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Umweltfreundlicher leben

Wie Selmer den Plastikmüll reduzieren wollen

Selm Plastikmüll ist ein großes Problem, müllfrei zu leben ist jedoch gar nicht so einfach – besonders in einer großen Familie. Wie lässt sich also in Selm umweltfreundlicher leben?

Wie Selmer den Plastikmüll reduzieren wollen

Kinderspielzeug aus Holz und Wasser aus Glasflaschen. Nancy Czakay aus Selm versucht Plastikmüll zu reduzieren. Foto: Sabine Geschwinder

Gurken, die in Plastikfolie gewickelt sind, kauft Nancy Czakay aus Selm nicht. „Die lass ich liegen“, sagt die Mutter von vier Kindern. Auch Plastikflaschen kommen ihr nicht ins Haus. Lieber kauft sie Glasflaschen. Sie lebt nicht müllfrei. Aber sie hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und informiert sich immer weiter.

Immer mehr Relevanz

Das Thema Müll- und Plastikvermeidung hat in den letzten Jahren zusätzlich an Relevanz gewonnen. Das sagt auch Andreas Hellmich, Pressesprecher Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft (GWA) im Kreis Unna. „Wir merken, dass das Thema Plastikmüll immer stärker zum Thema geworden ist“, sagt er. Das sei vor allen Dingen der Fall, seit sich immer mehr große Handelskonzerne zusammengetan haben, um Plastiktaschen ganz aus dem Programm zu nehmen oder zumindest mehr Geld dafür zu verlangen. Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung hatte gerade erst Zahlen veröffentlicht, wonach im Jahr 2017 20 Prozent weniger Taschen verbraucht wurden, als 2016.

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Das Marktforschungsunternehmen PWC hat im Februar eine Studie veröffentlicht, wonach jeder Dritte der 1.000 Befragten angab, auf Produkte verzichten zu wollen, wenn diese zu stark in Plastik verpackt werden. Knapp ein Viertel wäre bereit, mehr Geld für eine nachhaltigere Verpackung auszugeben.

Auch die vermehrte Berichterstattung über Plastikmüll im Meer habe laut Hellmich dazu geführt, dass Verbraucher bewusster mit den Gefahren von Müll umgehen. Mit der Plastiktaschenreduzierung hätten sie gelernt, dass es leicht möglich sei.

Mehr wert


Auch Nancy Czakay findet es gut, dass es in Supermärkten immer weniger Plastiktaschen gibt. Aber was ist mit den Tüten beim Gemüse, fragt sie sich. Sie sagt: „Für eine Papiertüte würde ich auch 10, 20 Cent mehr zahlen.“ Rewe war das erste große Handelsunternehmen, das sich entschieden hat, Plastiktüten ganz aus dem Verkauf zu nehmen. „Der Kunde nimmt das gut an, wir hören nur Positives“, sagt Jimmy Gawdi, Inhaber von Rewe Gawdi in Selm. „Ich glaube, es gibt wenige, die nichts für die Umwelt tun wollen.“ Gawdi sagt, aktuell gebe es bei Rewe Überlegungen auch die kleinen Tütchen, die es beim Obst und Gemüse gibt, auf Dauer abzuschaffen.

Allerdings: Müll komplett zu reduzieren, wie es die „Zero Waste“ (also Null Müll)-Bewegung propagiert, ist im Alltag ein nahezu unmögliches Unterfangen. „Leider lässt sich auf Plastikverpackungen nicht komplett verzichten und schon gar nicht in einem Sechs-Personen-Haushalt“, sagt Czakay. „Wenn man sich ein Müsli selber macht, hat man trotzdem am Ende fünf Plastiktüten“ und auch Glasflaschen mit zur Schule zunehmen sei keine Option für ihre Kinder.

Kleine Schritte

Die Welt auf einen Schlag verändern, funktioniert nicht. Andreas Hellmich möchte sogar warnen, sich das Ziel eines komplett müllfreien Lebens zu setzen, denn dann sei Scheitern quasi vorprogrammiert. „Demotivation ist nicht förderlich“, sagt Hellmich. „Bevor ich gar nichts mache, lieber ein bisschen.“ Wer mit dem Verzicht auf Plastiktaschen anfange, der könne hochgerechnet aufs Jahr und die ganze Familie schon einiges an Müll einsparen und dann vielleicht an anderer Stelle noch weitermachen. Zum Beispiel Kinderspielzeug kaufen, das langlebig und damit umweltfreundlicher ist, als schnell kaputte Plastikspielgeräte.

Außerdem rät auch er dazu, auf Produkte zu achten, die kein Mikroplastik enthalten. Diese sind oft in Shampoo oder Kosmetik enthalten. „Mikroplastiken sind Stoffe, die in der Umwelt bleiben. Sie sind so klein, dass sie auch in Wasserwerken nicht mehr herausgefiltert werden können.“ Andreas Hellmich sagt: „Die Dinge, die man gut ändern kann, damit sollte man anfangen.“

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