.mehr...

Skateanlage an der Aktiven Mitte

Auftakt für die neue Anlage für Skater geschafft

Selm. Noch ist wenig zu sehen von der Anlage, auf der bald Skater ihre Tricks üben werden. Am Dienstag haben die Verantwortlichen aber schon mal mit dem Spatenstich auf dem Campus Nord den ersten Schritt gemacht. Mit einem Hauch Olympia-Flair.mehr...

Geständnis im „Voodoo-Prozess“

Abtreibungspillen an schwangere Prostituierte verteilt

Dorsten/Selm/Castrop-Rauxel Im „Voodoo-Prozess“ um Menschenhandel und Ausbeutung in Bordellen in Castrop-Rauxel und Umgebung geht es jetzt auch um illegale Schwangerschaftsabbrüche. Einer der Hauptangeklagten hat zugegeben, Abtreibungspillen an schwangere Prostituierte verteilt zu haben.mehr...