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Wegen illegalen Waffenbesitzes vor Gericht

Stadtlohner muss fast 40 Waffen der Schrottpresse überlassen

Stadtlohn. Dunkle Weste, Krawatte, Brille, gestutztes Bärtchen – vom Erscheinungsbild her könnte der 33-jährige Angeklagte aus Stadtlohn auch Briefmarkensammler sein. „Aber wenn er Briefmarken gesammelt hätte, dann säßen wir nicht hier“, erklärte sein Verteidiger am Montagmorgen im Saal 1 des Amtsgerichts Ahaus lakonisch.

Stadtlohner muss fast 40 Waffen der Schrottpresse überlassen

Vor Gericht hatte eine ganz andere Sammlerleidenschaft den 33-Jährigen geführt. In den vergangenen 15 Jahren hat der Stadtlohner eine umfangreiche Waffensammlung zusammengetragen. Am 24. Februar 2017 wurden bei einer polizeilichen Durchsuchung der Wohnung und des Arbeitsplatzes des 33-Jährigen 40 Waffen sichergestellt.

Die allermeisten von ihnen waren legal. Die 13 Luftgewehre etwa durfte der Angeklagte auch ohne Waffenbesitzkarte zuhause aufbewahren. Auch den Besitz einiger Softair-Waffen, Luftpistolen und einer Miniarmbrust legte die Staatsanwaltschaft dem Stadtlohner nicht zur Last.

Vorderlader schießbereit

Aber: Zur Sammlung gehörten auch eine funktionstüchtige Vorderladerpistole, explosives Nitrocellulose-Pulver (Schießbaumwolle), drei Butterfly-Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge und Schreckschusswaffen ohne das vorgeschriebene PTB-Siegel, die damit rechtlich als scharfe Schusswaffen gelten. Unterm Strich war der 33-Jährige in sieben Fällen des unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt.

Der bis jetzt unbescholtene Stadtlohner zeigte sich einsichtig. In einigen Fällen gab er an, die Gesetzeslage wohl nicht im Detail gekannt zu haben. „Für mich hatten die Waffen nur Sammlerwert. Sie dienten dekorativen Zwecken. Ich habe nie Mist gebaut und bin immer sorgsam damit umgegangen.“

Allerdings habe er auch, so zeigten es nach Angaben der Richterin Fotos und Videos auf einem ebenfalls sichergestellten Handy des Angeklagten, mit den Waffen hantiert und Schießübungen abgehalten. Unter anderem führte der 33-Jährige die Waffen an seinem Arbeitsplatz Kollegen vor. So sei es auch zu einer Anzeige gekommen, die letztlich zur Hausdurchsuchung und Einziehung der Waffen führte.

Goldene Brücke gebaut

Richterin und Staatsanwaltschaft bauten dem Angeklagten eine goldene Brücke: Er solle der Einziehung seiner kompletten Sammlung – mit Ausnahme der spielzeugähnlichen Waffen – zustimmen. Dann könne das Verfahren gegen eine 3000-Euro-Geldauflage eingestellt werden. „Unser erstes Ziel ist es, dass es weniger illegale Waffen in nicht geeigneten Händen gibt“, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Sollte der Stadtlohner sich weigern, erklärte die Richterin, drohe eine Bewährungsstrafe, die sich im Lebenslauf negativ niederschlagen werde.

„Schwerer Verzicht“

Die 3000-Euro-Geldauflage akzeptierte der Angeklagte sofort, auch wenn er dafür einen Kredit aufnehmen müsse. Der außergerichtlichen Einziehung seiner Waffen zuzustimmen, fiel dem Stadtlohner aber sichtlich schwer. Die Sammlung, so der Angeklagte, sei mehrere tausend Euro wert und umfasse zum Teil historische Waffen. Erst nach einer Sitzungsunterbrechung und Rücksprache mit seinem Anwalt stimmte er zu – „schweren Herzens“, wie er selbst sagte.

Der Kreis Borken hat gegen den 33-jährigen Stadtlohner schon vor der Gerichtsverhandlung ein Waffenbesitzverbot ausgesprochen.

Dieses Verbot gilt auch für die Luftgewehre und Schreckschusswaffen, die im Normalfall jedermann erlaubnisfrei erwerben und besitzen darf. Daher hätte der Angeklagte seine Sammlung auch ohne die außergerichtliche Einziehung nicht wieder mit nach Hause nehmen dürfen.

Der Angeklagte verfüge jetzt nur noch über ein Taschenmesser, sagte sein Anwalt. Der Kreis Borken sei schließlich sehr streng in Bezug auf die Durchsetzung des Waffenbesitzverbotes.

2017 hat die Waffenbehörde des Kreises in vier Fällen Waffenbesitzverbote ausgesprochen, und zwar unbefristet.

Nach Erteilung des Waffenbesitzverbotes erfolgt eine Kontrolle durch die Polizei, wenn Hinweise auf einen Verstoß gegen das Waffenbesitzverbot vorliegen.

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