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Verlorene Utopie

BOCHUM Menschen, wie sie in unserer Industrieregion leben, beschäftigen den Regisseur Johan Simons. Deshalb ist die RuhrTriennale etwas, "wo ich zu meinen Wurzeln zurück kehre". Am Samstag ist seine Inszenierung "Vergessene Straße" die erste große Produktion des Festivals.

Verlorene Utopie

<p>Freuen sich auf de Start der RuhrTriennale am Freitag und Samstag in der Jahrhunderthalle: v.l. Dramaturg Thomas Wördehoff, Joe Henry, Kurator von "Century of Song", Regisseurin Sue Buckmaster, die für die Junge Triennale in der Salzfabrik Zeche Zollverein "Salt" inszeniert, Sängerin Bettye LaVette, die am Freitag die Reihe Century of Song eröffnet, und Johan Simons.

In dem - hierzulande unbekannten - Roman des flämischen Autors Louis Paul Boon hat er sie gefunden - die Menschen, wie sie hier leben und arbeiten. Und will mit "Vergessene Straße" an "Sentimenti" anknüpfen - "eine Legende in der Geschichte der RuhrTriennale", wie sich Dramaturg Thomas Wördehoff gestern erinnerte.

Rührende Geschichte

Johan Simons erzählt: "Boon schreibt über ganz einfache Leute und gibt ihnen eine wunderbare Sprache und Gedanken mit." Die Geschichte erzählt von verlorenen Utopien. In einer Straße, die nach Bauarbeiten abgesperrt ist, wollen Menschen eine eigene Gesellschaft aufbauen, in der jeder gleich berechtigt ist, alle alles teilen. Aber das geht schief.

"Es ist eine rührende, persönliche, poetische Geschichte", begeistert sich der holländische Regisseur für das Werk. Erstmals arbeitet Simons mit ganz großen Masken - sieht einerseits auf diese Weise den Abstand zu seinen Figuren und hat andererseits entdeckt, wie man in diese Masken alles an Gefühlen hineinlegen kann.

Die Fremde

"Ich wusste nicht, dass das so rührend sein kann", staunt Simons. Für die Schauspieler ist es keine leichte Aufgabe: Bis zu zweieinhalb Stunden stecken sie teilweise in den Masken aus Pappmaschee.

Nach dem plötzlichen Tod der designierten Chefin Marie Zimmermann vor eineinhalb Jahren wurde anfangs aus ihren ersten Projekten und Plänen ein Programm gestrickt, das schnell auch das alte RuhrTriennale-Team um Intendant Jürgen Flimm und Dramaturg Wördehoff gefangen nahm. "Die Fremde" wurde zentrales Thema, wobei Emigration nur eine kleine Facette darstellt.

Gestern sagte Thomas Wördehoff: "Es wird keine Übergangsspielzeit. Es ist ein veritables künstlerisches Statement, auf das wir alle stolz sind", sagt Thomas Wördehoff - "und Marie wäre zumindestens zufrieden". Das Publikum sieht das wohl genauso: Zwei Drittel der Eintrittskarten sind wenige Tage vor Beginn der RuhrTriennale am Freitag in der Jahrhunderthalle verkauft.

 www.ruhrtriennale.de

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