Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Schornsteinfegergesetz

Feuerstättenschau unter Polizeischutz

WERNE Seit 2004 kämpft der Werner Hausbesitzer Clemens Schlüter gegen den Kreis Unna: Der 57-Jährige weigert sich, seine Brennwert-Heizung durch einen Schornsteinfeger überprüfen zu lassen. Am Mittwoch wollte der Kreis die "Feuerstättenschau" zur Not mit Polizeigewalt durchsetzen.

/
Clemens Schlüter mit seiner Brennwertheizung. Nach Meinung des Hausbesitzers muss diese Anlage nicht von einem Schornsteinfeger gewartet werden.

Schornsteinfegermeister Matthias Röder erlebte ein ungwöhnlich hohes mediales Interesse an seiner Arbeit.

Zum Hintergrund: Für Clemens Schlüter macht die 2004 eingebaute Brennwert-Heizung die Überprüfung durch einen Schornsteinfeger überflüssig. "Bereits beim Einbau war sie von der Abnahme durch einen Schornsteinfeger baurechtlich ausgenommen", erläutert der Japan-Wissenschaftler. Dies impliziere dann ja auch den Wegfall "weiterer nichtsnutziger Kontrollen durch die schwarzen Pseudoglücksbringer", wie er es formuliert. Zudem sei der Schornsteinfeger als Laie für die Kontrolle moderner Brennwertanlagen disqualifiziert.

Der Kreis Unna, Abteilung Bevölkerungsschutz, sieht das anders - und beruft sich dabei auf das Schornsteinfegergesetz, nach dem alle fünf Jahre eine neue Feuerstättenschau durchgeführt werden müsse - weshalb sich die Behörde nun wieder, fünf Jahre nach dem letzten - allerdings gescheiterten - Termin wieder bei Clemens Schlüter meldete.Notfalls wird die Tür aufgebrochen

Norbert Katlewski war der erste, der am Mittwoch in der Gutenbergstraße erschien. "Ich soll hier die Tür aufbrechen, falls es zum äußersten kommt", erklärte der Sicherheitstechniker entspannt. Das Ordnungsamt Werne hatte ihn aus Dortmund angefordert. "Dort kommen solche Aktionen alle Nase lang vor."

Wenig später trifft Bezirksschornsteinfeger Matthias Röder ein - begleitet von zwei Polizeibeamten und drei Mitarbeitern des Kreises Unna. Norbert Katlewski muss die Tür nicht aufbrechen - Clemens Schlüter lässt den Schornsteinfeger herein. "Damit begeht er den Straftatbestand des Hausfriedensbruchs und der Nötigung. Deshalb muss ich mir ja nicht noch die Tür aufbrechen lassen." Ein Problem gibt es noch: Der Hausbesitzer besteht darauf, dass in seinem Haus keine Straßenschuhe getragen werden. Röder ist aber nach eigener Aussage verpflichtet, Sicherheitsschuhe zu tragen - "es sei denn, sie versichern mir, dass ich gefahrenlos in den Keller kann". Dies tut der Hausherr, und so erledigt der Schornsteinfeger seine Arbeit in Fellpantoffeln und erklärt einem anwesenden TV-Kamerateam: "Bei der Feuerstättenschau geht es darum, sicherzustellen, dass die Anlage dem entspricht, was offiziell angemeldet ist. Nicht, dass jemand schwarz zum Beispiel einen Kohlekessel installiert." Während der Diskussion wirkt der Schornsteinfeger verunsichert - er scheint sich mit der Anlage nicht gut auszukennen, zitiert falsche Maße, die vom ebenfalls anwesenden Heizungsbauer widerlegt werden.Hausbesitzer will Filmmaterial vor Gericht verwenden

Clemens Schlüter filmt die Arbeit des Schornsteinfegers, er will das Material später vor Gericht verwenden. Als Röder die andere Seite des Kaminschachtes überprüfen will, geht er energisch dazwischen: "Sie dürfen in keinen anderen Raum." Röder begibt sich aufs Dach, wo er einen zweiten abgedeckten Schornstein entdeckt. "Den müsste ich auch vom Wohnraum aus überprüfen, ob alles in Ordnung ist." Auch das untersagt Schlüter vehement: "Der ist seit 16 Jahren abgemeldet."

Das anfangs entspannte Klima ist mittlerweile umgeschlagen. Schlüter beschimpft den Schornsteinfeger vor laufenden Kameras und den anwesenden Polizisten lautstark als "Klobürsten-Clown" und "Nazi-Spitzel". Das aktuell gültige Schornsteinfeger-Gesetz sei schließlich in den 1930er-Jahren von den Nazis erlassen worden. Mit einem lauten "Raus!" knallt der Hausbesitzer die Tür zu. Röder verlässt kopfschüttelnd das Grundstück.

 

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Maut-Säule an der B54 in Werne

Blau-grüne Säule überwacht Maut, nicht die Geschwindigkeit

Werne An der B54, kurz vor der Grenze zu Herbern, entsteht momentan eine automatische Mautkontroll-Säule. Das Fundament ist schon fertig. Obwohl sie wie eine Blitzer-Säule aussieht: Die Geschwindigkeiten misst sie nicht.mehr...

Umbau am Moormannplatz Werne

Vorbereitungen für Sanierung am Moormannplatz laufen auf Hochtouren

Werne Der nächste Abschnitt der Innenstadtsanierung Werne steht an. Derzeit laufen intensive Vorbereitungen rund um den Moormannplatz. Wahrscheinlich geht’s im Juli los. Und im nächsten Jahr folgt Abschnitt Nummer 3.mehr...

Grundschulen und Religions-Unterricht

Nach der Wienbrede-Schließung gibt‘s in Werne nur noch katholische Grundschulen

Werne Wenn die Wienbrede-Schule Ende Juli dieses Jahres schließt, bleiben nur drei katholische Grundschulen übrig. Da stellt sich die Frage: Und was ist mit den evangelischen Schülern?mehr...

A1: Unfall und Stau

A1-Sperrung aufgehoben, Stau löst sich langsam auf

Werne/Kamen Auf der Autobahn 1 hat es am Freitag, 20. April, im Berufsverkehr gekracht. Offenbar erlitten bei dem Unfall in Fahrtrichtung Köln mehrere Menschen Verletzungen. Die Autobahn ist mittlerweile wieder frei, der Stau fließt ab.mehr...

Tarif-Streit am Solebad Werne

Solebad: Verdi droht in Sachen Tarif-Verträge mit Aktionen

Werne Das Vorhaben der Gesellschafterversammlung des Solebades, die künftige Belegschaft unter Tarif zu bezahlen, ruft die Gewerkschaft Verdi auf den Plan. Bezirkssekretär Christian Berger kündigt Aktionen an. Er ist kampferprobt.mehr...

Trickbetrug an Seniorin

Drei Trickbetrügerinnen bringen Seniorin um ihren Schmuck

Werne. Ein Trickbetrügerinnen-Trio hat eine 78-jährige Wernerin um ihren Schmuck gebracht. Die Täterinnen gingen so raffiniert vor, dass ihr Opfer nichts bemerkt hat. Erst ein Nachbar wurde aufmerksam.mehr...