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Ulrike Tillmann lehrt in Oxford

Mathe-Genie aus Vreden ist als Expertin gefragt

VREDEN Ulrike Tillmann bekommt als Mathematikerin eine Auszeichnung nach der anderen. Die neueste bringt sie in Verbindung mit Marie Curie und Albert Einstein.

Mathe-Genie aus Vreden ist als Expertin gefragt

Als Mathe-Expertin ist Ulrike Tillmann sehr gefragt. Foto: privat

Mathe bestimmt das Leben von Ulrike Tillmann. Nicht, weil sie die Mathematik besonders gerne mag. „Es lag mir einfach“, sagt die Vredenerin. Und das ist noch untertrieben. Die 55-Jährige ist Mathe-Professorin an der Universität Oxford in Großbritannien und bekommt eine Auszeichnung nach der anderen. Die neueste: Ulrike Tillmann ist seit der vergangenen Woche Mitglied der Akademie Leopoldina. In dieser Akademie waren schon Berühmtheiten wie Marie Curie, Albert Einstein, Johann Wolfgang von Goethe und Alexander von Humboldt Mitglied.

Seit 2008 ist die Leopoldina die Nationale Akademie Deutschland. Zu ihren Aufgaben gehört es, gesellschaftliche Zukunftsthemen wissenschaftlich zu bearbeiten und die Ergebnisse der Politik und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Mitglieder verfassen zum Beispiel Studien und Stellungnahmen, auf die sich die Bundesregierung beruft. Ulrike Tillmann ist noch mit keinem konkreten Projekt betraut. „Aber es kann sein, dass sich ein anderes Mitglied auf meine Arbeit beruft, oder dass ich irgendwann auch in einer Gruppe mitarbeite.“

1583 Mitglieder hat die Akademie zurzeit, jedes Jahr werden pro Fachbereich ein bis zwei neue Wissenschaftler aufgenommen. Bewerben kann man sich nicht, man muss vorgeschlagen und anschließend gewählt werden. Eine Mitgliedschaft dauert dann aber ein Leben lang.

Auslandsjahr geplant

Ulrike Tillmann ist in Ammeloe aufgewachsen und hat 1982 ihr Abitur am Vredener Gymnasium gemacht. Ihre Leistungskurse: Mathe und Deutsch. Aber auch Englisch lag ihr und so schlug ihr Lehrer Wolfgang Pfahler ihr vor, nach dem Abitur für ein Jahr nach Amerika zu gehen. Ulrike Tillmann setzte den Vorschlag in die Tat um. Aus dem geplanten Auslandsjahr wurde ein ganzes Auslandsstudium. „Ich habe direkt einen Studienplatz bekommen und ein Stipendium. Sonst kann man sich das ja gar nicht leisten“, erinnert sie sich. An der Brandeis University in den USA studierte sie Informatik und Mathematik. 1985 machte sie ihren Bachelor. „Da habe ich kurz überlegt, vielleicht doch wieder nach Deutschland zu gehen und dort einen Master zu machen“, sagt sie. Doch an der Universität in Münster riet man ihr ehrlich: „Wenn Sie einen Studienplatz in den USA bekommen, bleiben Sie da.“ Gesagt, getan. Ulrike Tillmann ging an die Stanford University, einer der forschungsstärksten und renommiertesten Universitäten der Welt. Dort promovierte sie 1990.
Mathe-Genie aus Vreden ist als Expertin gefragt

Ulrike Tillmann gibt neben ihrer Arbeit als Professorin in Oxford auch viele Workshops. Foto: privat

Zu ihrer Studienzeit gab es noch keine Smartphones oder E-Mails. „Ich habe Briefe geschrieben“, sagt sie lachend. „Und 25-Cent-Stücke gesammelt.“ Die brauchte sie, um mit dem Münztelefon ihre Familie in Ammeloe anrufen zu können. „Das Geld, das ich so lange gesammelt hatte, war immer in ein paar Minuten weg“, erinnert sie sich. Ein Flug von Amerika nach Deutschland war unbezahlbar. Deswegen kam sie nur einmal im Jahr nach Hause. Heute ist das anders. Alle drei Monate ist Ulrike Tillmann im Schnitt zu Besuch in Vreden. Heute kann sie aber auch mit dem Auto von Großbritannien aus ihre Eltern besuchen. Fliegen tut sie nicht so gerne. „Die Verkehrsanbindung vom Flughafen nach Vreden ist ja nicht so gut.“

Seit 18 Jahren arbeitet die Vredenerin nun als Mathe-Professorin in Oxford in Großbritannien. „Forschung und Lehre, das geht Hand in Hand“, sagt sie. Ihr Fachgebiet ist die algebraische Topologie, die zwei Grundpfeiler der Mathematik miteinander verbindet. Die Topologie befasst sich mit den Strukturen eines Raumes, die bei einer Verformung erhalten bleiben. Beispielsweise lässt sich eine Kugel durch Dehnen und Stauchen in einen Würfel verwandeln. Topologische Eigenschaften sind die Eigenschaften, die bei einer solchen Umwandlung erhalten bleiben. Die Algebra befasst sich mit den Eigenschaften von Rechenoperationen. Die algebraische Topologie wiederum sucht nach Möglichkeiten, topologische Fragen rechnerisch zugänglich zu machen.

Viele Auszeichnungen

Was für den Laien ziemlich kompliziert klingt, fällt Ulrike Tillmann verhältnismäßig leicht. „Ich hatte auch viele andere Interessen. Aber Mathe lag mir einfach“, sagt sie. Das wurde ihr schon oft mit Auszeichnungen bescheinigt. Drei Stipendien finden sich in ihrem Lebenslauf, sie bekam den Whitehead Prize der London Mathematical Society und den Bessel-Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Außerdem ist sie die Vize-Präsidentin der Royal Society. Das ist die Nationale Akademie Großbritanniens. Sogar einen Wikipedia-Artikel gibt es über sie, in dem ihre Forschungen, Preise und Veröffentlichungen aufgeführt werden.

Über eine Rückkehr nach Deutschland denkt Ulrike Tillmann nicht nach. „Klar, man vermisst schon die Muttersprache und die Nähe zur Familie“, sagt sie. Aber: Inzwischen hat sie ihre eigene Familie in Großbritannien. Sie ist verheiratet und hat drei Töchter. Eine davon studiert Mathematik in Berlin.

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