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Dr.-Joseph-Vogtt-Gasse in Stadtlohn

Gasse ehrt Bauherrn des Hauses Hakenfort

Stadtlohn Dr. Joseph Vogt hat vor 200 Jahren das älteste heute noch erhaltene Bürgerhaus der Stadt errichtet. Und er hat im Gesundheitswesen der Töpferstadt wichtige Spuren hinterlassen.

Gasse ehrt Bauherrn des Hauses Hakenfort

Rechts neben dem Haus Hakenfort verläuft die Dr.-Joseph-Vogtt-Gasse, benannt nach dem Erbauer des frühklassizistischen und ältesten Bürgerhauses der Stadt Stadtlohn. Foto: Ulrich Söbbing

Die Dr.-Joseph-Vogtt-Gasse ist eine ganz besondere Straße in Stadtlohn: Sie ist jung und doch geschichtsträchtig, sie wird rege genutzt aber ist frei von Autoverkehr. Sie liegt im Schatten des Hauses Hakenfort, dem ältesten Bürgerhaus der Stadt, und sie ist doch niemandes Adresse. Sie ist nicht einmal auf Google Maps zu finden.

Postadresse ist Dufkampstraße

Namensgeber der Gasse ist Medizinalrat und Heimathistoriker Joseph Vogtt, der zugleich auch Erbauer des Hauses Hakenfort ist, das postalisch allerdings an der Dufkampstraße liegt. Hier ist der Arbeitsplatz von Martin Auras und Conny Vens vom SMS-Stadtmarketing. „Das ist schon etwas Besonderes, in so einem historischen Haus zu arbeiten“, sagt Martin Auras, der seit zehn Jahren tagtäglich die etwas schiefe und knarrende, aber elegant geschwungene Holztreppe ins Obergeschoss zu seinem Büro emporsteigt. Der Geschäftsführer des SMS-Stadtmarketings schwärmt: „Das Haus ist zwar historisch, aber trotzdem voller Leben.“ Er berichtet von den Besuchern des Stadtmarketing, von den Vereinen und Gruppen, die die öffentliche Begegnungstätte nutzen. Und von den Hochzeiten, die im Haus Hakenfort gefeiert werden. „Ein toller Arbeitsplatz“, findet auch Conny Vens, die hier schon seit 15 Jahren Besuchern und Stadtlohnern Tipps rund um Leben, Freizeit und Tourismus in Stadtlohn gibt. „In den alten Mauern bleibt es auch im Hochsommer schön kühl. Dafür wird es aber im Winter auch nicht richtig warm“, sagt sie lachend.

Der Erbauer des Hauses, Dr. Joseph Vogtt, wurde am 12. November 1779 als Sohn des Küsters Johann Heinrich Vogtt in Stadtlohn geboren. Er besuchte das Gymnasium der Franziskaner in Vreden, bevor er in Bamberg und Wien Medizin studierte und promovierte.

Hunderte Kinder gerettet

1803 ließ sich der junge, 23-jährige Arzt in seinem Heimatort nieder. Sein Augenmerk richtete er zunächst auf die Bekämpfung der Pocken, die Jahr um Jahr viele Menschen, insbesondere Kinder, dahinrafften. So starben nach Angaben der Kirchenbücher 1788 von insgesamt 93 Kindern 62 an Pocken, 1795 waren es 11 von 47 und 1801 40 von 66 Kindern.

Die Vorurteile gegen die Schutzkraft der Pockenlymphe waren in der Bevölkerung allerdings weit verbreitet. „Der Glaube, der göttlichen Vorsehung nicht vorgreifen zu dürfen“, wurde erst erschüttert, als Dr. Vogtt die von ihm mit Schutzblattern geimpften Kinder mit den Pockenkindern in Berührung brachte, ja dieselben mit den pockenkranken Kindern ins Bett legen ließ und die geimpften Kinder nicht angesteckt wurden. Von da an ließen die Leute sich überzeugen und die Pockenepidemien hatten ein Ende. „Hunderte von Familien verdanken das Leben ihrer Lieben diesen emsigen Bestrebungen des Dr. Vogtt bezüglich der Schutzblatternimpfungen“, schrieb der Chronist und Bürgermeister Bohlender einige Jahre später.

Gasse ehrt Bauherrn des Hauses Hakenfort

Conny Vens und Martin Auras arbeiten im Haus Hakenfort. Fürs nächste Jahr ist der Umzug des SMS-Stadtmarkteting-Büros in die Berkelmühle geplant. Foto: Stefan Grothues

1808 erbaute Joseph Vogtt an der Dufkampstraße auf einem früheren Gartengrundstück der Küsterfamilie Vogtt ein Wohnhaus für seine Familie, das heute nach der späteren Eigentümerfamilie Hakenfort benannt ist.

Das besondere Interesse des Arztes galt der Geschichtswissenschaft. Er war Mitglied des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und veröffentlichte in einigen Zeitungen kleine Arbeiten über Hünengräber und eine Ausgrabung auf der Burg in Ottenstein. Die heute nach Dr. Joseph Vogtt benannte Gasse endete früher an den Gärten der Burgstraße. Erst in jüngerer Zeit und nach dem Abbruch der Häuser an der Burgstraße entwickelte sie sich zur schnellen Verbindung von der Innenstadt zum Edeka-Markt und zur Burgstraße.

SMS zieht an die Berkel

Vielleicht werden auch Martin Auras und Conny Vens die Gasse künftig nutzen, wenn sie von der Innenstadt zu ihrem neuen Arbeitsplatz gehen. 2019 soll das SMS-Stadtmarketing in die alte Berkelmühle umziehen. Das historische Gebäude wird zurzeit umgebaut und renoviert. Auf den Umzug freuen sich Martin Auras und Conny Vens – auch wenn sie dafür das Haus Hakenfort, das ihnen ans Herz gewachsen ist, verlassen müssen. „In der Mühle haben wir mehr Platz und können uns auch zeitgemäßer präsentieren“, sagt Martin Auras. Er freut sich auf das Leben am Fluss, das sich auf der neuen Berkelpromenade und rund um das nebenan geplante Hotel entfalten wird.

Und was wird nach dem Auszug des SMS-Stadtmarketing aus dem Haus Hakenfort? „Das bleibt auf jeden Fall eine öffentliche Begegnungstätte“, sagt Bürgermeister Helmut Könning. Und vielleicht bleibt hier auch noch eine kleine SMS-Anlaufstelle für Besucher der Stadt. „Das ist aber noch nicht beschlossene Sache, das ist nur in der Überlegung“, so Bürgermeister Könning.

Wer war Dr. Joseph Vogtt? Warum heißt der Schanzring Schanzring? Wo ist eigentlich der Kühlsgang? Und was bedeutet Fünderken? Wer lebt und arbeitet in den Straßen dieser Stadt? In einer neuen Serie gehen Stadtarchivar Ulrich Söbbing und Münsterland Zeitung diesen Fragen nach. Verbunden ist die Serie mit einer kleinen Ausstellung im Foyer des Rathauses. Im aktuellen Serienteil geht es um die Dr.-Joseph-Vogtt-Gasse.

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