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Alte Kameras verkörpern Geschichte(n)

Stadtlohn Mattschwarz und silbern glänzen ihre Körper im Licht der Spots, ihre Augen halten sie geschlossen. Nur wenn Hermann Liemann den Auslöser drückt, öffnen sie sich - für den Bruchteil einer Sekunde.

Alte Kameras verkörpern Geschichte(n)

<p>In jahrzehntelanger Verbundenheit mit Konica hat Hermann Liemann seine Sammlung aufgebaut. MLZ-Fotos (4) Ohm</p>

"Ich sammle nicht bloß für die Vitrine. Wenn ich Kameras nicht ab und zu benutzen kann, sind sie doch nur wie leere Kisten." Der Stadtlohner Fotograf pflegt ein ebenso liebevolles wie pragmatisches Verhältnis zu den Objekten seiner Sammler-Leidenschaft. Und wie alle "richtigen" Sammler hat er sich spezialisiert - und jetzt geschafft, wovon mancher Philatelist vielleicht bloß träumen kann: Er hat seine Sammlung komplett und alle Spiegelreflexkameras vereint, die die Firma Konica jemals produziert hat.

1960 brachte der japanische Hersteller die erste auf den Markt - die Konica F. "Die hatte damals schon eine 1/2000 Sekunde als schnellste Verschlusszeit und eine Blitzsynchronisation bei 1/125", weiß Liemann, der sich als Sammler für die innovativen technischen Details begeistern kann. Aber ebenso hat es ihm das Auf und Ab in der Geschichte des Herstellers angetan - kein Wunder: Er selbst fand mit Konica den Weg zur professionellen Fotografie. "Meine erste Spiegelreflexkamera habe ich mir 1969 gekauft", ist dem Stadtlohner dieser Moment noch heute präsent, als er den Fotoapparat erwarb. Zuvor hatte er lange dafür gejobbt, um sie sich überhaupt leisten zu können - die "Revueflex". Konica war in Deutschland als Hauptzulieferer von Quelle tätig, und daher hießen die hiesigen Varianten der baugleichen japanischen Modelle auch "Revue".

Als 17-Jähriger besuchte Liemann 1970 zum ersten Mal die Messe Photokina - und verblüffte die Japaner am Konica-Stand so mit seinen profunden Kenntnissen über das neueste Modell, dass daraus ein Kontakt werden sollte, der bis heute nicht abgerissen ist. Sogar einen Tag in den Produktionsstätten in Japan durfte er miterleben - "da habe ich Linsen geschliffen - Konica ist heute noch ein führender Hersteller von technischen Linsen" -, und hat Fertigungsteile mitbringen dürfen, die einen Blick ins Innere einer Kamera erlauben und zu den Spezialitäten der Sammlung gehören.

Gebrauchsspuren

Einen besonderen Platz hat darin die Kamera, mit der er in den siebziger Jahren als Pressefotograf für unsere Zeitung arbeitete: Sie trägt die Spuren ihres Gebrauchs wie ein Ehrenkleid. Materiell ist sie ebenso wie die anderen Kameras eher wenig wert - "Solche Kameras sind Massenware. Ihr Wert liegt im Ideellen." Das stört das Sammlerherz wenig, und stört auch nicht den Spaß, wenn einer der Apparate mal wieder mit einem Film bestückt wird. to

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