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Familie hofft auf Blindengeld

Stadtlohn Er hatte sich auf eine schöne Radtour gefreut. Doch für einen 57-Jährigen aus Stadtlohn endete der warme Junitag 2007 mit einem Kollaps, einem zwischenzeitlichen Herzstillstand und schweren Hirnschäden.

Seitdem ist nichts mehr wie es einmal war. Ein gesundes Leben ist zerstört, eine Familie lebt in Armut - und die Hoffnung ruht auf dem Verwaltungsgericht Münster.

Dort vertrat gestern Rechtsanwalt Jürgen Bröckers die Belange der Familie. Seine Forderung an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Blindengeld für den mittlerweile im Wachkoma liegenden Stadtlohner - und damit wenigstens ein bisschen finanzielle Unterstützung für die Familie. "Hier ist von einer Sekunde auf die andere der einzige Ernährer ausgefallen", sagte der Rechtsanwalt.

Die Frage ist nur: Wie blind ist ein Mensch, der im Wachkoma liegt? Ein Experte des LWL beantwortete sie gestern klar und eindeutig: "Überhaupt nicht." Bei dem 57-jährigen Stadtlohner seien umfangreiche Untersuchungen erfolgt, um herauszufinden, ob die Sehnerven die Impulse noch immer ins Hirn transportieren. Ergebnis: "Alles war in Ordnung. Die Werte lagen im Normbereich für erwachsene Männer", sagte der Mediziner. Ist damit also schon alles verloren?

Rechtsanwalt Jürgen Bröckers will so leicht nicht aufgeben. "Ich verstehe unter Sehen etwas anderes", sagte der Jurist. Müsse nicht vielmehr auch der Mensch als blind gelten, der zwar optische Reize noch sehen, diese aber nicht mehr verarbeiten kann? Bröckers: "Es ist doch kein Unterschied, ob ein Patient gar nichts mehr sieht oder das, was vor ihm steht, nur als bloße Ansammlung von Farben und Formen erkennt." Der Rechtsanwalt forderte das Gericht deshalb auf, noch eine weitere Untersuchung in Auftrag zu geben - um die Hirnleistungen des Stadtlohners noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie das Gericht darüber denkt, ist noch offen. Eine Entscheidung fällt in den kommenden zwei Wochen.

Noch hat die Familie also Hoffnung. Knapp 300 Euro monatlich würde ein positiver Blindengeld-Bescheid in die Kasse spülen. Sicher nicht viel. "Aber als Frau mit drei Kindern zählen sie jeden Cent", so der Rechtsanwalt. vb

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