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„Wir funktionieren nur als Team“

Reiten: Zehn Thesen für Lisa Breimann

Lisa Breimann hat mit 20 schon die Bedingungen für das Goldene Reitabzeichen erfüllt. Von Tierquälerei distanziert sie sich. Aber es gebe auch Reiter, die nicht verantwortungsvoll mit ihren Tieren umgehen.

Vinnum

01.06.2018
„Wir funktionieren nur als Team“

Lisa Breimann mit Aida Luna: Das Paar ist so erfolgreich, dass Breimann zum Bundeskader der Jungen Reiter gehört. In Vinnum gewannen sie 2017 zusammen zum ersten Mal eine Zwei-Sterne-S-Dressur. © Reith

Dass Lisa Breimann mit Worten schlagkräftig ist, beweist sie im Interview. Die zehn – teils provokanten – Thesen kontert Breimann mit Argumenten aus. Und wehrt sich so gegen Vorurteile zu ihrer Sportart und Dressurreiten.

1 Lisa Breimann ist nur so gut wie ihr Pferd.

Auf gar keinen Fall. Ohne Pferd geht es natürlich nicht, aber es ist immer ein Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter, das harmonieren muss. Mein Pferd ist auch nicht gerade das einfachste. Ich habe sie gemacht, wie sie ist, und sie mich, wie ich bin. Wir haben alles zusammen gelernt und funktionieren deswegen nur als Team.

2 Reiten ist kein Sport – das Pferd macht doch die Arbeit!

Dann soll man sich mal selber auf ein Pferd setzen, wenn man das denkt. Nachdem man selbst zehn Minuten geritten ist, hat man dann am nächsten Tag Muskelkater. Wenn man die Muskeln hat, geht es. Gerade als Anfänger werden aber komplett andere Muskeln angesprochen als in anderen Sportarten. Es ist ein Sport für den ganzen Körper – und für den Kopf. Zusätzlich Sport zu machen, ist hilfreich, besonders die Kondition. Am Wochenende waren es über 30 Grad. Wenn man dann keine Ausdauer hat, schaffst du es nicht, acht Minuten am Stück in der Prüfung und vorher eine halbe Stunde auf dem Abreiteplatz zu reiten. Es wird irgendwann anstrengend. Ich gehe nebenbei noch joggen, Fitnessstudio ist mir zu langweilig.

3 Dressursport ist langweiliger als Springreiten.

Auf keinen Fall. Springreiten ist nach zwei Minuten vorbei und dann ist darüber entschieden, ob du mit ganz vorne bist. Wenn die Stange fällt, bist du sofort weg. Beim Dressurreiten musst du acht Minuten vollkonzentriert am Stück nach Perfektion streben. Langweilig ist es für den Zuschauer nur, wenn man nichts davon versteht. Ich kann verstehen, dass es schwieriger ist, sich reinzuversetzen. Springreiten ist einfacher zu verstehen, ich finde Dressur aber besser. Ich habe früher Springen und Dressur geritten und mich dann für die Dressur entschieden.

4 Reiter, die erfolgreich waren, bekommen automatisch leichter gute Noten.

Nein, die Noten werden jedes Mal neu festgelegt. Es kommt immer auf die Tagesform an. Nur weil man einmal gut war, heißt das nicht, dass man immer gut ist. Jeder kann einen starken und einen schwachen Tag erwischen. Sobald man einen Fehler hat, ist man gleich nicht mehr so gut.

5 In einem Reitverein ist das Zusammengehörigkeitsgefühl nicht sehr ausgeprägt, weil die Reiter oft bei unterschiedlichen Ställen und Lehrern reiten.

Das stimmt leider. Grundsätzlich habe ich nicht so viel mit meinem Reitverein zu tun. Wenn Turniere anstehen, helfe ich natürlich auch. Ansonsten habe ich eine eigene Trainerin und bin an einem anderen Stall. Aber das ist nur meine Erfahrungen. Das kann bei anderen Vereinen natürlich anders sein.

6 Reiten kann man sich nur leisten, wenn man aus reichem Haus kommt.

Das ist so eine Sache. Als Einsteiger kann man gut im Verein reiten. Das ist dann gar nicht so teuer. Aber wenn man es professionell machen will, geht es nicht ohne finanzielle Unterstützung. Es gibt zwar die Deutsche Sporthilfe, aber um Geld zu bekommen, muss man schon richtig gut sein. Wenn man sich ein junges Pferd kauft und es selber ausbildet, kostet es natürlich nicht so viel.

7 Um dauerhaft erfolgreich zu sein, muss man immer parallel mehrere Pferde reiten.

Ich reite über mehrere Jahre nur Aida und bin trotzdem erfolgreich. Deswegen würde ich sagen, dass es nicht stimmt. Aber mein Vater hat den jetzt vierjährigen als Fohlen gekauft. Quentin bilde ich jetzt aus, damit ich nach Aida wieder anknüpfen kann. Man kann es natürlich nur mit einem Pferd schaffen. Aida ist jetzt 12 Jahre alt. Bis 16 Jahre könnte ich Aida auf dem Level gut reiten. Quentin wäre dann achtjährig und könnte auch schon S gehen.

8 Reiten ist Tierquälerei!

Absolut nicht! Man muss sich mal angucken, wie die Pferde aussehen, wenn man sie reitet. Ich würde sagen, dass Aida ziemlich glücklich aussieht. Es gibt natürlich Leute, die mit ihrem Pferd nicht verantwortungsbewusst umgehen. Davon distanziere ich mich und achte darauf, dass es meinen Pferden gut geht. Es gibt viele tolle Dressur- und Springreiter, die ihre Tiere nicht quälen. Und zu denen möchte ich gehören.

9 Der fünfte Platz beim Preis der Besten war ein gutes Ergebnis für Lisa Breimann.

Ja, es ist die erste Sichtung für die Europameisterschaft. Es wird danach entschieden, wer in die zweite Sichtung bei den Future Champions in Hagen kommt. Insgesamt habe ich Rang fünf belegt. Damit bin ich zufrieden. Der Preis der Besten ist vom Stellenwert her über einer Deutschen Meisterschaft. Es werden weniger Reiter nominiert als bei den Deutschen. Es ist noch schwieriger, daran teilnehmen zu dürfen. Der Preis der Besten ist anders als die Deutschen eine Pflichtveranstaltung, wenn man zur Euro oder in den Bundeskader möchte.

10 Lisa Breimann springt noch auf den EM-Zug auf!

Zur Europameisterschaft kommen vier Reiter. Ich glaube nicht, dass ich dabei sein werde. Aber es ist schön, da mitmischen zu können.

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