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Neue Methode im Wirbelsäulenzentrum

Beweglicher Ersatz für die Bandscheibe

STADTLOHN Seit einem Jahr leitet Privatdozent Dr. Stefan Lakemeier das Wirbelsäulenzentrum des Krankenhauses Maria-Hilf in Stadtlohn. Zuvor hat der 41-jährige Facharzt für Orthopädie sein „Handwerk“ in der Uni-Klinik Göttingen gelernt. Von dort hat er ein Operationsverfahren mitgebracht, das die Beweglichkeit der Wirbelsäule trotz Entfernung der Bandscheibe erhalten soll. Hier sind Fragen und Antworten zum Thema.

Beweglicher Ersatz für die Bandscheibe

Dr. Stefan Lakemeier zeigt an einem Modell der Halswirbelsäule, wie die elastischen Bandscheiben auf die Nerven (im Modell gelb) drücken können und so Schmerzen, Taubheit und Lähmungen im Arm verursachen können. Foto: Stefan Grothues Foto: Stefan Grothues

Was passiert beim Bandscheibenvorfall?
Die elastischen Bandscheiben mit weichem gelartigen Kern wirken wie Puffer zwischen den Wirbeln. Aufgrund degenerativer Veränderungen, so erklärt Dr. Stefan Lakemeier, kann sich die Bandscheibe nach außen verschieben und auf einen Nerv drücken.

Gibt es besondere Risikogruppen?
Vor allem familiäre Vorbelastungen spielen eine Rolle, sagt Stefan Lakemeier. Übergewicht und Bewegungsmangel seien zusätzliche Risiken, spielten aber nicht die entscheidende Rolle. Lakemeier: „Die Erfahrung zeigt, dass jüngere Frauen relativ häufig betroffen sind, manchmal schon ab 30.“

Wie merkt der Betroffene den Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich?
„Der Nacken selbst schmerzt eigentlich weniger“, sagt Stefan Lakemeier. Dafür aber der Arm. Auch Kribbeln und Taubheit im Arm können Symptome sein. Kraftverlust im Bizeps und Trizeps oder gar Lähmungen im Arm sind schwereren Fällen auch möglich.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?
„Mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) können wir zweifelsfrei feststellen, ob ein Bandscheibenvorfall die Ursache für die Beschwerden im Arm ist“, erklärt Dr. Stefan Lakemeier.

Wie sieht die Behandlung aus?
„Konservativ, konservativ, konservativ!“, empfiehlt der Orthopäde. „Ein chirurgischer Eingriff ist erst dann angezeigt, wenn nichts anderes mehr hilft.“ Physiotherapeutische Behandlungen und manuelle Therapien bringen Linderung. Gute Erfahrungen macht Lakemeier mit der Spritztherapie, die mithilfe der Computertomographie punktgenau gesetzt werden könne. „Hier im Krankenhaus Maria-Hilf führen wir diese Behandlung zehn bis zwölf Mal am Tag durch.“ Unterm Strich, so Lakemeier, helfen die konservativen Methoden in 80 bis 90 Prozent der Fälle.

Wann muss operiert werden?
Wenn alles andere nicht hilft. „Bei Lähmungen oder Muskelschwäche im Arm ist eine Operation sofort angezeigt, erklärt der Experte im Stadtlohner Krankenhaus.


Was wird bei der Operation gemacht?
Die betroffene Bandscheiben wird komplett entfernt. Nach der seit den 1960er-Jahren üblichen Standardmethode wird in den Hohlraum ein Abstandshalter eingesetzt – entweder aus Titan oder aus einem Stück Beckenknochen. „Der Schmerz ist erst einmal weg. Doch die Standardmethode hat einen Nachteil: Die verbleibenden Bandscheiben tragen mehr Last. Ein Anschlussverschleiß ist wahrscheinlich, vor allem wenn die Patienten noch jünger sind.

Wie sieht denn die neue Operationsmethode aus?
Ganz neu sei die Methode nicht, sagt Stefan Lakemeier. Seit 10, 15 Jahren arbeiten Wirbelsäulenchirurgen mit beweglichen Prothesen, die aus zwei Titanplatten und einem Mittelteil aus Kunststoff bestehen. Neu ist, dass diese Methode jetzt auch hier in der Region angewandt wird. „Die Vorteile der neuen Operationsmethode sind durch Langzeitstudien mit jüngeren Patientinnen belegt“, so Stefan Lakemeier.

Wie oft werden Menschen in Stadtlohn an der Wirbelsäule operiert?
Die Zahl der Wirbelsäulen-Operationen in Stadtlohn liegt im Jahr bei rund 300. Davon betreffen etwa 100 die Halswirbelsäule. Bislang wurden im Wirbelsäulenzentrum fünf bewegliche HWS-Bandscheibenprothesen eingesetzt.

Welche Erfahrungen hat Dr. Stefan Lakemeier mit der neuen Methode gesammelt?
„Es klappt gut, die Erfolge sind da“, sagt Lakemeier, der vor seiner Stadtlohner Zeit bereits über 50 Prothesen eingesetzt hat. Für sein Masterzertifikat der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft musste Lakemeier seine Fertigkeit und eine bestimmte Anzahl von Operationen vorweisen. Über seine Erfahrungen berichtete der Privatdozent im vergangenen Jahr auch auf einer Vortragsreise in Japan. In Kürze steht eine weitere Vortragsreise in China an.

Wird es künftig in Stadtlohn keine Versteifung von Wirbelsäulen mehr geben?
Doch, es wird weiterhin Versteifungen geben, weil sie bei bestimmten Patienten medizinisch sinnvoll sind. „Aber eben nicht bei jedem. Wir müssen in jedem Einzelfall genau hinschauen“, sagt Stefan Lakemeier. „Mit den Prothesen können wir differenzierter auf Patienten eingehen. Vor allem für die jüngeren und beweglichen Patienten können wir auf diese Weise die Lebensqualität steigern.“

Zahlen die Krankenkassen die Prothesen?
Ja. Die Prothesen kosten zwar das Achtfache der herkömmlichen Platzhalter. Auf den Patienten kommen aber keine zusätzlichen Kosten zu, sagt Stefan Lakemeier.

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