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Pläne am Schoppenkamp stoßen auf Kritik

Nachbarn sorgen sich um ihr grünes Viertel

Stadtlohn Am Schoppenkamp will ein Investor auf einem Gartengrundstück acht neue Wohnhäuser errichten. Die Nachbarn aber fürchten einen Präzedenzfall.

Nachbarn sorgen sich um ihr grünes Viertel

Karl-Wilhelm Stell in seinem großen Garten. Er möchte, dass der grüne Charakter des Viertels rund um den Schoppenkamp erhalten bleibt. Er fürchtet, dass die geplante Nachverdichtung auf dem Nachbargrundstück ein Präzedenzfall für eine intensive Vermarktung der Grundstücke rund um den Schoppenkamp sein könnte. Foto: Stefan Grothues

Der Schoppenkamp ist das Wohngebiet der großen Gärten. Grundstücksgrößen von 5000 bis 6000 Quadratmetern sind hier keine Seltenheit. Dr. Karl-Wilhelm Stell und seine Frau wohnen seit über 40 Jahren hier und fühlen sich wohl. Nun aber fürchten sie und ihre Nachbarn um den grünen Charakter des Viertels. Der Grund: Auf einem 5000 Quadratmeter großen Nachbargrundstück plant ein privater Investor ein größeres Wohnbauprojekt: Acht Einfamilienhäuser sollen dort entstehen, und zwar in Kettenbauweise: vier entlang der Straße Fünderken und vier entlang der Straße Vellsweg. Ein neuntes Haus, so der Wunsch des Investors, soll im 500 Quadratmeter großen Vorgarten des 60er-Jahre-Bungalows errichtet werden.

Im Bauausschuss sind die Pläne für die Nachverdichtung im Grundsatz auf Zustimmung gestoßen. Nur das „Vorgarten-Haus“ wurde mehrheitlich mit Skepsis gesehen. Architekt Ulrich Bock sagte damals, er hoffe, dass in Abstimmung mit den Nachbarn, der Politik und Verwaltung eine Verschiebung der Baugrenzen möglich sein werde. Das Bebauungsplanverfahren läuft derzeit. Endgültige Entscheidungen sind noch nicht gefallen.


Gespräche mit 15 Nachbarn

In der Nachbarschaft herrscht quasi Einstimmigkeit“, sagt Karl-Wilhelm Stell. Er beruft sich dabei auf Gespräche mit rund 15 Nachbarn. „Die geplante Bebauung nicht nur im Vorgarten wird generell als ein völlig unpassender Fremdkörper wahrgenommen.“ Manche ärgerten sich zudem darüber, dass sie ihren eigenen Wunsch nach zweigeschossiger Bauweise in der Vergangenheit nicht umsetzen konnten, diese Bauweise aber jetzt erlaubt werden solle. Seine Nachbarn und er vertrauten darauf, dass der Bauausschuss die Angelegenheit „wie schon zu früheren und bisherigen Zeiten richtig einschätzen und regeln wird.“ Karl-Wilhelm Stell bedauert, dass auch fast drei Monate nach Ankündigung des Architekten noch keine Abstimmung mit den Nachbarn stattgefunden hat.

Aber sind die Grundstücke nicht tatsächlich so groß, dass eine Nachverdichtung städtebaulich sinnvoll ist? Karl-Wilhelm Stell will das nicht bestreiten und blickt zurück: „Der Zuschnitt der Grundstücke stammt aus einer anderen Zeit. „In der Gründerzeit des Wohngebietes in den 1950er-Jahren gab es südlich der Bahntrasse viel Platz. Und hier führte eine Stromtrasse entlang.“ Darum seien die Grundstücke sehr groß geraten. Die ursprünglichen Eigner seien nun beinahe alle verstorben und deren Erben in die ganze Welt verzogen. „Da ist es ja im Grundsatz nicht falsch, über eine Verdichtung nachzudenken. Aber es muss maßvoll geschehen – und sie geschieht ja bereits“, sagt Karl-Wilhelm Stell und zeigt Beispiele in der Nachbarschaft, wo einzelne Baugrundstücke ausparzelliert und verträglich mit Wohnhäusern bebaut wurden. „Der Charakter des Wohngebiets muss erhalten bleiben.“

Nachbarn sorgen sich um ihr grünes Viertel

Die Planungen des Architekten Ulrich Bock sind aus Karl-Wilhelm Stells Sicht durchaus qualitätsvoll. Nur: „Sie passen in das Umfeld der Großstädte von Berlin, München und Hamburg – aber diese Pläne dürfen nicht einer Kleinstadt wie unserm Stadtlohn übergestülpt werden. Das sagen alle Nachbarn.“ Er selbst habe in Berlin Architekturvorlesungen gehört und dabei gelernt, dass sich die neu hinzukommende Architektur wie ein Gast zu verhalten habe und sich an die vorgegebene Umgebung anzupassen habe, so der Bau- und Maschinenbauingenieur, der zudem auch promovierter Volks- und Betriebswirt ist.

Maximaler Gewinn als Motiv

Motiv für die Kleinstparzellierung am Schoppenkamp ist aus Stells Sicht der Wunsch nach einer maximalen Gewinnerzielung, die ja durchaus legitim sei, wenn der Eigennutz nicht über das Gemeinwohl gestellt werde. Wie sieht es denn mit dem Eigeninteresse Karl-Wilhelm Stells aus? Der winkt lächelnd ab: „Ich bin jetzt 86 Jahre alt. Meine Frau und mich werden die Veränderungen im Wohngebiet nur wenig berühren. Und aus wirtschaftlicher Sicht wäre es für uns ja auch lukrativ, unser Grundstück in Kleinstparzellen aufzuteilen. Aber das möchten wir nicht. Wir überlegen, das Areal mit dem großen Garten der Allgemeinheit, vielleicht in Form einer Stiftung, für ein Altenheim zur Verfügung stellen.

Der Bebauungsplan Schoppenkamp wird in absehbarer Zeit – noch ist kein Termin festgelegt – von der Stadt Stadtlohn öffentlich ausgelegt. Dann kann jeder Stellung nehmen.

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