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Die Freude am Entdecken

Vreden Edgar Jetter rückt die Stirnlupe noch einmal zurecht, beugt sich über das Porträt des Adelssprosses und tupft ihm die Stirn ab. Mit Lösemittel getränkter Watte und routiniert ruhiger Hand bringt der Restaurator die noble Blässe des Blaublüters wieder zu Tage - jahrhundertelang war sie unter einer Schicht von Schmutz und Übermalung verborgen gewesen.

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Mit routinierter Hand geht Edgar Jetter zu Werke...

Abstrakter Malerei kann Edgar Jetter nichts abgewinnen - er liebt das Figürliche. In seiner Werkstatt ist er umgeben von Barockem - das inspiriert und motiviert den 79-jährigen Restaurator bei seiner Arbeit. MLZ-Fotos (5) Winter-Weckenbrock

Er ist wahrlich nicht der einzige junge Ritter, dem der 79-Jährige wieder zu altem Glanz verholfen hat. 50 Berufsjahre als akademischer Restaurator liegen jetzt hinter ihm - und damit ungezählte Gemälde, Skulpturen, Altäre und Fresken, die durch Jetters Hingabe und Geschick wieder hergestellt sind.

Verlockung Zwillbrock

Eigentlich wollte der gebürtige Ulmer gar nicht lange in Westfalen bleiben. Nach einer Ausbildung als Maler, Mitarbeit bei einem Restaurator und sechs Semestern Fachstudium in Stuttgart kam er 1956 als Restaurator für Plastiken im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte nach Münster. Als es ihn wieder in die Heimat zog, lockte ihn der Landeskonservator: Die Barockkirche Zwillbrock solle restauriert werden. Eine Kirche in eigener Verantwortung - Jetter griff zu, wagte 1958 den Schritt in die Selbstständigkeit - und blieb im Münsterland hängen.

"Ich war mir meiner Sache sicher", blickt Jetter auf den ersten Auftrag zurück. Als nächstes legte er die Gewölbemalereien und die Innenausstattungen in den Kirchen St. Vitus Südlohn und St. Brictius Schöppingen frei, bevor sehr große Aufträge kamen: Sein Team restaurierte Innenausstattung und Gemäldesammlung von Schloss Anholt des Fürsten Salm-Salm. Und, und, und...

Es ist die Entdeckerfreude die ihn antreibt, betont Edgar Jetter. "Wie hat das Original ausgesehen? Wie kann ich diese nicht nachwachsenden Kunstschätze für die Nachwelt erhalten?" - darauf will er Antworten finden. Täglich. Lupe, Mikroskop und Quarzlampe sind dabei unverzichtbare Begleiter seiner Arbeit, bei der es aufs kleinste Detail ankommt. Ein Sammelsurium an Farben, Lacken und Lösungsmitteln füllen die Regale seiner Werkstatt, rund um die mit Werkzeugen beladenen Arbeitsplätze stehen barocke Figuren, lehnen restaurierungsbedürftige und fertig retuschierte Gemälde an der Wand.

Fotos liegen auf dem Arbeitstisch: "Vorher-Nachher"-Motive. Fotos von zerknüllten, rissigen Leinwänden, aus denen Jetter in monatelanger Arbeit das Original wieder hergestellt hat. Er kittet die Risse und malt partiell - nur dort, wo es nötig ist - das Bild so nach, wie es im Original war. Oder gewesen sein könnte, wenn die alte Leinwand keine Farbreste und somit Anhaltspunkte mehr vorweist. Oder er sucht das verborgene Original in Kirchengewölben oder auf historischen Altären - und legt es frei.

Für Nachwelt erhalten

"In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege haben wir viele Kunstwerke für die Nachwelt erhalten", zieht Jetter zufrieden (Zwischen-)Bilanz. Denn er kann von der Arbeit nicht lassen, ist trotz seiner 79 Jahre aktiv, "aber nicht mehr auf dem Gerüst". Gerade hat er mit seiner Tochter Sabine an der Innenausstattung der St. Georg-Kirche in Hopsten gearbeitet - und viele kleinere Aufträge warten in der Werkstatt. ewa

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