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Ausstellung endete am Sonntag

"Wider Napoleon" interessierte mehr als 10.000 Besucher

CAPPENBERG Nach 15 Jahren zum ersten Mal eine Ausstellung mit historischem Thema - kann das gut gehen? Das fragte sich Thomas Hengstenberg, Leiter des Fachbereichs Kultur beim Kreis Unna und Kurator der Ausstellung "Wider Napoleon" im Schloss Cappenberg. Am Wochenende zog Hengstenberg Bilanz - und die fiel sehr positiv aus.

"Wider Napoleon" interessierte mehr als 10.000 Besucher

Die Ausstellung "Wider Napoleon" im Schloss Cappenberg endete am Sonntag. Mehr als 10.000 Besucher interessierten sich für das historische Thema.

Die Ausstellung „Wider Napoleon!“ im Schloss Cappenberg ist am Sonntag zu Ende gegangen. Thomas Hengstenberg, Kurator der Ausstellung und Leiter des Fachbereichs Kultur beim Kreis Unna, zeigte sich zufrieden: „Die Ausstellung ist gut gelaufen! Wir hatten zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder ein historisches Thema und waren sehr gespannt, wie die Leute darauf reagieren werden, die wir sonst mit Bildern ansprechen.“

Das Besondere: Geschichte wurde inszeniert, wobei man sich vieler multimedialer Elemente bediente. Hengstenberg: „Wir hatten anfangs die Befürchtung, dass etwas konservativere Besucher uns das übel nehmen könnten.“ Im Gegenteil: „Wir haben einen Nerv damit getroffen.“ Viele Zuschriften mit positiven Reaktionen hat Hengstenberg bekommen und den Text seines Vortrags, den er zur Eröffnung der Ausstellung gehalten hatte, ließ er aufgrund der Nachfrage in Schriftform auslegen.

So sieht die Napoleon-Ausstellung in Cappenberg aus

Wider Napoleon. Das war auch das Motto des Freiherrn vom Stein. Nach seiner Entlassung aus dem preußischen Staatsdienst 1808 engagiert sich der Freiherr vom Stein  mit großer Energie für den Kampf gegen Napoleon. Stein wurde als Feind Frankreichs steckbrieflich gesucht, konnte aber rechtzeitig fliehen.
Die Schlacht bei Waterloo 1815, wie Friedrich Kaiser sie gemalt hat. Das Gemälde hängt eigentlich im Dreiländermuseum in Lörrach. Für die Ausstellung "Wider Napoleon" wurde es aber nach Cappenberg ausgeliehen.
Am 2. Dezember 1804 hat die feierliche Krönung Napoleon Bonapartes und seiner Ehefrau Josephine in der Kathedrale Notre-Dame in Paris stattgefunden.
Napoleon hat versucht, aus den Völkern Europas eine gemeinsame Streitmacht zu schaffen. Die Herkunft ist an den unterschiedlichen Uniformen abzulesen.
Tausende von Soldaten zogen für Napoleon in den Krieg. Die Ausstellung versucht in der Masse einen Blick auf Einzelschicksale zu werfen. Wenn jemand überhaupt den verheerenden Russlandfeldzug überlebte, mag er so zurückgekehrt sein.
Während der sogenannten Befreiungskriege kam erstmals der Gedanke auf, für das Vaterland zu kämpfen und nicht nur für einen Herrscher. Davon zeugen die Tafeln zum Gedenken an die Gefallenen, die zu dieser Zeit aufkamen. Auch in der Werner Kirche St. Christophorus  wurde 1816 - nachdem Napoleon das zweite Mal in die Verbannung geschickt worden war -  eine Gedächtnistafel mit den Namen der Gefallenen aufgestellt.
In Waterloo kämpften die alliierten Truppen unter General Wellington und die mit ihnen verbündeten Preußen unter Gebhardt Leberecht von Blücher gegen die Franzosen und schlugen sie vernichtend. Sie beendeten Napoleons Herrschaft der "100 Tage" und damit das Erste Französische Kaiserreich. Napoleon wurde auf St. Helena im Atlantik verbannt.
Als Napoleon nach seinem verheerenden Winterfeldzug 1812/13 erneut Rekruten ausheben wollte, tauchten nicht nur junge Männer unter, sondern es kam zu regelrechten Aufständen. Das Zentrum lag allerdings nicht im Ruhr-, sondern im Rheindepertement. Die Franzosen gingen mit Brutalität gegen die Afständischen vor. Davon zeugt auch diese Tuschezeichnung. Sie zeigt die Erschießung des Webers Mertens in Elberfeld.
Während seiner gesamten Herrschaftszeit von 1806 bis 1813 hat Napoleon das Ruhrdepertement, das ihm direkt unterstellt war, nur einmal besucht: am 3. November 1811. Diese Lithografie zeigt den Besuch in Düsseldorf.
Eine von Napoleons größten Errungenschaften wurde der Code Civil, ein Bürgerliches Gesetzbuch. Bis heute ist es die Grundlage der französischen Rechtsprechung. Am 21. März 1804 wurde der Code Civil eingeführt. 2281 Artikel kamen in ihm zusammen. Es wurde das fortschrittlichste Gesetzbuch seiner Zeit. Als Bürgerliches Gesetzbuch handelt der Code Civil vom Zivilrecht, also nicht vom Strafrecht, sondern vom Privatrecht. Als wichtige Grundsätze wurden im Code Civil die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, Freiheit für alle und der Schutz des privaten Eigentums festgeschrieben.
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wechselte dieStadt Werne mehrere Male ihren Landesherrn. 1802 wurde die zuvor dem Fürstbischof von Münster unterstellte Stadt preußisch. 1806 eroberte Napoleon das preußische Wetfalen, und Werne wurde eine Cantonstadt des Arondissements Dortmund im Ruhrdepartement im Großherzogtum Berg.
An der Spitze des Departements stand der Präfekt Gisbert von Romberg (hier seine Unterschrift). Er handelt auf der einen Seite loyal gegenüber der französischen Herrschaft, schützt auf der anderen Seite Unterpräfekten und Bürgermeister, die aus ihrer propreußischen Haltung oft keinen Hehl machen und zumeist auch schon zu preußischer Zeit ihr Amt inne hatten.
Der Präfekt Gisbert von Romberg  hat sich auch selbst mit Anweisungen an den Werner Magistrat gewandt.
Die Büste des Freiherrn vom Stein steht in seinem Sterbezimmer im Obergeschoss des Schlosses Cappenberg. Nach dem  Sieg über Napoleon war ihm sein privates Eigentum - Schloss und Liegenschaften in Nassau - zurückerstattet worden.Vom Stein wollte aber lieber in Westfalen leben. Er tauschte seinen Besitz in Posen, das Gut Birnbaum, gegen das ehemalige Prämonstratenserkloster Cappenberg, das in preußischem Saatsbesitz war. 1816 zog er in Cappenberg ein.
Die Anweisungen an die Beamten in Werne sind eindeutig: Steckbrief schreiben, verteilen, suchen, arrestieren, zurückbringen - und das umgehend. Napoleon braucht jeden Soldaten.
Nicht nur die Männer, die sich dem Kriegsdienst entziehen oder desertieren, haften, sondern auch jeder, der sie versteckt.
Die fanrösischen Herrscher weisen auf die "Unterthanenpflicht" der Bürger hin. Allerdings fühlen sich nur wenige wirklich als Unterthanen des französischen Kaisers, sie empfinden ihn eher als Besatzer.
Die Schrecken des Krieges im Zeichen Napoleons haben die Menschen im 19. Jahrhunderts überall in Europa erlebt. Francisco de Goya hat der in Zeichnungen festgehalten, welche Grausamkeiten Soldaten und Zivilisten erlebten. Damit werden die Besucher der Ausstellung in Cappenberg konfrontiert.
Knochensäge und anderes Amputationsbesteck  erinnern an die Grausamkeiten, die die Soldaten auf dem Schlachtfeld erlebten.
Napoleos Herrschaft in Werne dauerte von 1806 bis 1813. Die Stadt war während dieser Zeit dem Ruhrdepertement eingegliedert.
Diese Unterschrift war in Europa bindend: Napoleon. Vor 1815 hatte der Korse aber schriftlich keine Leitlinien zu seiner Europa-Politik  verfasst.
Den Schatten, den Napoleon auf die Geschichte des Rurdepertements wirft, können die Besucher der Cappenberger Ausstellung erleben. Sie sehen aber auch die lichten Seiten der französischen Herrschaft: die Bauernbefreiung und die Gewerbefreizeit zum Beispiel.
Napoleon Bonaparte im Kröningsornat als Kaiser. Ihm war das Ruhrdepertement direkt unterstellt.
Wernes Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller in der Cappenberger Ausstellung. Auch wenn sie eher klein und unspektakulär wirken: Die Deserteur-Briefe aus dem Werner Museum spielen eine zentrale Rolle in der Ausstellung. Sie illustrieren die Not der einzelnen Familien.
Mit solchen Briefen haben die Werner Verwaltungsmitarbeiter Deserteure gesucht. Ihnen drohte nicht die Erschießung, sondern der Transport an die Front - und damit in den meisten Fällen ebenfalls der sichere Tod.
Der Code Civil galt nicht nur in Frankreich, sondern zwischen 1807 und dem Ende von Napoleons Herrschaft (1814) auch in den von Frankreich abhängigen Staaten. Dazu gehörten die Niederlande, Italien, das Königreich Westphalen oder die besetzten Gebiete links des Rheins - und damit auch das Ruhrdepertement im Großherzogtum, zu dem Werne zählte.
Vermutlich sind 4700 der 5000 bergischen Soldaten und Offiziere in den sechs Jahren der französischen Herrschaft um Leben gekommen, wie die die Forschungsgruppe um Eckhard Trox vermutet.
Diese Büste Napoleons zeigt den französischen Kaiser in der Pose eines römischen Kaisers der Antike.
Die Qaudriga hatte Napoleon nach Paris schaffen lassen. 1814 kehrte sie in einem Triumphzug zurück. Er führte auch durch Kamen und Hamm - und damit nahe an Werne vorbei.
Die Ausstellung im nahen Cappenberg haben schon viele Werner besucht.

„Besonders faszinierend war die originalgetreue Nachbildung der Quadriga vom Brandenburger Tor. Das haut einen um, wenn man die mal nicht in großer Höhe, sondern direkt vor sich sieht“, resümiert Hengstenberg. Dennoch habe man nicht nur auf spektakuläre Elemente gesetzt, sondern in erster Linie Geschichte vermitteln wollen.

Mehr als 10.000 Besucher hatte die Ausstellung zwischen dem 29. Mai und dem 21. September, schätzt Hengstenberg. „Die Verweildauer war hoch, was für eine große Konzentration spricht.“ Die sei aber auch erforderlich gewesen, diese Ausstellung habe man nicht an sich vorbeirauschen lassen können. Die Ausstellung wird jetzt aufgelöst. Die Stücke gehen zurück zu den über hundert Leihgebern.

Ausstellung auf Schloss Cappenberg

"Wider Napoleon!" zeigt spektakuläre Exponate

Selm Eine Reise in Napoleons Zeiten können Besucher im Schloss Cappenberg ab dem 29. Mai machen. Mit fast 300 Exponaten von der Kanonenkugel bis zur Nachbildung der Quadriga ist die Ausstellung alles andere als dröge. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck.mehr...

Nächste Ausstellung ab 12. Oktober


Briefe aus dem 19. Jahrhundert

Werner Beiträge zur Napoleon-Ausstellung

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