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Tonius Busch gründete Stadtlohner Musikschule

Der Vater der Musikschule

Stadtlohn Tonius Busch hat vor 50 Jahren die Musikschule gegründet. Die eigene Musikerkarriere begann vor fast 80 Jahren – aber mit einem Fiasko, wie er gesteht.

Der Vater der Musikschule

Sein Herz schlägt immer noch für die Musik: Tonius Busch am Klavier in seinem Wohnzimmer. Foto: Stefan Grothues

Hausbesuch beim Vater der Stadtlohner Musikschule, der am Sonntag beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Musikschule mit der Stadtplakette geehrt wird. Eine schönere Adresse für Musiker gibt es wohl kaum. Tonius Busch wohnt mit seiner Frau Maria im Mozartwinkel. „Der Mozart ist aber nur ein Zufall“, sagt der 86-jährige Musiker lachend. Und als er sich für ein Foto ans Klavier setzt, greift er doch lieber nach den Noten von Johann Sebastian Bach. Und schon gleiten seine Finger über die schwarzen und weißen Tasten, der Zauber des Wohltemperierten Klaviers schwebt durchs Wohnzimmer. Doch Tonius Busch ist streng mit sich selbst: „Die Finger wollen nicht mehr so, wie sie sollen.“

So war es auch vor mehr als 75 Jahren, noch bevor er es zur Meisterschaft am Klavier und an der Orgel brachte. Sein Vater war Organist in Steinfurt. Als der 1940 in den Krieg ziehen musste und dann auch der Rektor von der Gestapo verhaftet wurde, war niemand mehr da, der die Messe an der Orgel begleiten konnte. Da musste eben der Sohn des Organisten ran. „Ich war zehn oder elf – und ich konnte noch gar nicht Orgel spielen“, erzählt Tonius Busch. Das blieb nicht unbemerkt. Nach der Messe herrschte ihn ein Gottesdienstbesucher an: „Wenn et nich kaas, dann bliev doch to huus!“ („Wenn du es nicht kannst, dann bleib doch zuhause!) Nie wieder wollte der junge Tonius an die Orgel. Doch seine Mutter sagte: „Nächsten Sonntag spielst du wieder. Du hast ja jetzt sieben Tage Zeit zu üben.“

Der Vater der Musikschule

27. September 1970: Tonius Busch dirigiert den Kinderchor zur Einweihung der Stadtlohner Stadthalle. Foto: privat

Von nun an fuhr der Elfjährige einmal die Woche mit dem Zug zum Klavier- und Orgelunterricht nach Münster. „In Münster selbst durften Kinder nicht allein mit der Straßenbahn fahren. Ich bin im Dauerlauf hinterhergerannt, damit ich den Weg zum Klavierlehrer ins Kreuzviertel finde“, erinnert sich Tonius Busch. Zuhause sorgte mütterliche Strenge dafür, dass der Junge tagtäglich übte – „obwohl ich lieber mit den anderen Kindern draußen gespielt hätte“. 1944 gerät der 13-Jährige auf dem Weg zum Klavierunterricht in Münster in einen Bombenangriff, harrt in einem Bahnhofsbunker aus. Jetzt überwiegt die mütterliche Sorge. Tonius darf fortan nicht mehr nach Münster fahren.

Elf Chöre geleitet

Doch Tonius Buschs Leidenschaft für die Musik ist längst entfacht. Nach dem Krieg studiert er Kirchenmusik an der Folkwangschule in Essen, legt das B- und das A-Examen ab. Nach Zwischenstationen in Coesfeld und Gescher wird er 1963 Organist in Stadtlohn. Aber nicht nur das. „Meine musikalische Liebe gehörte auch immer der Chorleitung“, sagt Tonius Busch.

Elf Chöre leitet er im Laufe seines Berufslebens. Für hervorragende künstlerische Leistungen wird ihm später der Titel Chordirektor ADC verliehen. 1964 gründet Tonius Busch in Stadtlohn den Sing- und Spielkreis mit Orffschen Instrumenten. Die Kinder wollen auch andere Instrumente kennenlernen. Tonius Busch bringt sich selbst das Blockflötenspiel bei, um es den Kindern zeigen zu können. Doch die wollen auch Gitarre lernen. Oder Akkordeon. To-nius Busch macht sich daher für die Gründung einer Musikschule stark. Mit Erfolg. 1968 beschließt der Rat die Einrichtung einer städtischen Musikschule.

35 Auftritte pro Jahr im Kirchenchor

Tonius Busch wird auch der erste Musikschulleiter, allerdings nur nebenberuflich. Er bleibt Organist und Chorleiter in St. Otger. Allein mit dem Kirchenchor hat er 35 Auftritte pro Jahr, dazu die Probenarbeit, die Messfeiern, der Aufbau der Musikschule, zunächst in der baufälligen Deckingschen Villa, später im Obergeschoss des HOT an der Mühlenstraße. Irgendwann warnt ihn sein Arzt und Tonius Busch spürt es auch: „So geht es nicht weiter. Es wird einfach zu viel.“ 1975 gibt er die Stelle als Organist und Chorleiter auf. Er wird für die nächsten 20 Jahre hauptamtlicher Leiter der städtischen Musikschule.

Ich selbst habe viele gute Lehrer gehabt – aber auch schlechte“, sagt Tonius Busch als er die dicken Fotoalben durchblättert, in denen er die Geschichte der Musikschule festgehalten hat: Programme, Fotos, Zeitungsberichte hat er sorgfältig eingeklebt. Und wenn sein Finger durch die Kinderchorreihen wandert, kann er fast alle noch mit Namen benennen. „Die ist jetzt Musikerin im Orchester in Wuppertal … der ist Musiklehrer … die ist eine ausgezeichnete Cellistin …“ Offenbar hat Tonius Busch viele musikalische Talente gefördert – und das mehr mit Freude als mit Strenge.

„Für den nettesten Musiklehrer aller Zeiten“

Aus dem Album rutscht eine bunte Kinderzeichnung heraus. Darauf steht: „Für den nettesten Musiklehrer aller Zeiten.“ Tonius Busch freut sich über die Aufmerksamkeit, die er nun 50 Jahre nach seiner Musikschulgründung genießt. Aber ein wenig ist ihm der Rummel auch unheimlich. „Ich bin froh, wenn der Sonntag vorbei ist“, sagt er lachend. Auf sein Berufsleben blickt er gerne zurück. „Das war eine schöne Zeit. Ich habe es wirklich gerne gemacht.“

Fünf Kinder haben Tonius und Maria Busch großgezogen. Am Sonntag werden sie bei der feierlichen Verleihung der Stadtplakette an ihren Vater mit dabei sein. Querflöte, Klarinette, Violine und Oboe haben sie gelernt. „Nur einer wollte partout kein Instrument spielen“, sagt Tonius Busch. Aber auch das war im Hause des Musikschulleiters möglich. Berufsmusiker wird keiner, aber immerhin: Ein Musiklehrer ist dabei. Tonius Busch selbst bleibt auch im Ruhestand der Musik zutiefst verbunden.

Noch bis 2009 leitet er einen Chor in Gescher. An der Musikhochschule in Münster studiert er auch im Alter. Musik hält offenbar jung. „Kann sein, mein Vater, der ja auch Organist war, ist 94 Jahre alt geworden.“ Weil die Finger aber nicht mehr so recht wollen, spielt Tonius Busch nur noch selten Klavier. Aber der 86-Jährige ist ja jung geblieben: Oft nimmt er sich eine Partitur und schaut sich an, wie sie gespielt wird – auf Youtube.

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