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Schuldnerberatung in Vreden ist überlaufen

Immer mehr Privatinsolvenzen

Vreden Schulden haben vielfältige Ursachen. Etwa Trennung, Schicksalsschläge, Arbeitslosigkeit oder Spielsucht. Ein Problem wird selten angesprochen.

Immer mehr Privatinsolvenzen

In Spielgeräten verschwindet viel Geld. Wer süchtig wird, gerät auch oft in die Schuldenfalle. Auch in Vreden. Foto: dpa

Der Caritasverband für das Dekanat Borken ist nicht nur wichtige Adresse bei Fragen rund um Pflege, Gesundheit und Soziales, sondern bietet außerdem eine Schuldner- und Insolvenzberatung an. Mit regelmäßigen Sprechstunden am zweiten und vierten Mittwoch im Monat auch in Vreden. Und gerade hier gibt es immer mehr Menschen, die Probleme mit ihren Schulden haben. Deutlich wird das auch daran: Die Zahl der Privatinsolvenzen ist von 6 im Jahr 2016 auf 16 im vergangenen Jahr angestiegen.

Und ganz akut ist die Situation für die Hilfesuchenden in Vreden zurzeit. „Die Nachfrage explodiert geradezu“, schildern Beratungsstellenleiter Andreas Dawo und Nicole Gebker, Ansprechpartnerin in Vreden, die Lage und deren Konsequenzen: „Wir wissen gar nicht mehr, wo wir die Leute unterbringen sollen und haben die bislang längste Wartezeit von rund acht bis neun Wochen.“

Ganz normale Gründe

Eine wirkliche Erklärung dafür haben Dawo und Gebker für den wachsenden Beratungsbedarf bislang aber nicht gefunden. Nur vielleicht, dass die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, generell gesunken sei. Besondere Auffälligkeiten gebe es in Vreden aber keine. Weder aktuelle Firmeninsolvenzen, Kurzarbeit, oder andere wirtschaftliche Hintergründe – all das habe man nicht feststellen können.

„Es sind einfach auch in Vreden die ganz normalen Gründe“, ist sich die Schuldenberaterin und gelernte Bankkauffrau, sicher. Und die sind? Nicole Gebker: „Zum Beispiel Krankheit, Unfälle, Schicksalsschläge, Trennung, frühere Selbstständigkeit, Arbeitslosigkeit, geplatzte Finanzierungen, psychische Probleme.“ Und das Schuldenproblem treffe alle soziale Schichten. Berufstätige wie Menschen ohne Arbeit und Empfänger von sozialen Leistungen, Männer wie Frauen.

Gestiegenes Konsumdenken

Ein Motor, um in die Schuldenfalle zu geraten, sei aber sicher auch das gestiegene Konsumdenken und die Leichtigkeit, an Kreditkarten und Co. zu kommen. Und Verschuldung durch Internet-Käufe wird außerdem zum wachsenden Problem. „Da wird von großen Online-Versandhändlern die Kreditkarte gleich mit angeboten“, sagt Andreas Dawo. Spitzenreiter bei den Caritas-Klienten sei einer mit ganzen acht Kreditkarten gewesen  Aber auch Spielsucht als Schulden-Motor nimmt zu. Auch deswegen, weil das Internet dafür neue und anonymere Möglichkeiten bietet, erzählen die Experten.

Ein Problem, über das nur selten gesprochen werde, benennt Nicole Gebker auch: Lese-Rechtschreib-Schwäche und Analphabetismus. Wer die Verträge erst gar nicht richtig lesen könne, sei natürlich besonders gefährdet für Schulden.

Wenn der Schuldenberg nicht kleiner wird

Bei Adele M. war es anders. Nach der Scheidung blieb sie nicht nur mit einer kaputten Ehe zurück, sondern auch mit rund 50 000 Euro Schulden. Dieser Berg wurde auch durch ihre monatlichen Mini-Raten kaum kleiner. „Davon wäre sie nie runtergekommen“, sagt Andreas Dawo. Auch deswegen, weil sie nie Vollzeit gearbeitet hat, sondern sich, wieder verheiratet, ein Leben lang um Mann, zwei Kinder und dann auch um die Pflege der Schwiegermutter gekümmert hat. Als sie dann aber selbst so krank wurde, dass sie nicht mehr arbeiten konnte, war das der Auslöser, um sich professionelle Hilfe zu holen. Die Caritas-Beratungsstelle konnte ihr helfen und ihr den Weg in die Privatinsolvenz als Problemlösung aufzeigen. „Sie war so dankbar und glücklich, hatte Tränen in den Augen“, erinnert sich ihre Beraterin. Besonders tragisch in ihrem Fall: Diese Lösung hätte es schon viel früher gegeben...

Allerdings, auch darauf weisen die Berater hin: Das Insolvenzverfahren ist nicht umsonst, die Beratung schon. Nach Ablauf der Verfahrens fallen rund 2000 Euro Kosten an. Um neue Probleme zu vermeiden, legt auch Adele M. ihre bisherigen Raten auf einem Sonderkonto an.

Sieben Mitarbeiter und drei Langzeitpraktikanten sind bei der Caritas-Schuldnerberatungsstelle im Auftrag des Kreises aktiv. Dazu gehören Verbandsprüfer, Bankkaufleute, Diplom-Sozialarbeiter, Betriebswirte und eine Diplom-Kauffrau, die mit den Klienten neben der Bestandsaufnahme ihrer Finanzlage gemeinsam nach Lösungen suchen.

Finanziert wird die Caritas-Beratungsstelle von Kreis, Land und Bistum. Allerdings beteiligt sich das Land nur an der Insolvenz- der Kreis nur an der Schuldnerberatung. Unterstützung gibt es auch von den Sparkassen. In der Beratungsstelle in Ahaus, Wüllener Straße 80, wie auch in den Außensprechstunden in Schöppingen, Legden, Heek, Vreden, Stadtlohn, Gescher, Reken und Velen gibt es Termine, keine offene Sprechstunde. „Um größtmögliche Diskretion zu wahren“, sagt Leiter Andreas Dawo. Häufig kann am Telefon schon eine erste Situations-Einschätzung erfolgen und dann weitere Weichen gestellt, Gespräche mit Gläubigern geführt werden, um eine außergerichtliche Einigung zu erreichen. Sollte das scheitern, beginnt mit Start des Insolvenzverfahrens die Insolvenzberatung. Mit in der Regel sechsjähriger Laufzeit.

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