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Erinnerungen an die Grenze

Der Liebe wegen Stress mit Zöllnern

VREDEN Irgendwann war Schluss. Die Zollbeamten hatten sich ein ums andere Mal von dem jungen Mann ärgern lassen. Kurzerhand drehten sie den Spieß um und bescherten Josef Reirink eine Nacht auf dem Zollamt in Vreden.

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Ins Gespräch vertieft passieren Fußgänger die Grenze in Höhe des früheren Zollgebäudes. In diesem Moment würde keiner von ihnen daran denken, einen Ausweis zücken zu müssen – anders als früher.

Josef und Ria Reirink mit einem Bild aus jungen Jahren – als deutsch-niederländisches Brautpaar.

Der 66-Jährige muss heute schmunzeln, wenn er an diese Begebenheit zurückdenkt. Aber ein wenig verstehen kann er die Beamten von damals heute schon. Damals, das war die Zeit Ende der sechziger Jahre. Josef Reirink war noch keine 20 Jahre alt, und die Grenze, das war etwas, das ein junger Zwillbrocker zu jener Zeit eher sportlich sah.

Dabei meinten es die Grenzer durchaus ernst. Heute scheint es nicht mehr vorstellbar, welche Umstände die Reise ins Nachbarland oder eben zurück seinerzeit noch machte. Aber nur kühne Träumer hätten sich 1969 wohl vorstellen können, dass Niederländer und Deutsche einmal die Grenze derart unspektakulär würden passieren können - und das bei Tag und Nacht.

Dieser Umstand spielt nämlich eine besondere Rolle. Denn was tagsüber am Grenzübergang in Zwillbrock ohne Weiteres möglich war, endete abends zu festen Zeiten. Der Schlagbaum fiel und öffnete sich erst am nächsten Morgen wieder. Junge Leute aber zählten damals wie heute eher zur Gattung der nachtaktiven Wesen. Josef Reirink und seine Clique zog es an einem Wochenende im Dezember ins nahe Groenlo. "Das war damals ein Treffpunkt für Hunderte von Jugendlichen." Kein Wunder: So viele angesagte Clubs mit Livemusik, Diskotheken und Gaststätten fanden sich andernorts in derartiger Dichte selten.

Folgenreicher Ausflug

Der Ausflug sollte lebenslange Folgen haben: Der junge Mann forderte eine attraktive junge Niederländerin zum Tanzen auf - nicht nur einmal. Schnell funkte es zwischen Ria aus Beltrum und Jupp aus Zwillbrock. Doch wer abends nach der Sperrzeit noch über die Grenze heim wollte, der musste sich an den Zöllnern vorbeischummeln - oder im Ernstfall schnell wieder auf die niederländische Seite zurück, so wie Josef Reirink: jenseits des Schlagbaums und damit außer Reichweite der Beamten. Beim vierten Mal ging es schief: Ein Zollbeamter hatte nur auf das inzwischen bekannte Ausweichmanöver gewartet. Ein Protokoll war fällig, dessen Abfassen bis sechs Uhr am Morgen dauern sollte, eine Strafe samt Verwaltungsgebühr von 57 Mark und ein Eintrag, über den sich Josef Reirink noch ärgern sollte, als er bei der Bundeswehr seinem Vorgesetzten dazu Rede und Antwort stehen musste.

Der Liebe zu seiner Freundin und heutigen Frau tat all das keinen Abbruch. Lange lebten sie im Raum Zwillbrock nahe der Grenze, inzwischen sind sie schon viele Jahre in der Stadt daheim. Die Grenze von damals vermissen sie nicht. "Heute ist vieles einfacher" sagen die Eheleute. Aber spannender war es manchmal schon. Da könnte Josef Reirink als gebürtiger Zwillbrocker noch manche Anekdote beisteuern. Aber das sind wieder andere Geschichten…

 

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