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Neues Loko-Motel

Schlafen auf Schienen

STADTLOHN Thomas Willemsen ist bekannt für auch ausgefallene Ideen. Mit dem Loko-Motel hat er nun ein echtes Leuchtturmprojekt geschaffen. Bis zur Eröffnung war es ein kreativer Kraftakt. Mit Hürden.

Schlafen auf Schienen

Hohe Identifikation: Thomas Willemsen konnte bei der Umsetzung auf große Unterstützung bauen.MLZ-Foto Schley

In seinem „früheren Dasein“ diente der Waggon zu Pausen und Übernachtungen. Das tut er heute auch noch. Allerdings in komplett anderer Form. Nun lädt er zu Auszeiten vom Alltag. Und nicht nur Bahnmitarbeiter. Thomas Willemsen, leidenschaftlicher Fotograf, hat in unmittelbarer Nähe zu seinem Fotostudio im Lokschuppen das Loko-Motel geschaffen – und sich damit einen Traum erfüllt. Das Loko-Motel verbindet Eisenbahnromantik mit modernem Hotelerlebnis.

Der Hintergrund war ein ganz praktischer: „Das Problem, Kunden in der Umgebung unterzubringen, wurde immer akuter. Also wollte ich selbst eine Lösung schaffen.“ Thomas Willemsen ist ein Mann der Tat, kreativ und für auch einmal verrückte Ideen bekannt: Es sollte nicht irgendeine Lösung sein. Der Anstoß, angelehnt an den Lokschuppen einen Waggon aufzustellen und umzubauen, lag förmlich auf der Hand. „Hotels in Waggonform gibt es schon. Ich wollte aber keine Simulation. Meine Gäste sollten echte Eisenbahnromantik erleben können.“ Und das gepaart mit modernem Wohnerlebnis.

Die Idee war geboren – die Umsetzung bedurfte einiger Energie und viel Durchhaltevermögen. Der Architekt Hermann Josef Steverding begeisterte sich sofort für dieses Projekt, bis zur Baugenehmigung dauerte es: „Das wird betrachtet wie ein ganz gewöhnlicher Neubau. Mit allen Auflagen.“ Für eine gewerbliche Nutzung wurde letztlich die Anfrage an den Kreis Borken positiv beantwortet. Die Weichen waren gestellt. Deutlich „einfacher“ gelangte Willemsen an den Waggon: „Da hat die Deutsche Bahn sogar eine Plattform eingerichtet, über die ausrangierte Fahrzeuge versteigert werden.“ Das Objekt der Begierde stand in Hannover. Ein Bahndienstwagen, satte 15 Tonnen an Stahl schwer. Eine Art Bauwagen. Die nächste Hürde wurde schnell übersprungen. Es mussten Schienen her: „Das hat mir der Eisenbahnklub sofort Kontakte vermittelt“, konnte sich Willemsen während der gesamten Zeit nicht nur auf die Unterstützung von Heinz Garwer und dessen Team verlassen.

Als Schwertransport angeliefert

Im November 2015 war der Tag gekommen: Der Waggon wurde als Schwertransport geliefert. Ein Meilenstein. Die Arbeit kam nun aber erst. Die Planungen mussten in die Praxis umgesetzt werden. Viele weitere Hürden wurden gemeinschaftlich genommen, es handelt sich schließlich um ein maßgeschneidertes Pionierprojekt, das gleichsam einem gewöhnlichen Neubau gleichkam. „Das hat viel Kraft und Ausdauer gekostet. Das Ergebnis war es mir wert“, sah sich Willemsen „zwei Jahre lang wie in einer Kapsel sitzend“. Für ihn kein Problem: „Für mich ist das neben dem Hauptjob wie Yoga. Aktive Entspannung.“ Dank der Unterstützung vieler lokaler Unternehmen wurde etwas Einzigartiges geschaffen: „Man hat gespürt, wie sich alle mit diesem Projekt identifiziert haben. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Und das Ergebnis ist außergewöhnlich: Das moderne und hochwertige Interieur steht in einem spannenden Verhältnis zu Originalteilen der Eisenbahnvergangenheit. „Nächtelang war ich bei Ebay unterwegs, um echte Reliquien zu finden.“ Der Fotograf präsentiert Spundwandbretter, Originalanzeigen und -schilder, Industrieleuchten. In Sachen Praxisnutzen baute er auf eigene Erfahrungen. Rund 100 Tage im Jahr verbringt er selbst in Hotels.

Das erste Feedback ist enorm: „Kaum hatte ich den Post auf Facebook abgesetzt, hagelte es Anfragen. Das habe ich so noch nie erlebt.“ Als Probelauf hatte er sich mit Frau selbst eingemietet – „zum Glück an einem Wochenende, an dem es stürmte und regnete“. Ein echter Härtetest. Auch Freunde nisteten sich testweise ein – und waren begeistert. Als nun die offizielle Abnahme erfolgte – „da war ich noch einmal richtig nervös“ –, konnte es in Medias Res gehen.

Willemsen hofft auf Rückmeldungen

Die ersten „offiziellen“ Gäste haben das besondere Wohngefühl bereits genossen. Und Willemsen hofft auf Rückmeldungen: „Erst die Praxis wird zeigen, wo gegebenenfalls noch nachgebessert werden muss.“ Er will seinen Gästen aber noch mehr bieten als den Luxus eines Erste-Klasse-Premium-Schlafwagens: Dieser fügt sich schließlich harmonisch in die Umgebung des alten Lokschuppens ein. „Wir kombinieren im Grunde das Leben auf einem Bauernhof mit der Nähe zur Stadt. Das LokoMotel soll sich in das vorhandene Angebot einfügen. Im Ergebnis würde ich dem Gast gerne ein Bord-Buch an die Hand geben, mit dem er sich die Tage hier bereichern kann.“

Die Buchungszahlen steigen: So haben sich Gäste aus Bayern, Sachsen oder von der Insel Fehmarn angekündigt. „Oft haben diese einen Bezug zu Stadtlohn“, sieht sich Willemsen in seiner Idee schon bestätigt. Aber auch für die lokalen Unternehmen könne das Loko-Motel eine spannende Adresse werden: „Wir haben Glasfaser und schnelles W-Lan.“ Thomas Willemsen ist selbst Geschäftsmann, hat bei seinen Plänen natürlich an alles gedacht…

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