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46. Ausgabe

Tage für Neue Kammermusik ein spannender Genuss

WITTEN Für Kammermusik-Neulinge mag der Einstieg in die 46. Wittener Tage für neue Kammermusik zuerst sonderbar geklungen haben. Es wurde auf Streichinstrumenten getrommelt, in Blasinstrumente unsanft geprustet, Töne wurden geschrieen und quietschend auf Geigen gestrichen.

Tage für Neue Kammermusik ein spannender Genuss

Im Rathausturm erklangen aus zehn Lautsprechern die Geräusche der Stadt Witten.

Der Umgang mit den Instrumenten sprach gegen alles, was ein Musiklehrer für konventionellen Instrumentenunterricht einprägen würde, wie z.B. das absichtlich laute Spucken in eine Trompete. Doch genau so eröffnete ein dominantes Trio aus Trompete, Horn und Posaune das Newcomer-Konzert im Märkischen Museum mit einer Komposition von Josep Planells. Sobald man sich jedoch auf die musikalische Darbietung einließ, tauchte man in eine einzigartige Musikwelt, die vielleicht sogar mehr als ein Klassik-Konzert bieten konnte.

Sieben junge Nachwuchsmusiker der Internationale Ensemble Modern Akademie (IEMA) zeigten an diesem Freitag in verschiedenen Konstellationen, wie harmonisch unmelodisch wirkende Werke klingen können. Positiv reagierte auch das ungewöhnlich junge und internationale Publikum, das die Reihen im Märkischen Museums füllte und gespannt den Klängen der Künstler zuhörte. Mit wechselnden Tempi und ungewöhnlicher Instrumentennutzung fühlte man sich an mehreren Orten zugleich; das sanfte Streichen auf der Viola zum Beispiel erzeugte entspannende Geräusche, die an Meeresrauschen, Windhauch oder Flugzeuggeräusche erinnerten. Andere Bläser-Sentenzen fesselten so sehr, dass man das Gefühl bekam, mitten in der berühmten Duschszene aus Hitchcocks Film „Psycho“ zu sitzen. Mit einer Mischung aus neuer Tonerzeugung und kompletter Hingabe an die Instrumente wurde die Fantasie der Zuschauer angeregt. Zugegeben bedeutete dies zwischenzeitlich auch Anstrengung. Doch spätestens beim Finale des Ensembles faszinierte die Interaktion von den Musikern uneingeschränkt. Die Schwierigkeit, ohne Dirigent die Einsätze zu setzen und dies ohne klare Melodie, meisterten die Nachwuchskünstler mit inetensiver, fast intimer Kommunikation.

Ähnlich ausgefallen inszenierten Jens Brand und hans w. koch ihre Musikinstallation im Rathausturm oberhalb des Uhrwerks.  In dem hellen Raum standen zwölf Lautsprecher im Kreis. hans w. koch lässt hier den Klang der Stadt Witten ertönen. Alltagsgeräusche wie Wind, Regen oder Verkehr wurden in Frequenzen gefiltert, deren jeweilige Tonhöhe aus einem einzelnen Lautsprecher klang. Eine Computersteuerung sorgte zusätzlich dafür, dass der Klang wie ein Sekundenzeiger durch die Lautsprecher rotierte. Eine Unterbrechung zu jeder Viertelstunde, in der dann das gesamte Ensemble erklang, schuf eine fast schon meditative Atmosphäre inklusive eines 360-Grad Panoramablicks über Witten und Umgebung. Ein fast mystisches Erlebnis für die zahlreichen Besucher, die den Weg in den Rathausturm gefunden hatten.

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