Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Flieger Albrecht Risop darf bisher nicht geborgen werden

Fliegergrab Südlohn

Seit 1942 liegt Flieger Albrecht Risop in einer Wiese am Ottenstapler Weg. Angehörige und eine Gruppe Ehrenamtlicher wollen ihn bergen. Doch die LWL-Archäologen lehnen das weiter ab.

Südlohn/Oeding

von Stephan Teine

, 06.07.2018
Flieger Albrecht Risop darf bisher nicht geborgen werden

In so einem Flugzeug vom Typ Messerschmitt Bf 110 – dieses steht im Technikmuseum in Berlin – wurde Albrecht Risop 1942 über Südlohn abgeschossen. Seither liegen seine sterblichen Überreste metertief in der Wiese am Ottenstapler Weg. © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Uwe Benkel, Leiter der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung hatte sich eingeschaltet, nachdem er von dem Fall erfuhr. Auf mehreren Seiten beantragt der Rheinland-Pfälzer nun erneut eine Genehmigung zur Bergung des Flugzeugwracks und des Leichnams. Einen ersten Antrag zur Bergung durch Winfried Leusbrock aus Heek hatten die Archäologen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe abgelehnt. Sie erklärten, das Wrack sei ein Bodendenkmal und dürfe nicht zerstört werden (Münsterland Zeitung berichtete).

Uwe Benkel argumentiert nun, dass ähnliche Bergungsprojekte in der Vergangenheit durch die Behörden stets befürwortet und unterstützt worden seien. Auch hat er Kontakt zu Hinterbliebenen des Bordfunkers hergestellt. Die würden ebenso nicht verstehen, dass die sterblichen Überreste ihres Verwandten als „Bodendenkmal“ angesehen würden. Sie wünschen eine Bergung und die anschließende Bestattung.

Meinung ändert sich nicht

Der Brief liegt Dr. Christoph Grünewald, Leiter der LWL-Archäologie Außenstelle Münster, vor. An seiner Einschätzung ändert das jedoch nichts. Er sieht die Sache so: „Meine Aufgabe ist es, Bodendenkmale zu schützen. Und das tue ich.“ Heute, 73 Jahre nach Kriegsende und 75 Jahre nach dem Absturz des Obergefreiten Albrecht Risop, würden Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs immer weniger. „Archäologische Quellen bekommen deswegen ein ganz anderes Gewicht“, sagt er. Natürlich sei es schwierig, das Angehörigen zu vermitteln. Und ja, auch für ihn sei diese Situation neu: „Menschliche Überreste, die gefunden werden, sind ja in der Regel deutlich älter“, sagt er.

Auch habe der Tote ja vor Ort sein Kriegergrab mit Gedenkstein. „Ein durchaus würdiger Ort, an dem er die vergangenen 75 Jahre gelegen hat“, sagt Grünewald. Fälle aus der Vergangenheit lässt er als Gegenbeispiele nicht gelten: „Wenn früher schon einmal Kriegstote aus Absturzstellen oder ähnlichen Orten geborgen wurden, hat man das einfach so gemacht, ohne sich um die Archäologie zu kümmern“, sagt er. Diese Diskussionen tauchten demnach jetzt erst auf, müssten aber geführt werden.

Dabei will es Uwe Benkel nicht belassen. „Jeder hat seine Sichtweise“, sagt er. Er sei um eine gemeinschaftliche Lösung bemüht: „Ich will kein Öl ins Feuer gießen“, sagt er. Aus seiner Sicht sei es der LWL-Archäologie aber schlicht unmöglich, die Ausgrabung abzulehnen. „Die Familie des Toten ist schließlich auch dafür, ihm ein ordentliches Grab zu geben“, sagt Benke. Er habe aber auch schon weitere Varianten – etwa einen Gang vor das Verwaltungsgericht – in Betracht gezogen. „Aber damit wäre nun wirklich niemandem geholfen.“

„Kein Bodendenkmal!“

Uwe Benkel hat insgesamt Schwierigkeiten mit der Einstellung der Archäologen: „Ein Bodendenkmal ist ein Ort, an dem die Weiterentwicklung der Menschheitsgeschichte deutlich wird“, erklärt er. Wie das zu einem einzelnen Flugzeugwrack passt, das rundum gut dokumentiert ist, tausendfach gebaut wurde, zighundertfach abgestürzt ist und sogar noch in Museen erhalten und ausgestellt wird, will ihm nicht einleuchten.

Vom Kreis Borken, der als obere Denkmalbehörde die Entscheidung treffen muss, gibt es noch keine Antwort, erklärt Kreispressesprecher Karlheinz Gördes. Dem Kreis liegt der Antrag schlicht noch nicht vor. „Aber wir schließen uns in der Regel der Expertise der Fachbehörde – also des LWL – an“, so Gördes.

Südlohns Bürgermeister Christian Vedder und der Verband der Reservisten der Bundeswehr hatten die Bergung bereits deutlich befürwortet.

Es ist nicht das erste Mal, dass es um die sterblichen Überreste des Bordfunkers Albrecht Risop Reibereien gibt. Schon 1942 beschwerte sich der damalige stellvertretende Bürgermeister Eugen Cohausz, dass der Tote nicht geborgen wurde. Im Gemeindearchiv ist seine Beschwerde an den Fliegerhorst in Münster-Handorf erhalten. Dort war Risop stationiert: Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Südlohn, Eugen Cohausz, teilte der Dienststelle des Gefallenen demnach mit, „dass die Bevölkerung ungehalten darüber ist, dass zurzeit keine Möglichkeit bestehe, den gefallenen Helden Obergefreiter Risop zu bergen.“ Er würde es begrüßen, wenn der Tote überführt würde, damit nicht der Volksmund sage, „dass unsere Besten in der Heimat vergessen werden“. Während des Krieges war jedoch keine Bergung möglich. Die Fliegerhorstkommandantur schlug vor, die Gedenkstätte an der Absturzstelle zu errichten. Obergefreiter Albrecht Risop war als Bordfunker auf dem Nachtjäger vom Typ Messerschmitt Bf 110 eingesetzt. Der Pilot war Wilhelm „Wim“ Johnen. Am 26. März 1942 schossen Johnen und Risop westlich von Wesel einen britischen Bomber ab. Einige Minuten später gerieten sie in einen weiteren Luftkampf. Dabei wurde Risop tödlich getroffen und stürzte mit dem Nachtjäger in die Wiese bei Busch-Schmittmann ab. Die Maschine versank daraufhin direkt metertief im morastigen Schwemmsandboden. Der Pilot konnte sich schwer verletzt per Fallschirm retten, wurde ins Krankenhaus eingeliefert und später wieder eingesetzt. Er starb am 7. Februar 2002.
Anzeige