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Nach Gewalttat in Südlohn ließ Angeklagter Prozess sausen

Mehrere Anklagen bleiben offen

Südlohn Wegen einer in Südlohn begangenen gefährlichen Körperverletzung wurde ein Asylbewerber verurteilt. Gegen das Urteil ging er in Berufung. Die Verhandlung ließ er sausen. Niemand weiß, wo der Mann steckt.

Mehrere Anklagen bleiben offen

Justizia konnte am Donnerstag in Bocholt kein Urteil fällen. Foto: picture alliance / dpa

Verworfen hat der Vorsitzende Richter am Landgericht Bocholt am Donnerstagmorgen den Berufungsantrag eines Asylbewerbers, der wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten angeklagt war.

Dem Mann wurde vorgeworfen, jemanden in Südlohn schwer verletzt zu haben. Das Amtsgericht in Borken hatte den Mann dafür bereits verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte eine Berufung angestrengt.

Und die wäre ein aufwendiges Verfahren geworden. Neben dem Vorsitzenden Richter und seinen beiden Beisitzern waren die Anwältin des Angeklagten, zwei Staatsanwältinnen, ein Gutachter und ein Bewährungshelfer pünktlich um 9 Uhr im Gerichtssaal anwesend. Vor der Tür: vier Zeugen und eine Dolmetscherin. Im Gerichtssaal wartete außerdem eine Schulklasse auf den Beginn des Verfahrens. Sie alle sollten vergeblich warten.

Sechs weitere Anklagen

Seit Monaten habe sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Mandanten, erklärte die ebenfalls wartende Anwältin des Angeklagten. Sechs weitere Anklagen würden gegen den Asylbewerber vorliegen, erklärte eine Staatsanwältin und machte deutlich, dass es sich bei dem Angeklagten um kein Leichtgewicht handelt, was seine Strafakte angeht.

Das bestätigte auch der Bewährungshelfer. Auch er hatte zuletzt Ende 2017 Kontakt zu dem Mann, dessen letzte Wohnanschrift ein Asylbewerberheim in Heiden ist. Wie der Bewährungshelfer erklärte, sei der Asylantrag des Angeklagten abgelehnt worden, er sei ausreisepflichtig. Die staatlichen Unterstützungsleistungen seien dem Angeklagten aus diesem Grund auf 150 Euro im Monat reduziert worden. „Bei 150 Euro im Monat muss man sich über manche Dinge nicht wundern“, meinte der Bewährungshelfer mit Hinweis auf die Liste der Straftaten des Angeklagten.

Gegen 9.15 Uhr ließ der Richter den Angeklagten über die Sprechanlage aus dem Gerichtssaal erneut aufrufen – ohne, dass der Mann danach vor dem Richter erschien.

Danach blieb dem Vorsitzenden Richter keine große Wahl, er verwarf die Berufung. Die Zeugen wurden erneut in den Gerichtssaal gerufen und erhielten eine Bescheinigung zur Erstattung ihrer Auslagen. Für Schüler und Pressevertreter endete das Verfahren mit einigen Fragezeichen.

Viele offene Fragen

Beispielsweise blieb offen, was genau der Angeklagte getan hatte, um wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt zu werden. Oder: Zu was hatte ihn das Borkener Amtsgericht bereits verurteilt? Das erfahren die Zuhörer normalerweise bei der Eröffnung eines Verfahrens, wenn die Staatsanwaltschaft die Anklage verliest. Am Donnerstagmorgen nahmen Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung dieses Wissen wieder mit in ihre Büros.

„Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte“, schloss der Richter. Ob dieser tatsächlich noch in der Asylbewerberunterkunft in Heiden lebt und zu den Kosten herangezogen werden kann, konnte dem Richter aber am Ende niemand beantworten. Um 9.20 Uhr war die Akte im Gerichtssaal geschlossen.

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