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Abnahme für Karnevalswagen

Erst der TÜV und dann der Spaß

Stadtlohn. Die Wagenbauer in den Karnevalshochburgen planen schon für den nächsten Rosenmontagsumzug. Müssen die Karnevalisten das TÜV-Siegel fürchten?

Erst der TÜV und dann der Spaß

Für die Wagen im Stadtlohner Umzug soll es schon bald ein TÜV-Siegel geben. Foto: Sascha Keirat

Beim Schunkeln auf dem Karnevalswagen zählt nur der Spaß am Feiern oder doch vielleicht auch die Stabilität? Beim Informationsabend der Karnevalsgesellschaft (KG) „Üm Bütt un Pütt“ im Haus Hakenfort ging es am Donnerstag – noch weit vor dem fröhlichen Rosenmontag – um das ernste Thema der Sicherheit der Karnevalswagen.

Norbert Kuschel und Albert Jaegers, erfahrene Zugleiter der KG, hatten dazu nicht nur die Wagenbauer umliegender Karnevalsgesellschaften eingeladen, sondern auch Diplom-Ingenieur Thomas Hisker (Foto)

Erst der TÜV und dann der Spaß
aus Gescher, der als Teamleiter des TÜV Nord die Karnevalswagen in der Region begutachtet. Der Hintergrund: Die Stadtlohner Karnevalsgesellschaft arbeitet darauf hin, dass ab der Session 2019/20 alle Wagen, die am Rosenmontag durch die Töpferstadt rollen, sogar ein entsprechendes TÜV-Siegel vorzeigen können.

„Rote Kennzeichen sind verboten. Dann besteht kein Versicherungsschutz, denn sie sind nur zur Überführung erlaubt“, warnte Kuschel die Zuhörer, die teilweise sogar aus den Niederlanden angereist waren. „Fällt etwas vom Karnevalswagen auf den Fuß des Jecken am Straßenrand, ist die KG gefordert“, erläuterte Kuschel eine weitere Versicherungsfrage.

Sorgen zerstreut

Obwohl es eine Begutachtungspflicht gebe, bräuchten die Wagenbauer keine Angst vor dem TÜV zu haben, zerstreute Hisker eventuelle Bedenken gegen die TÜV-Abnahme von Fahrzeugen ohne allgemeine Betriebserlaubnis. „Es ist alles zulässig, was hält, solange ich mich davon überzeugen kann“, so Hisker. Unwichtig seien Fahrgestellnummer oder Bremsen am Anhänger, für den in jedem Fall aber vier Unterlegkeile mitgeführt werden müssen.

Die Maße eines Karnevalswagens seien festgelegt: Die maximale Höhe liegt bei 4 Metern, die maximale Breite bei 2,9 Metern und die maximale Länge bei 15 Metern. „Seit Jahren ist da nichts passiert. Dann können sie auch gar nicht so schlecht gebaut haben“, machte Hisker den Zuhörern Mut.

Die seitliche Beplankung sei ebenfalls Pflicht. Auch gebe es Bestimmungen für den Wagenaufbau. Die Brüstung müsse mindestens einen Meter hoch sein. Alle Aufbauten müssten fest verbunden und der Boden müsse rutschfest sein.

„So ein Gutachten kostet 116 Euro für drei Umzüge, wenn der Wagen nicht verändert wird. Ich komme zu Ihnen zur Abnahme, auch in die Niederlande“, versicherte Hisker. In der Diskussion kam die Frage auf, ob das Geld für das Gutachten nicht von der KG übernommen werden könne, eine kleine Diskussion. „Die KG zahlt in Stadtlohn knapp über 30.000 Euro für den Umzug. Das muss erst einmal gestemmt werden“, entgegnete Kuschel. Dagegen seien die 116 Euro für drei Umzüge noch machbar, meinten danach einige Zuhörer.

Viel Eigenbau im Spiel

Hisker begutachtet seit zwölf Jahren als Sachverständiger unter anderem auch Karnevalswagen. „Im Ruhrgebiet läuft das anders ab. Da hat man Wagen von Unternehmen, die nachgeschmückt werden. Da liegt bereits eine TÜV-Abnahme vor. Hier auf dem Land werden eher ältere und ausgediente Fahrgestelle in Eigenbau zu Umzugswagen gemacht“, ergänzte Hisker seine Ausführungen im Gespräch mit der Münsterland Zeitung.

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