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Verzögerter Baustart im Erningfeld

Gebremster Baustart erzürnt Bauwillige

Stadtlohn „Schaffe, schaffe, Häusle baue …“ – so heißt es im Schwäbischen. In Stadtlohn heißt es zurzeit: „Warte, warte, Häuslebauer…“ Mancher Bauwillige ärgert sich, dass es im Erningfeld viel langsamer vorangeht als geplant.

Gebremster Baustart erzürnt Bauwillige

Der Hessenweg wird zurzeit für die schweren Baufahrzeuge neu befestigt. Im dahinter liegenden Erningfeld beginnen parallel dazu die Kanalbauarbeiten – nach Meinung mancher Bauwilliger viel zu spät. Foto: Stefan Grothues

Die vier Bauwilligen stehen an der Sperrbake am Hessenweg. Einige hundert Meter weiter im Erningfeld soll ihr Traum von einem Eigenheim Wirklichkeit werden. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch die Mienen sind eher finster. „Hier spielt die Stadt Stadtlohn mit unseren Hoffnungen und Plänen“, sagt einer der vier. Seinen Namen möchte er allerdings nicht in der Zeitung lesen, so wie auch die anderen drei. „Wir haben ja in den nächsten Monaten noch viel mit der Stadt zu tun. Da könnte unsere Kritik ja zu unserem Nachteil sein.“

Was konkret werfen die Bauwilligen der Stadt vor? „Die Erschließung des Neubaugebietes dauert einfach zu lange“, sagt einer von ihnen und zitiert die Stadt aus einem Zeitungsbericht des Jahres 2016. Damals hieß es, die ersten Häuslebauer könnten voraussichtlich im Frühjahr 2017 loslegen. Die Planungen und der Beginn der Erschließungsarbeiten verzögerten sich aber immer wieder.

2019 alle Grundstücke baureif

Jetzt heißt es von Seiten der Stadt, dass bis spätestens März 2019 alle Grundstücke baureif sind, in Teilabschnitten vielleicht auch schon früher. Auf das „vielleicht“ wollen die Bauerren nicht vertrauen. „Das ist eine Frechheit, was hier abgeht“, sagt einer, der nach eigenen Angaben bereits 2016 seinen Vertrag für ein Erbpachtgrundstück unterschrieben hat. „Ich hätte das gar nicht getan, wenn ich gewusst hätte, dass ich erst 2019 bauen kann.“ Eigentlich hätte er die Nachmiete für seine jetzige Wohnung schon geregelt gehabt. Aber nun passe der Zeitplan einfach nicht mehr. „Mich kostet der verspätete Baubeginn richtig Geld“, sagt ein Zweiter. Er berichtet von Kalkulationen und Angeboten, die er längst eingeholt habe. „An die fühlen sich Baustoffhändler und Handwerker nach über einem Jahr nicht mehr gebunden. Die Preise sind gestiegen.“ Die anderen berichten von Hypothekenverträgen und Bereitstellungszinsen, die bereits jetzt bares Geld kosteten. Einige befürchten Verteuerungen im fünfstelligen Bereich. „Das ist echt ein finanzieller Knackpunkt für Familien“, sagt einer.

„Schlecht informiert“

Was die vier zusätzlich ärgert: Es habe in den vergangenen zwei Jahren keine klaren Informationen von der Stadt gegeben. „Wir haben immer nur aus der Zeitung erfahren, dass es mal wieder eine Verzögerung gibt. Die Stadt hat die Grundstücksbewerber nie direkt darüber informiert.“

Und warum das alles? Dafür haben die vier keine Erklärung. „In der Verwaltung sitzen doch die Experten. Die Stadt muss doch in der Lage sein, ein Baugebiet termingerecht zu planen und zu erschließen“, sagen sie. „Und jetzt wird auch noch der Hessenweg saniert. Das sorgt für eine weitere Verzögerung. Das hätte doch in den letzten Monaten längst geschehen können“, kritisiert ein Bauherr in spe.

In diesem Punkt kann der Erste Beigeordnete Günter Wewers die Bauwilligen beruhigen. „Die Kanalbauarbeiten im Neubaugebiet beginnen parallel zur Sanierung des Hessenwegs. Die Straßensanierung wird die Erschließung nicht verzögern“, sagt er und zeigt Verständnis für den Unmut der Bauwilligen. „Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass sich der eine oder andere ärgert.“ Aber Günter Wewers hat auch eine Erklärung für die Verzögerungen: „Als wir mit den Planungen für das Neubaugebiet begonnen haben, hatten wir es mit einem Landwirt zu tun, der uns Flächen veräußern wollte. Wäre es dabei geblieben, hätte es die zweijährige Verzögerung nicht gegeben.“ Es habe sich dann aber eine Dynamik ergeben, aus der sich für das Baugebiet neue Chancen ergeben hätten. „Es sind drei weitere Flächeneigentümer mit Verkaufsabsichten an die Stadt herangetreten“, so der Erste Beigeordnete. Diese Gelegenheit habe sich die Stadt nicht entgehen lassen wollen. So sei dann auch der Plan gereift, ein Regenüberlaufbecken außerhalb des Baugebietes nördlich des Hessenwegs anzulegen. Wewers: „So konnten wir im Baugebiet mehr Grundstücke anbieten.“ Die neuen Planungen hätten aber sehr viel Zeit gekostet.

Gespräche angeboten

Günter Wewers räumte am Donnerstag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung ein, dass die Information der Bauwilligen vielleicht nicht immer optimal gewesen sei. „Aber es ist auch sehr schwierig, ein konkretes Datum zu nennen. Wir werden überlegen, wie wir die Bauwilligen künftig besser informieren können.“ Im Rathaus selbst habe es bislang wenige direkte Beschwerden gegeben, so der Erste Beigeordnete. Er ermuntert alle Bauwilligen: „Wenn noch Klärungsbedarf besteht, ist jeder herzlich ins Rathaus eingeladen. Wir beantworten alle Fragen – soweit wir es können.

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