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Pfarrer Guido Wachtel verabschiedet sich von Vreden

Pfarrgemeinde St. Georg

Pfarrer Guido Wachtel verabschiedet sich von der Pfarrgemeinde St. Georg. Als er vor 13 Jahren nach Vreden kam, gab es dort noch sieben Gemeinden.

Vreden

von Victoria Thünte

, 19.06.2018
Pfarrer Guido Wachtel verabschiedet sich von Vreden

Pfarrer Guido Wachtel wird sich am Sonntag von der Gemeinde verabschieden. © Victoria Thünte

Pfarrer Guido Wachtel wird sich am Sonntag mit einem Gottesdienst von der Gemeinde verabschieden. Victoria Thünte hat mit dem 48-Jährigen über positive und negative Erlebnisse und seinen Neustart in Delmenhorst gesprochen.

Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis zu Ihrem Abschied. Sind die Umzugskisten schon gepackt?

Nein, noch nicht. Es fügt sich ganz gut, dass nach dem Abschiedsgottesdienst erst einmal der Jahresurlaub ansteht. Ich bin also drei Wochen weg und kann innerlich Abstand gewinnen und die letzten Eindrücke sortieren. Der Umzug nach Delmenhorst ist dann Ende Juli.

Ihre Entscheidung, die Gemeinde zu verlassen, hat viele überrascht. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe mich nicht wegbeworben und ich musste auch nicht weg, sondern ich bin vom Bischof gefragt worden. Schon seit einigen Jahren gab es ernste Anfragen, ob ich nicht in eine andere Gemeinde wechseln möchte. Das ist nichts Ungewöhnliches, sondern es ist normal, dass ungefähr alle zehn Jahre gewechselt wird. Jetzt hatte ich keinen Grund mehr Nein zu sagen, aber vorher hat es einfach nie gepasst.

Warum nicht?

Zum einen gab es in letzter Zeit viele massive Personalwechsel. Bruder Hubert aus Zwillbrock und die Ordensschwestern sind beispielsweise gegangen, die Schließung des Herz-Jesu-Klosters stand bevor, ein neues Kloster in Zwillbrock wurde gegründet. Da konnte ich nicht auch noch gehen. Außerdem haben wir in den vergangenen vier Jahren den neuen Pastoralplan erarbeitet und der Marienturm ist auch erst im November letzten Jahres eingeweiht worden. Und ich habe immer gesagt, dass es eine Perspektive für die Gemeinde geben muss, wenn ich gehe. Die Vredener sind mir nicht egal.

Wie hat für Sie in Vreden denn alles angefangen?

2005 bin ich nach Vreden gekommen. Das war am Kirmesdienstag. Die Schausteller haben die Stadt nach Osten verlassen und aus dem Westen kam mein Möbelwagen. Damals ahnte ich noch nicht, was das für ein wichtiges Datum in Vreden ist (lacht). Zu diesem Zeitpunkt gab es noch sieben Gemeinden in Vreden. Ich hatte den Auftrag, die Fusion zu gestalten. Das hat dann auch zügig angefangen. Ich bin im September 2005 gekommen und im Januar 2006 haben wir den Fusionsprozess gestartet.

Und wie ist die Gemeinde heute aufgestellt?

Ich glaube, wir haben es geschafft, dass wir miteinander statt gegeneinander arbeiten. Das ist nicht selbstverständlich bei fusionierten Gemeinden. Wir haben auch eine gute Balance zwischen zentraler und dezentraler Organisation. Es ist also nicht alles einheitlich geregelt. Es soll auch Lebendigkeit vor Ort in den Dörfern um die Kirchtürme und Platz für eigene Traditionen geben. Das System der Ortsausschüsse haben wir selber entwickelt. Im Bistum gab es kein System für Fusionen dieser Größe.

Was war der schwierigste Punkt in Ihrer Zeit in Vreden?

Das war sicher die Profanierung der Marienkirche. Da ging es ja nicht nur um den Verwaltungsakt, sondern auch darum, den Übergang zu gestalten. Die ganze Gemeinde hat eine Kirche verloren und das hat uns über Jahre beschäftigt. Ich kann mich da sehr gut reinfühlen, wie sich das für die Vredener angefühlt hat. Im selben Jahr wurde die Kirche in meiner Heimat, in der ich zur Kommunion gekommen bin und in der ich Messdiener war, abgerissen. Und am Tag der Profanierung der Marienkirche wurde auch eine Kirche profaniert, die mein Großonkel als Pfarrer mitgebaut hat.

Aber es gab sicher auch schöne Momente. Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Neben vielen Einzelaktion würde ich da die Menschenkette um den Butenwall im Jahr 2012 nennen. Zum Abschluss der Glaubenswoche fünf Jahre nach der Fusion haben wir eine Stadtwette gemacht. Mehrere Sponsoren wollten spenden, wenn wir es schaffen, eine Menschenkette um den Butenwall zu bilden. Ich bin dann die Kette mit dem Fahrrad abgefahren, um zu überprüfen, ob sie geschlossen ist. Da waren Kinder und Senioren mit Rollator, insgesamt rund 1500 Menschen. Es war Bombenwetter und wir wurden mit einer La-Ola-Welle empfangen, es wurde das Butenwall-Lied gesungen und geschunkelt. Das war westfälische Ekstase. Aber auch die vielen Aktionen im Norbertjahr waren toll. Wir hatten viele Gäste aus ganz Deutschland und dem Ausland. Das war sicher die Aktion mit der größten Außenwirkung.

Worauf freuen Sie sich in Delmenhorst?

Generell auf den Neustart, auf eine neue Chance. Es ist eine völlig andere gesellschaftliche Situation. Es ist eine größere Stadt und eine Diaspora-Situation. Nur gut 50 Prozent der Einwohner sind Christen und nur gut 10 Prozent sind katholisch. Die Gemeinde ist sehr international, rund 50 Nationen sind vertreten. Und ich merke, dass sich die Leute dort auf mich freuen.

Wie verbringen Sie die letzten Tage in Vreden?

Es ist die Zeit der letzten Abendmähler. Viele Gruppen und Einzelpersonen haben mich eingeladen, ich hatte in den letzten Wochen kaum einen Abend frei. Außerdem führe ich Gespräche mit Mitarbeitern und mache die Übergabe. Und im Moment arbeite ich auch noch an der Predigt für den Abschiedsgottesdienst. Da gilt es, die richtigen Worte zu finden.

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