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Trotz Näherungsverbot an der Tür geklingelt

Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz bringt Geldstrafe

Stadtlohn Es war ein bitterer Moment für den 27-jährigen Angeklagten. Und wohl ein noch bitterer für seine 59 Jahre alte Mutter: das grußlose Wiedersehen vor Gericht. Anlass war ein Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz.

Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz bringt Geldstrafe

Seine Baseballkappe nahm der junge Mann aus Stadtlohn am Dienstagmorgen im Gerichtssaal des Ahauser Amtsgerichts erst ab, als der Richter ihn darum bat. Dem Prozess folgte er mit wippenden Knien und verschränkten Armen. Das Urteil nahm er widerwillig mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis: eine Geldstrafe über 30 Tagessätze à 50 Euro. Zudem muss der mittellose und verschuldete Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen.

Der Mutter Gewalt angedroht und angetan

Sein Vergehen: Er hatte vor einem Jahr an der Haustür seiner Mutter geklingelt. Das war strafbar, weil ein Richter wenige Tage zuvor ein Näherungsverbot ausgesprochen hatte. Am Dienstag fasste der Richter am Amtsgericht die Vorgeschichte in wenigen kurzen Sätzen zusammen. „Sie haben erhebliche Schwierigkeiten mit ihrer Mutter. Sie waren übergriffig, Sie haben ihr Gewalt angedroht und angetan.“ Polizeibeamte hatten den jungen Mann daher vor einem Jahr auf richterlichen Beschluss hin aus der Wohnung seiner Mutter verwiesen und ihm deutlich gemacht, dass er sich der Wohnung nicht näher als 50 Meter nähern dürfe. Die richterliche Anordnung untersagte ihm auch jegliche Kontaktaufnahme zu seiner Mutter.

Angeklagter lebt in Obdachlosenunterkunft

Heute lebt der Mann in einer Obdachlosenunterkunft. Seit zwei Jahren hat er keine Arbeit mehr. Dieser Weg war nicht vorgezeichnet. Schließlich hatte der junge Mann 2011 mit Erfolg eine Ausbildung als Anlagenmechaniker abgeschlossen und war einige Jahre berufstätig. Doch seine beruflichen Station wechselten in immer kürzeren Abständen, bis er irgendwann gar keinen Job mehr fand. „Woran hat es gelegen?“, wollte der Richter wissen. „An mir selber vielleicht“, lautete die kleinlaute Antwort des Angeklagten. Damit spielte er auf eine psychische Erkrankung an, wegen derer er sich zeitweilig auch in Behandlung befand.

Das war für seine Mutter auch der Grund, im Prozess gegen ihren eigenen Sohn auszusagen. „Er braucht Hilfe. Ich will ihm nicht schaden, ich will ihm helfen“, erklärte die Mutter vor einem halben Jahr vor Gericht, als der Fall erstmals verhandelt wurde. Damals wurde das Verfahren gegen eine Auflage, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten, eingestellt. Der 27-Jährige kümmerte sich aber nicht um die Auflage. Bislang hat er nicht eine einzige Stunde abgeleistet.

Nur ein Meter Entfernung

Darum wurde der Fall am Dienstag neu verhandelt. Wie im ersten Verfahren bestritt der junge Mann, an dem fraglichen Tag an der Tür seiner Mutter geklingelt zu haben. Es müsse sich um eine Verwechslung handeln. Seine Mutter aber schilderte mit Bestimmtheit, wie sie vor einem Jahr ihrem Sohn den Zutritt verweigert hatte, indem sie durchs Fenster mit ihm gesprochen habe. „Ich erkenne doch meinen eigenen Sohn auf die Entfernung von nur einem Meter.“

Wie die Staatsanwältin zweifelte auch der Richter nicht im geringsten daran, dass die Mutter die Wahrheit gesagt hatte.

Kopfschüttelnd und ohne seiner Mutter einen Blick zuzuwerfen verließ verurteilte junge Mann eilig den Gerichtssaal.

Das Gewaltschutzgesetz ist 2002 in Kraft getreten und enthält Bestimmungen zum Schutz vor häuslicher Gewalt, Belästigung und Stalking.

Bei Körperverletzung oder massiver Bedrohung kann nach Paragraf 1 des Gewaltschutzgesetzes ein Betretungsverbot für eine gemeinsame Wohnung ausgesprochen werden.

Auch bei anderen Belästigungen wie Telefonterror und anderen Nachstellungen, kann das Familiengericht untersagen, sich dem Betroffenen oder dessen Wohnung zu nähern, ihn anzurufen oder ihn anders zu belästigen.

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