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Stadtlohn will Wohnungsbau notfalls selbst in die Hand nehmen

Noch keine Investoren für Projekt im Erningfeld

Stadtlohn Der Hauptausschuss hat ein Zeichen für den sozialen Wohnungsbau in Stadtlohn gesetzt. Wenn sich für das Projekt im Erningfeld kein Investor findet, dann springt die Stadt in die Bresche.

Noch keine Investoren für Projekt im Erningfeld

Im roten Kreis rechts sind die Standorte für die Mehrfamilienhäuser im Neubaugebiet Erningfeld zu erkennen. Der rote Kreis links markiert den Standort für den geplanten Kindergarten am Hessenweg. In seiner Nachbarschaft können auch noch zehn bis zwölf weitere Bauplätze für Einfamilienhäuser geschaffen werden . Diese – noch nicht abgeschlossenen – Planungen wurden in dieser Woche im Bauausschuss vorgestellt. Foto Geodaten Kreis Borken

Null. So groß war die Zahl der Investoren, die ernsthaft ihr Interesse am öffentlich geförderten Mietwohnungsbau im Wohnbaugebiet Erningfeld bekundet haben. Diese Zahl nannte am Mittwochabend Bürgermeister Helmut Könning im Haupt- und Finanzausschuss. Die Politiker wollen einen neuen Anlauf nehmen.

Um den sozialen Wohnungsbau zu fördern, hatte die Stadt Stadtlohn ein Interessenbekundungsverfahren für zwei Mietwohnungshäuser inmitten des neuen Baugebietes Erningfeld in die Wege geleitet. Auf zwei rund 1000 Quadratmeter großen Grundstücken können insgesamt zwölf Wohnungen errichtet werden. Mindestens die Hälfte der Wohnfläche muss mit öffentlichen Wohnbaumitteln gefördert werden, damit sie als Sozialwohnungen günstig vermietet werden können.

Breite Mehrheit für Mietwohnungsbau

Offensichtlich schätzen potenzielle Investoren die Renditeaussichten als wenig attraktiv ein. Während der Bewerbungsfrist habe es nur vereinzelte Anfragen gegeben, so Bürgermeister Könning. Vollständige Angebote gingen überhaupt nicht ein.

Helmut Stowermann (CDU) erklärte daraufhin am Mittwochabend, seine Fraktion wolle in jedem Fall am sozialen Wohnungsbau festhalten. Er sprach sich für eine Fortsetzung der Suche nach Invstoren aus und machte zugleich deutlich: „Wenn es keiner machen will, dann sollten wir es selber machen.“

Jürgen Wörmer (UWG) sah es genauso: „Wir sollten das Projekt energisch weiterverfolgen. Die Anzahl der Sozialwohnungen nimmt in Stadtlohn kontinuierlich ab. Wir müssen da gegensteuern.“ Richard Henrichs (Grüne) schloss sich dieser Auffassung „uneingeschränkt“ an. Otger Harks (SPD) zeigte sich über die große Einigkeit überrascht: „Das freut mich unheimlich! Wir haben die Verantwortung für alle Bürger. Wir haben den Markt abgefragt. Und jetzt gehen wir selbst in die Verantwortung.“

FDP für Bebauungsplanänderung

Die FDP wollte diesen Weg nicht mitgehen. „Es ist traurig, dass Investoren kein Interesse gezeigt haben. Wir sind jetzt für eine Umwidmung der beiden Grundstücke für normale Einfamilienhäuser. Dafür gibt es schließlich noch großen Bedarf“, er klärte Andrea Wiggering-Cirkel. Ihre Fraktionskollegin Marlies Dertmann erhob diesen Vorschlag zum Antrag, auch weil die Einfamilienhausgrundstücke rund um die Mehrfamilienhausgrundstücke zum Teil schon wieder an die Stadt zurückgegeben worden seien. „Die möglichen Nachbarn fürchten mehr Autos, mehr Unruhe und mehr Umzüge. Sie wollen aber lieber Kontinuität“, sagte Marlies Dertmann. Darum wäre es besser, die Mehrfamilienhäuser nicht mitten ins Wohngebiet, sondern an den Rand zu platzieren. Für Karl Herbstmann (UWG) wäre das aber ein Unding: „Die Leute gehören mitten in die Gesellschaft, wir sollten sie nicht an den Rand drängen.“ Gegen die zwei Stimmen der FDP beschloss der Ausschuss, bis September weiter auf Investorensuche zu gehen und danach notfalls städtische Mittel für den Wohnungsbau in die Hand zu nehmen.

Nachbarn enttäuscht

Im Zuschauerraum verfolgten Christopher Bausch und Evelyn Sommer enttäuscht diese Entscheidung. Die beiden planen, auf einem Nachbargrundstück den Bau eines Einfamilienhauses. „Wir haben nichts gegen den Bau des Mehrfamilienhauses. Aber an der Stelle bringt es einfach zu viel Unruhe. Der Vorschlag der FDP, das Mehrfamilienhaus woanders zu bauen, war doch gut.“ Jetzt überlegt das junge Paar, den Kaufvertrag für das Grundstück vielleicht doch nicht zu unterschreiben. Christoph Bausch: „Wir haben noch bis nach Ostern Zeit zu überlegen. Das ist eine schwierige Entscheidung. Man baut ja nur einmal im Leben. Und dann will man sich ja hinterher nicht ärgern.“

Nach Erhebungen der NRW Bank gibt es in Stadtlohn rund 8400 Wohnungen, drei Viertel von ihnen in Ein- oder Zweifamilienhäusern (NRW Durchschnitt: 41,3 Prozent) und nur 20 Prozent in Mehrfamilienhäusern.

Es gibt nur 178 Sozialwohnungen. Damit liegt die Stadt deutlich unter dem Landesschnitt. In den nächsten acht Jahren sinkt die Zahl auf 130. Bis zum Jahr 2030 läuft bei weiteren 20 Wohnungen die Mietpreisbindung aus.

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