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Heimatliches aus Südlohn im sozialen Netzwerk

Wie eine Facebook-Gruppe Heimatgefühle wecken kann

Südlohn. 1,9 Milliarden Menschen nutzen inzwischen Facebook. Eine digitale Welt, die den Menschen vom Hier und Jetzt entfremdet? Im Gegenteil.

Wie eine Facebook-Gruppe Heimatgefühle wecken kann

Die Heimat ist nur einen Klick entfernt: Wer Facebook-Gruppen wie „Du bist ein Südlohner, wenn“ beitreten will, fühlt sich dem Ort verbunden. Foto: Foto: Thorsten Ohm

Kim sucht einen Nebenjob. Annika hat einen Link zum Verkauf eines Einbauherds geteilt. Sara macht auf die freien Betreuungsplätze bei einer Tagesmutter aufmerksam: Drei Posts, die innerhalb von 24 Stunden ihren Weg in die digitale Öffentlichkeit gefunden haben. Nicht irgendwo im Internet, sondern in einer ganz bestimmten Gruppe: „Du bist ein Südlohner, wenn“ heißt sie.

Der Name ist ein Stück Programm. Das weltweite Netz kennt inzwischen klar umgrenzte Räume: Online spiegelt Heimatgefühl. Viele solcher Gruppen gibt es im sozialen Netzwerk Facebook inzwischen. Kaum ein Ort, für den sie noch nicht gegründet wurde. Ein wenig funktioniert die Gruppe wie ein Marktplatz in alten Zeiten. Da werden Jobs gesucht, Dinge und Dienstleistungen angeboten, Neuigkeiten ausgetauscht, zu Veranstaltungen eingeladen und manchmal richtig heftige Diskussionen ausgelöst. Denn das gehört wie auf einem bunten Marktplatz beim Leben im Internet dazu: der Austausch.

Spielregeln befolgen

Wer im sozialen Netzwerk unterwegs sein will, muss den Spielregeln folgen, die dort gelten. „Du bist ein Südlohner, wenn“ ist eine öffentliche Gruppe. Niemand muss ihr erst beigetreten sein, um lesen zu können, was dort gepostet wird. Wer selbst einen Beitrag erstellen will, kann das aber nur als Mitglied. 1061 Facebook-Nutzer haben sich inzwischen in der Südlohner Gruppe angemeldet. Drei Admins wachen darüber, dass die Regeln der Gruppe eingehalten werden.

Das Titelbild vermittelt bereits heimatliche Gefühle: eine historische Ortsansicht von Südlohn, als Zeichnung in ein Holzbrett eingebrannt, dazu die Zeilen „Du büs mi deepe int Hatte brannt“. Südlohn im Herzen – das kommt bei vielen Usern gut an: 14 Likes hat das Titelbild bekommen, dazu ein paar positive Kommentare.

Wie eine Facebook-Gruppe Heimatgefühle wecken kann

Ein Scroll über die Beiträge zeigt: So eine örtliche Facebook-Gruppe ist manchmal sehr nah dran am Leben im Ort. Die kleinen und großen Probleme, Sorgen und Nöte spiegeln sich dort ebenfalls. Nicht als nachrichtliche Betrachtung, sondern immer persönlich. Da rührt das Foto an, das ein User von einem kleinen Vögelchen eingestellt hat: „Vermisst jemand diesen Vogel?“ Schon kurz darauf meldet sich der Besitzer: ein kleines Happy-End, schnell und unkompliziert, und gleichzeitig ein Stück Nachbarschaftshilfe.

Typisches für die Ortsgruppen

Dazu passen auch die Beiträge, in denen jemand um Rat fragt. Sie sind typisch für solche Ortsgruppen, und so finden sie sich auch bei „Du bist Südlohner, wenn“. „Kann mir jemand sagen, ob man in Südlohn einen Bulli für einen Umzug leihen kann?“, fragt eine Nutzerin. Auf Antworten muss sie nicht lange warten: Vier Nutzer haben Tipps. Das Online-Prinzip funktioniert auch hier: Austausch und Dialog statt kommunikativer Einbahnstraße. So entwickeln sich regelrechte Gespräche über Themen, die die Menschen im Ort bewegen. Die Verkehrssituation am Leegen Weg und im Wohngebiet Eschke zum Beispiel: Ein Artikel der Münsterland Zeitung ist Grundlage für die Diskussion, an der sich mehrere Nutzer engagiert beteiligen.

Wie sehen die User selbst die Gruppe? Wir haben auf Facebook nachgefragt. Eine Userin schreibt, was wohl auch viele andere denken: „Ich finde die Gruppe praktisch für allerlei Informationsaustausch! Man erfährt, was hier in der Gemeinde vor sich geht, kann sich über Veranstaltungen informieren oder bekommt auch mal kurz und knackige Hilfestellung bei diversen Fragen...“.

Kritische Anmerkungen an Gruppenmitglieder

Eine andere Userin hat auch kritische Anmerkungen in Richtung anderer Gruppenmitglieder. Sie hat zu unserem Post angemerkt: „Ab und an ist die Gruppe interessant. Allerdings werden wie in heutzutage vielen anderen Gruppen auch unter irgendwelchen ,lustigen’ Pseudonamen Ansichten oder Beiträge gepostet, die unter dem richtigen Namen niemals kundgetan würden. So auch in dieser Gruppe.“ Ansonsten finde sie eine solche Gruppe einfach zeitgemäß: „Entlaufene Hunde z.B werden häufig durch einen kurzen Post wieder nach Hause gebracht. Oder schöne Veranstaltungen werden ganz unproblematisch beworben.“

Wie eine Facebook-Gruppe Heimatgefühle wecken kann

Nah dran am Ort sein, das war es ein Stück weit auch, was Hans-Jürgen Meteling vor neun Jahren bewogen hatte, die Gruppe „Du bist ein Südlohner, wenn“ überhaupt zu gründen. „Ich hatte ähnliche Gruppen bei Facebook gesehen und mir gedacht, das wäre doch auch etwas für Südlohn“, erinnert er sich daran, wie damals alles begann. Aus den kleinen Anfängen wuchs nach und nach die mitgliederstärkste Internetcommunity, die es in Südlohn gibt – und die aktivste.

Wie eine Facebook-Gruppe Heimatgefühle wecken kann
„Es freut mich sehr, dass es sich so positiv entwickelt hat“, sagt Hans-Jürgen Meteling. Die Gruppe sei für jedermann offen, privat betrieben und nicht für gewerbliche Zwecke eingerichtet worden. Stattdessen gehe es darum, dass sich Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen, Tipps geben, austauschen: „So gesehen hat eine Facebook-Gruppe wie unsere natürlich auch eine soziale Funktion.“ Kein Zweifel für ihn, dass sie damit auch ein Stück Heimat im sozialen Netzwerk darstellt. Wünschen würde Hans-Jürgen Meteling sich, dass der Heimatcharakter wieder etwas stärker in den Vordergrund rücken könnte – zum Beispiel durch Posts, die alte Ansichten des Ortes zeigen.

Immer wieder schauen, was in der Gruppe läuft

Er selbst hat sich als Admin inzwischen zurückgenommen. Seine Söhne Henning und Jonas Meteling kümmern sich um das Alltagsgeschäft. Und das heißt: Immer wieder schauen, was in der Gruppe läuft. Jonas Meteling berichtet: „Wir achten darauf, dass die Posts in der Gruppe möglichst einen Bezug zu Südlohn haben.“

Das gilt übrigens nicht nur für die Beiträge. Auch bei den Anfragen nach einer Mitgliedschaft wird entsprechend hingeschaut. So ist die Betreuung einer derart aktiven Facebook-Gruppe oft auch eine relativ zeitraubende Angelegenheit. Deshalb könnte sich Jonas Meteling gut vorstellen, dass auch noch weitere Mitstreiter in die Gruppe der Administratoren eingebunden werden.

Heimat ist an vielen Stellen greifbar

Heimat in den sozialen Netzwerken: Sie ist an vielen Stellen greifbar. Neben Gruppen wie „Du bist ein Südlohner, wenn“ finden sich bei Facebook auch viele Vereine: Wer dort zum Beispiel beim Heimatverein vorbeischaut, bekommt viel Wissenswertes über Geschichte und Gegenwart der Gemeinde mitgeteilt. Für zahlreiche Vereine ist die Präsenz bei Facebook heute selbstverständlich, mitsamt Fotos aus dem Vereinsleben und Hinweisen auf gewesene und kommende Aktivitäten. Und manchmal sind es auch spezielle Interessen: Wer zu den BBQ Pit Boys – Chapter Südlohn, schaut, bekommt viele Anregungen für kulinarische Köstlichkeiten. Auch das ist ein Stück Heimat.

Heimat, das ist eben für jeden etwas anderes. Aber das Heimatgefühl stellt offensichtlich ein Bedürfnis dar, das die Menschen nicht ablegen, wenn sie in einem sozialen Netzwerk wie Facebook unterwegs sind. Heimat entfaltet eben Bindungskraft. Und genau deshalb zählt sie inzwischen mehr als 1000 Mitglieder – die Gruppe „Du bist ein Südlohner, wenn“.

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