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Pferde führen Bürohengste

Oeding Starlight nickt mit dem Kopf, Starlight spielt mit den Ohren, doch der zehnjährige Pinto-Wallach bleibt stur stehen - verweigert den vier Frauen den Schritt.

Pferde führen Bürohengste

<p>Dieter Middelick führt Bronco durch das hölzerne Tor. Seine Arbeitskollegen unterstützen ihn tatkräftig - und mit Möhre. Teamwork ist bei dem Persönlichkeitstraining mit dem Partner Pferd gefragt. Kempkes</p>

Für die Führungskräfte der Caritas ist das die Herausforderung des Erlebnisseminars "Lernen mit dem Medium Pferd". Auf einer Reitanlage in Oeding nahmen sie an dem ersten Persönlichkeitstraining des Caritas-Bildungswerkes Ahaus mit dem Vierbeinern teil - ein bislang einmaliges Angebot im Westmünsterland.

"Das ist völlig fremd"

Bei Konflikten mit Vorgesetzten und Untergebenen könnten diese Übungen helfen, ideal für leitende Angestellte in so genannten Sandwich-Positionen, die mitten im Machtgefüge einer Firma stecken. So wie Matthias Wittland (41), der zwar Geschäftsbereichsleiter bei der Caritas ist, aber mit einem Geschäftsführer noch einen Chef hat: "Das hier ist sehr spannend, denn noch nie hat jemand von uns mit Pferden zusammengearbeitet. Das ist völlig fremd. Aber damit kriege ich schon ein paar Dinge klar." Vier Pferde aus dem Reitstall für therapeutisches Reiten halfen den insgesamt acht Männern und Frauen dabei: die Stuten Rosinche und Ginger sowie die Wallache Bronco und Starlight.

"Wir unterscheiden drei Ebenen: Zuerst das Innerste des Menschen mit seinen wahren Gefühlen, als zweites das, womit er sich beschäftigt und als drittes, wie er sich nach außen präsentiert. Das Pferd interessiert aber die letzten beiden nicht", meint Diplom-Ingenieur und Züchter Wilhelm Könning. Und Verhaltensforscherin Dr. Cathleen Wenz ergänzt: "Das Pferd ist der Spiegel, das Medium, mit dem wir das erkennen, was wir sind." Nach dem Motto: Zeig mir, welches Pferd du hast und ich sag dir, wer du bist." Denn die vier Pferde stehen für vier Temperamente - vom "sensiblen Gentleman"-Wallach Starlight, von dem die Frauen schwärmen, bis zum "kernigen und burschikosen Hedonisten" Bronco, den eher die Männer für ihre Abschlussprüfung bevorzugen.

Einer von ihnen, der 31-jährige Dieter Middelick, soll ihn dafür nun mit kollegialer Hilfe durch ein hölzernes Tor mit gerade zwei transparenten Plastiklamellen führen. Sieht einfach aus, ist für Pferde aber ein "echtes Hindernis - Scheitern zu 90 Prozent sicher", prognostiziert Wenz, aber das müssten die Teilnehmer auch lernen.

Ruhig, aber bestimmt führt Middelick Bronco jetzt zum Angstobjekt für Vierbeiner. Die Kollegen flankieren das Geschehen, schieben die Lamellen beiseite und locken auf der anderen Seite mit einer Möhre - Teamwork ist gefragt. Und prompt gibt sich der acht Jahre alte, braune Welsh-Cob-Wallach auf Anhieb einen Ruck - geschafft. Die Herren geraten fast aus dem Häuschen vor Freude. Die Damen, zuvor mit Starlight erfolgreich, klatschen entsprechend zögerlich und necken gar: "Der Bronco macht ja alles mit, der Klassenclown. Das war ja keine Herausforderung."

Pferd als Kollege

Wer bei den Wortwechseln mithört, könnte fast meinen, dass hier nicht von Tieren, sondern menschlichen Partnern die Rede ist - mit Absicht. "Das Pferd symbolisiert die Arbeitskollegen. Dabei achtet es nur auf das Handeln, nicht auf die Tratscherei. Und mal muss man die Zügel lockern, mal anziehen. Vertrauen ist dabei ganz wichtig", zeigt Cathleen Wenz, deren Prüflinge damit bestanden haben, die erlernten Führungsmuster auf. tke

www.caritas-bildungswerk.de

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