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Tagesmütter in Sorge

STADTLOHN Einen "sozial- und bildungspolitisch" brisanten Abend versprach Moderator Prof. Heinrich Greving am Dienstag bei der Podiumsdiskussion im St. Anna-Forum - und der sollte es werden.

Tagesmütter in Sorge

<p>Bei der Podiumsveranstaltung im Forum der St.-Anna-Realschule gab es vielschichtige Ansichten zur geplanten Besteuerung der Tagesmütter-Einkünfte. Schley</p>

Auf wenig Gegenliebe stößt der vom Bundesfinanzministerium ausgegebene Erlass, künftig auch die Einnahmen von Tagesmüttern zu besteuern, die offiziell von Jugendämtern vermittelt werden.

Grundsätzlich sei die Professionalisierung der Tagespflege als Fernziel anzustreben, die zum 1. Januar 2008 geplante Besteuerung wirke in dieser Hinsicht allerdings kontraproduktiv, leitete Waltraud Ostendarp-Deggerich vom Tagesmütter-Verein Vreden-Stadtlohn den Abend ein. "Wir wehren uns gar nicht gegen eine Besteuerung, sie verleiht unserer Arbeit einen offiziellen Charakter. Wir wollen unsere verantwortungsvolle Aufgabe allerdings entsprechend wertgeschätzt sehen", fasste Tagesmutter Susanne Breulich das Anliegen ihrer Mitstreiterinnen zusammen - ein Stundensatz von aktuell rund vier Euro vor Steuern sei einfach zu gering. Von "einschneidenden Maßnahmen" wusste Steuerberater Christian Mühlenkamp zu berichten, der vorab die Auswirkungen des Erlasses, der "in keinster Weise begründet wurde", aufzeigte. Dirk Schlattmann als Vertreter der Krankenkassen sah die Regelung "mit derart heißer Nadel gestrickt, dass die Sozialversicherungsrechtler noch gar nicht informiert wurden". Die geplante Besteuerung ziehe schließlich nicht unerhebliche sozial- und krankenversicherungstechnische Auswirkungen nach sich.

Moratorium

"Die Minister auf Landesebene sind an der Entscheidungsfindung überhaupt nicht beteiligt worden", so Landtagsabgeordneter Bernhard Tenhumbergs, der ein Moratorium für die neue Tagesmütter-Besteuerung durch die Länderminister ankündigte. "Wir können auf Kreisebene nicht die Probleme lösen, die der Bund verursacht", pflichtete Heinz-Josef Tönnes vom Jugendhilfeausschuss des Kreises Borken bei. "Es müssen alle Beteiligten an einen Tisch geholt werden, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen", so Tenhumberg, der Zustimmung von Beate Wittenbrink vom Fachbereich Jugend und Familie des Kreises fand, die eine "Aufschiebung zumindest um ein Jahr" anregte.

Professor Greving zog ein Fazit: Die Gefahr sei groß, dass Tagesmütter künftig mehr die "Quantität denn die Qualität" ihrer Arbeit in den Vordergrund stellen müssen, damit diese auch angemessen honoriert werde. ms

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