Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Foto: Hubert Kramer

Der fremde Nachbar

WERNE Das Zimmer ist vielleicht fünf mal sieben Meter groß. Bunte Teppichauslegware bedeckt den Boden. Rechts in der Ecke eine Empore aus Holz, links eine Kanzel: Hier ist das Zentrum der einzigen Werner Moschee – der Gebetsraum, in dem die KAB St. Konrad am Donnerstagabend zu Gast war.

/
Auf dem Boden nahmen die Mitglieder der KAB St. Konrad Platz und verfolgten aufmerksam die Erläuterungen von Ali-Osman Boz. Hinten links Iman Eyüp Sengül.

Eyüp Sengül, der Iman des Moscheenvereins Werne.

Auf dem Boden sitzen 20 Männer und Frauen und lauschen den Worten Ali-Osman Boz` (38). Fast andächtig, wie im Gebet versunken. Doch es sind katholische Christen der KAB St. Konrad, die an diesem Donnerstagabend in erster Linie nicht den Dialog mit Gott suchen, sondern mehr erfahren wollen über den Glauben des Islam.

Gegenbesuch 

„Wir leben in Nachbarschaft“, sagt KAB-Vorsitzender Johannes Schultheis, „kennen uns aber nicht.“ Das stimmt im Kern, aber nicht ganz: Im Frühjahr bereits sind sich die Angehörigen beider Religionen ein Stück näher gekommen, bei einer Veranstaltung im Bruder-Konrad-Haus. Jetzt folgt sozusagen der Gegenbesuch. 

  In der Moschee an der Brevingstraße sind die Gäste aus St. Konrad bemüht, nicht anzuecken, kein Tabu zu brechen. Die Schuhe aus, und auf Socken bewegen sie sich zunächst unsicher auf ungewohntem Terrain. Darf man sich in diesem heiligen Räumen so einfach unterhalten, sogar lachen? Ja, natürlich! Fotografieren? Kein Problem!

Fünf Tagesgebete

Ali-Osman Boz zeigt sich von seiner liberalsten Seite und nimmt die Spannung aus der Situation. „Wenn Sie Rücken- oder Gelenkprobleme haben, nehmen Sie sich einen Stuhl“, bietet er den auf dem Boden Sitzenden an. Eine ältere Frau greift sofort zu – die Kirchenbänke mögen manchem hart und unbequem vorkommen, komfortabler als der Teppich in der Moschee sind sie allemal. Die Atmosphäre lockert sich, und Ali-Osman Boz informiert multimedial mit Tablet-Computer und Beamer über das Tagesgebet. Besser gesagt die fünf Tagesgebete, die für den gläubigen Muslim Pflicht sind. Das jüngste Gericht, Himmel, Hölle, Paradies kommen immer wieder vor.

"Fast wie bei uns"

„Das ist ja fast wie bei uns“, entdecken die KABler eine ganze Menge Gemeinsamkeiten. Der Iman des Moscheenvereins betritt die Szene. Er heißt Eyüp Sengül, ist 41 Jahre und strahlt aus der Kraft seiner Frömmigkeit Autorität aus. Ein Mann mit Charisma. Das geistliche Oberhaupt der islamischen Gemeinde wendet sich in einer kleinen Auswölbung an der Stirnseite des Raumes gen Mekka und kniet nieder zum Gebet. Es herrscht Stille, niemand spricht mehr.

  „In diesem Moment bin ich in der Gegenwart Gottes“, bricht Ali Boz das Schweigen. Die Gäste rundum sind ergriffen. Jetzt entwickelt sich ein lebhaftes Gespräch. Fragen über Fragen. Und Alis-Osman Boz antwortet so offen er kann: „Viele islamische Vereine betreiben Politik, das machen wir hier überhaupt nicht.“ Kinder erhalten in der Moschee täglich Nachhilfe. „Nur in Bildung und Schulfächern“, betont Boz.

Gut zwei Stunden dauert der Dialog. Dann verabschieden sich Gastgeber und Gäste. Mit Händeschütteln und manchmal Umarmungen. Es ist offensichtlich: Die Anhänger der beiden großen Weltreligionen sind sich im kleinen Werne ein Stück näher gekommen.

    

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Ausbau der Autobahn 1 sorgt für rege Diskussionen

Beim Ausbau der Autobahn 1 bei Werne sorgen sich Anwohner um den Lärmschutz

Werne Die A1 soll bis 2027 zwischen dem Kamener Kreuz und der Anschlussstelle Hamm-Bockum/Werne auf sechs Spuren ausgebaut werden. Um über den Fortschritt der Pläne zu informieren und mögliche Einwände der Anwohner zu hören, lud der verantwortliche Landesbetrieb Straßen.NRW am Dienstagabend zur Veranstaltung „Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung“ ins Haus Tingelhoff ein. Ein Thema sorgte besonders für Diskussionsstoff.mehr...

Black.de in Werne schließt

Billigkette verlässt das Steinhaus-Center am Moormannplatz

Werne 1000 Filialen sollten in Deutschland eröffnen. Schon im Januar war klar: Daraus wird nichts. In Werne verschwindet die Billigkette Black.de nach gerade einmal zehn Monaten aus dem Steinhaus-Center. Nun stellen sich Fragen nach der Zukunft der Mitarbeiter und einem möglichen Tedi-Umzug.mehr...

Werner belästigt Seniorin und verängstigt Autofahrer

Betrunkener Mann aus Werne wütet in Lünen – Polizei ermittelt

LÜNEN/WERNE. Sexuelle Nötigung, Widerstand und weitere Delikte: Wegen dieser Straftaten ermittelt die Polizei gegen einen 22-jährigen Mann aus Werne, der sich mehr als merkwürdig verhielt.mehr...

Betten für den Katholikentag Münster

Zehn Gastgeber aus Werne melden 23 Betten für Katholikentag

Werne. Ende Januar suchte die Christophorus-Gemeinde Werne für den Katholikentag im Mai Unterkünfte in der Lippestadt. Schon zwei Monate später war klar, dass es genügend Unterkünfte für die Großveranstaltung Mitte Mai in Münster gibt.mehr...

Die bewegende Geschichte eines Herzkranken

Anteilnahme macht Familie Behnke sprachlos und dankbar

Werne/Selm Es war eine dramatische Entscheidung – aktive Sterbehilfe oder doch eine Operation. Jetzt wird Antje Behnke mit vielen Fragen konfrontiert. Viele Menschen wollen wissen, wie es ihrem Mann, Jens Behnke, nach der Herz-Operation geht. Nun möchte sie antworten und einfach nur Danke sagen.mehr...

Stadt Werne überprüft Spielhallen

Zwei Spielhallen in Werne müssen nach neuer Rechtslage schließen

In Werne gibt es elf Spielhallen-Lizenzen an insgesamt fünf Standorten. Für zwei kommt das Aus. Aber eigentlich müssten zehn von elf schließen.mehr...