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St.-Anna-Schüler lernen beim RVM

Stunt-Kartoffel im Einsatz gegen Drängelei am Schulbus

STADTLOHN Eine Schulstunde auf dem Busbahnhof soll für mehr Sicherheit im Schülerverkehr sorgen. Dazu setzt die Busschule seit zehn Jahren nicht nur auf die Vernunft der Schüler, sondern auch auf Aha-Effekte.

Stunt-Kartoffel im Einsatz gegen Drängelei am Schulbus

Falsch einsteigen mit Sondergenehmigung: Die Klasse 5b der St.-Anna-Realschule braucht drängelnd viel länger, um in den Bus zu gelangen. In Zweierreihe geht es nicht nur schneller, sondern vor allem auch sicherer. Foto: Stefan Grothues

Berta heißt die dicke Kartoffel. Als Stunt-Gemüse erteilt sie der Klasse 5b der St.-Anna-Realschule am Dienstagmorgen den allerbesten Anschauungsunterricht. Berta liegt in einem rosa Badeschlappen an der Bordsteinkante des Stadtlohner Busbahnhofs, als Busfahrer Erwin Schütte den zwölf Tonnen schweren Bus langsam anrollen lässt. Die 32 Fünftklässler johlen in sicherer Entfernung: „Berta! Berta!“ Sekunden später wird es still. Susanne Schepers zeigt den Kinden den Kartoffelbrei im Badeschlappen: „Stellt euch vor, das wäre euer Fuß gewesen.“

Susanne Schäpers trainiert im Auftrag des Regionalverkehr Münsterland (RVM) Viert- und Fünftklässler in Sachen Schulbussicherheit. 25.000 Schüler haben in den letzten zehn Jahren die RVM-Busschule durchlaufen. In zwei Unterrichtsstunden erlernen die Kinder spielerisch in Theorie und Praxis das richtige Verhalten an der Haltestelle und im Bus.

83.000 Schüler fahren tagtäglich in den RVM-Bussen zur Schule. Vor zehn Jahren war die Situation am Stadtlohner Busbahnhof besorgniserregend. Das Gedränge und Geschubse war so groß, dass bei Eltern, Lehrern und Busfahrern die Alarmglocken schrillten.

Ludger Terfrüchte, der damalige Schulleiter der Herta-Lebenstein-Realschule, so erinnert sich der stellvertretende Herta-Schulleiter Harald Robers, habe damals gemeinsam mit der RVM die Busschule initiiert. RVM-Geschäftsführer André Pieperjohanns spricht von einem großen Erfolg: „Die Mischung aus Theorie und Praxis ist bei Schülern und Lehrern beliebt.“

Seitdem hat sich vieles zum Positiven gewandelt, sagt die Schulbustrainerin Susanne Schepers. Aber es bleibt immer noch etwas zu tun. Die Kinder bestätigten das. „An der Haltestelle ist das Gedränge manchmal so groß, dass man fast Angst bekommt“, erzählt Nyla Jerosch, die morgens um halb acht an der Bushaltestelle Beckedahl in Südlohn steht. Ihr Klassenkamerad Max Gottschalk macht in Vreden an der Beatrixstraße die gleichen Erfahrungen. „Wenn um fünf nach halb der Bus vorfährt, dann wird gedrängelt.“

Geschiebe bremst alle



Wie gefährlich das ist, das hat Schulbustrainerin Susanne Schepers mit Kartoffel Bertas Hilfe schon vorgeführt. Jetzt zeigt sie den Kindern in einem Experiment, dass die „Drängelei auch noch dumm ist“. Dafür ermuntert sie die Kinder, ausnahmsweise mal so schnell wie möglich in den Bus zu steigen. Schon geht das Geschiebe, Gedränge und Geschubse los. Susanne Schepers stoppt die Zeit: Nach 50,68 Sekunden sind alle Kinder im Bus.

Zweite Runde: jetzt stellen sich die Schüler in Zweierreihen auf und besteigen den Bus ruhig und diszipliniert. Nach 41,33 Sekunden sitzen alle Kinder – und das, obwohl dieses Mal alle 32 Kinder sich die Zeit nahmen, dem Busfahrer einen guten Morgen zu wünschen. „Respekt“, so sagt Susanne Schepers, „das ist es, was ich vermitteln möchte: Respekt vor dem zwölf Tonnen schweren Bus, Respekt vor den Mitschülern, Respekt vor dem Busfahrer.“ Und Respekt vor Vollbremsungen. Zum Abschluss wird es noch mal richtig spannend, als Busfahrer Erwin Schütte – nach Vorwarnung – bei 25 km/h voll aufs Bremspedal drückt. Einige Kinder kreischen, alle halten sich gut fest. Nur „Anton“ schießt durch den Mittelgang nach vorn. Anton, so nennt Susanne Schepers einen leeren Kanister, den sie zu Experimentierzwecken ungesichert auf die letzte Bank gesetzt hat.

„Sicheres Verkehrsmittel“



Am Ende der spannenden Doppelstunde klatschen nicht nur die Schüler begeistert Beifall. Auch Michael Stening, stellvertretender Schulleiter der St.-Anna-Realschule, ist von der RVM-Busschule angetan: „Das ist ein wichtiges Thema, das wir auch sonst im Unterricht behandeln. Außerdem sorgen ältere Schüler als Buspaten für Sicherheit.“ 202 der 383 St.-Anna-Realschüler fahren mit dem Bus zur Schule.

Angst vor dem Busfahren, das betont Susanne Schepers, muss niemand haben. „Busfahren ist die sicherste Art, zur Schule zu kommen.“ Wenn der Respekt stimmt.

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