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Ausfälle - aber keine Katastrophe

Frost killt frühe Erdbeerblüten in Hundewick

STADTLOHN Sein erster sorgenvoller Blick am Morgen gilt dem Thermometer. Minus vier Grad Celsius waren es in der Nacht zu Donnerstag. Kälter darf es wirklich nicht werden. Denn der Frost zerstört Blütenträume. Und das kostet den Hundewicker Erdbeerbauern Heinrich Möllers bares Geld. Eis und Erbeeren passen eben nicht immer zusammen.

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Heinrich Möllers und Tochter Angelika hoffen noch auf eine gute Erdbeer-Ernte.

Frostschaden: Die Blüte links hat die vergangenen Frostnächte nicht überstanden, die Blüte rechts dagegen verspricht eine leckere Erdbeere zu werden.

Der Himmel ist blau, die Sonne lacht. Elf Grad. Ein wunderschöner Apriltag. Heinrich Möllers und Tochter Angelika lüften die langen Plastikbahnen auf ihrem Erdbeerfeld, um die Pflanzen zu inspizieren. Die Folgen der Frostnächte sind auch für den Laien augenfällig: Fast an jeder Pflanze kümmern neben strahlend weißen Blütenblättern und leuchtend gelben Blütenstempeln etliche schwärzlich welke Blüten. Heinrich Möllers pflückt eine der Kümmerblüten. „Hieraus wächst keine Erdbeere mehr – oder höchstens eines verkümmerte, die keiner essen will.“

Zehn Prozent geschädigt

Rund zehn Prozent der Blüten der frühen Sorte seien betroffen, so schätzt Heinrich Möllers. Aber der Erdbeerbauer bleibt gelassen: „Das ist nicht schön, aber eine Katastrophe ist das nicht.“ Denn die frühe Sorte macht nur ein Zehntel des Erdbeeranbaus der Familie Möllers aus. Auf insgesamt vier Hektar baut die Hundewicker Landwirtsfamilie seit Jahrzehnten die süßen und aromatischen Früchte an. „Es kommt immer wieder mal zu Frostschäden“, sagt Heinrich Möllers. Die frühe Sorte wird seit zwei Wochen von einer transparenten und gelochten Plastikfolie bedeckt. Wärme und Feuchtigkeit fördern das Wachstum der Pflanzen. Unter der Folie blüht es überall. Die Felder nebenan ohne Folie sind noch grün. Sie sind nicht vom Frost gefährdet.

Frühe Sorgen begehrt

Aber Heinrich Möllers weiß aus langjähriger Erfahrung: „Der Anbau der frühen Sorten lohnt sich. Die ersten Früchte sind immer die begehrtesten.“ Ab Mitte Mai können die frühen Früchte geerntet werden – wenn das Wetter passt. Für dieses Jahr will sich Heinrich Möllers noch nicht festlegen. „Dieses Jahr war es zuerst zu warm und dann zu kalt. Besser ist es, wenn das Frühjahr spät kommt.“ Noch aber ist er guter Hoffnung, dass in vier Wochen die ersten Selbstpflücker auf seinen Feldern unterwegs sind.

Erdbeeren retteten Hof

Haupterntezeit aber ist der Juni. Wenn es keinen Dauerregen gibt. Und wenn kein Hochwasser folgt. So wie es letztes Jahr der Fall war. Für Familie Möllers brachten die Wetterkapriolen 2016 erhebliche Ernteausfälle. „Man darf aber nicht nur das einzelne Jahr sehen“, sagt Heinrich Möllers. Über die Jahre hinweg hat die rote Frucht den Hof als Vollerwerbsbetrieb gerettet. Heinrich Möllers hatte den elterlichen Betrieb 1973 übernommen: zehn Kühe, 20 Schweine, 500 Hühner und ein paar Enten. Zu klein für die Zukunft, wie schon bald klar wurde. Heinrich Möllers führte den Betrieb daher zunächst im Nebenerwerb, arbeitete tagsüber in der Stuhlfabrik Spahn. Sein Arbeitstag dauerte von 5 bis 22 Uhr. „Das konnte auf Dauer nicht so weiter gehen“, erzählt der heute 63-Jährige.

Wichtiges Standbein

Das Beispiel eines Obstbaubetriebs in Coesfeld brachte die entscheidende Idee: Erdbeeren. Das war 1981. „Mein Vater sagte damals: ,Lass es sein. Der Boden ist nicht der richtige. Bei uns im Garten faulen doch die Erdbeeren‘“, erinnert sich Heinrich Möllers. Doch er ging es professionell an: die richtigen Pflanzen, der richtige Dünger zur richtigen Zeit, der richtige Anbau und der richtige Technikeinsatz – zuerst auf einer kleinen Fläche, dann auf einem Hektar und heute auf vier Hektar. Die Erdbeeren und der Hofladen sind heute ein wichtiges Standbein des Betriebs, der längst wieder im Vollerwerb geführt wird. Heinrich und Annette Möllers haben den Hof inzwischen an Tochter Angelika und Schwiegersohn Daniel Möllers-Mensing übergeben. Aber die Erdbeeren lassen Heinrich Möllers nicht los. Täglich ist er auf den Feldern unterwegs.

Eisheilige drohen noch

Während in den Anfangsjahren die Selbstflücker mit großen Eimern kamen, kommen sie heute nur noch mit kleinen Schälchen. „Die Einmach-Generation stirbt aus. Heute werden die Erdbeeren von Selbstpflückern meistens nur noch in kleinen Mengen für den Frischverzehr geerntet.“ Darum pflücken heute auf dem Erdbeerhof auch polnische Erntehelfer die reifen Früchte. Sie werden dann in Supermärkten der Region verkauft. Heute wachsen auf dem Erdbeerhof auch Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren. Deren robustere Blüten haben den Frost der vergangenen Tage unbeschadet überstanden. Und für die nächsten Nächte sind auch die Erdbeeren nicht in Gefahr. Die Meteorologen sagen Plusgrade voraus. Der sorgenvolle Blick zum Thermometer aber bleibt. Heinrich Möllers: „Anfang Mai drohen die Eisheiligen mit neuem Frost. Und dann stehen 90 Prozent unserer Erdbeerfelder in voller Blüte…“

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Heinrich Möllers und Tochter Angelika hoffen noch auf eine gute Erdbeer-Ernte.

Frostschaden: Die Blüte links hat die vergangenen Frostnächte nicht überstanden, die Blüte rechts dagegen verspricht eine leckere Erdbeere zu werden.

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