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Keine landesweiten Vorschriften

Kliniken fehlt Geld für optimalen Brandschutz

Lünen/Werne Im Bettenhaus 1 des Bochumer Bergmannsheil-Krankenhauses hat es beim verheerenden Brand mit zwei Toten keine Brandmelder in den Patientenzimmern gegeben. Allerdings gibt es in NRW auch keine speziellen landesweiten Vorschriften für den Brandschutz. Vielen Krankenhäusern fehlt zudem Geld für moderne Brandschutz-Technik. Auch das Krankenhaus in Werne würde gerne mehr investieren.

Kliniken fehlt Geld für optimalen Brandschutz

Bei dem Brand im Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil starben zwei Menschen, die oberen Etagen des Bettenhauses1 brannten komplett aus.

Im Bettenhaus 1 des Bochumer Bergmannsheil-Krankenhauses hat es bei dem Feuer, in dem zwei Menschen starben, keine Brandmelder in den Patientenzimmern gegeben. Das Brandschutzkonzept für dieses Gebäude der Universitätsklinik sah keine flächendeckende Brandmeldeanlage vor, sondern nur die Überwachung der Fluchtwege und Stationen. Die Katastrophe von vor zwei Wochen lenkt den Blick auf grundsätzliche Probleme beim Brandschutz in den Krankenhäusern des Landes NRW. Denn: Spezielle, landesweite Bauvorschriften für Krankenhäuser und damit auch Brandschutzvorschriften gibt es gar nicht. Wohl aber ein Papier der Berufsfeuerwehren NRW, das die flächendeckende Ausstattung mit Brandmeldern, also auch in Patientenzimmern und nicht nur auf den Rettungswegen, nachdrücklich empfiehlt. "Diese ist allerdings nicht rechtsverbindlich", erklärte Gottfried Wingler-Scholz, Leiter des vorbeugenden Brandschutzes in Bochum, der für Sonderbauten und damit auch die Kliniken zuständig ist.

Feuer breitete sich rasend schnell aus

Das Feuer im Bergmannsheil hatte sich in der Nacht des 30. Septembers rasend schnell ausgebreitet. Ob ein Brandmelder in dem Patientenzimmer der 69-jährigen Hagenerin, die sich mit Desinfektionsmittel übergoss und sich selbst anzündete, den Verlauf des Brandes wesentlich anders gestaltet hätte, ist fraglich. "Eine Pflegerin hatte das Feuer ja offenbar sehr schnell bemerkt", so Wingler-Scholz. Andernfalls hätte wertvolle Zeit verloren gehen können.

Warum breitete sich das Feuer so rasend schnell aus? Das klären derzeit Gutachter und Ermittler der Polizei.  Das Feuer habe sich durch einen Kamineffekt so schnell verbreitet, hatte es direkt nach dem Brand geheißen. Ob bauliche Mängel vorliegen, wird das Gutachten zeigen. „Bislang haben wir kein Fehlverhalten feststellen können“, erklärte Polizeisprecher Volker Schütte. Das beziehe sich sowohl auf Menschen, als auch auf die Technik. Auch Bergmannsheil-Sprecher Robin Jopp betonte auf Nachfrage noch einmal: "Im Bergmannsheil werden alle vorgeschriebenen brandschutztechnischen Auflagen erfüllt." Das Brandschutzkonzept des Bergmannsheils sehe auf den Patientenzimmern keine Rauchmelder vor. 

1985, als das Bettenhaus 1 des Bergmannsheils gebaut wurde, steckten moderne Brandschutzkonzepte, wie sie heute Pflicht sind, noch in den Kinderschuhen. Gebaut wurde in dieser Zeit auf Grundlage der Landesbauverordnung für Krankenhäuser von 1978, die auch Details in Sachen Brandschutz regelte. Im Jahr 2009 trat diese außer Kraft, wurde ersatzlos gestrichen. Sie war veraltet "und bot für eine zeitgerechte Lösung der baulichen Fragen des Krankenhausbaus keine geeignete Grundlage mehr", erklärte Bernhard Meier, Sprecher des NRW-Bauministeriums. Krankenhäuser würden heutzutage nur noch selten gebaut, sondern eher erweitert oder umgebaut. Dabei entstehende komplexe Probleme müssten im Einzelfall gelöst werden - sprich, mit einem individuellen Brandschutzkonzept.

Brandmeldeanlagen in Zimmern ausdrücklich empfohlen

Empfohlen wird eine solche flächendeckende Brandmeldenlage für alle Krankenhäuser allerdings nachdrücklich in dem Papier der Leiter der Berufsfeuerwehren NRW, das ausführlich und konkret auf Detailfragen speziell für Kliniken eingeht.  "Krankenhäuser müssen eine flächendeckende Brandmeldeanlage haben", heißt es darin. Das bedeutet, die Anlagen müssen auch in Patientenzimmern vorhanden sein. Doch: Das "Arbeitspapier für die Brandschutzstellen" aus dem Jahr 2011 ist keine Vorschrift, sondern nur ein Handlungsleitfaden für die Feuerwehren, die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens Stellungnahmen abgeben. Gesetzlich sind die Krankenhäuser in § 68 der Bauordnung für Nordrhein-Westfalen als "Sonderbauten" eingestuft, für die auf Grundlage allgemeingültiger Regeln für alle Sonderbauten eigene Konzepte erstellt werden müssen. 

In Sachen Brandschutz wird in den Kliniken des Landes aber offenbar die alte Krankenhausbauverordnung von 1978 immer noch als grundsätzlicher Maßstab genommen. "Man richtet sich danach", bestätigte der technische Leiter des Marienkrankenhauses in Schwerte, Werner Adrian. Das tun offenbar nicht nur die Krankenhäuser, sondern auch Gutachter, Bauämter und andere Experten. Denn eine andere, rechtsverbindliche Grundlage, die der Verordnung hätte folgen können, gibt es nicht.  

Krankenhäusern fehlt Geld für Investitionen in moderne Brandschutztechnik

Dazu kommt, dass den Krankenhäusern nicht selten das Geld für die nötigen Investitionen fehlt. Die Krankenhäuser im Kreis Unna haben in der letzten Woche gegen die aus ihrer Sicht zu geringe Zuweisung von Mitteln durch das Land NRW protestiert. Gerade vor dem Hintergrund des Bochumer Brandes forderte der Geschäftsführer des Marienkrankenhauses in Schwerte mehr Geld und erklärte, ein verbesserter Brandschutz sei dringend notwendig. "Viele Türen sind noch auf dem Stand von vor 25 Jahren", erklärte der technische Leiter der Klinik, die in Schwerte zwei Häuser unterhält. "Wir wollen auch die Ausstattung mit automatischen Brandmeldern erweitern", erklärte Adrian. Ständig werde in den Brandschutz des Hauses investiert, doch die Sanierungen werfen immense Kosten auf. Und das ist das Problem.

Auch in Lünen fehlt Geld. "Wir investieren fortlaufend, aber was wir für den Brandschutz ausgeben, das fehlt uns an anderer Stelle", sagte Michael Goldt, Geschäftsführer der Krankenhäuser St. Marien in Lünen und St. Chistophorus in Werne. Gut eine Million Euro erhält das Krankenhaus vom Land NRW für Baumaßnahmen jedes Jahr. "Davon investieren wir rund 500.000 Euro pro Jahr in den Brandschutz", erklärte Goldt. Die Häuser in Lünen und Werne wurden Ende der 60er- bzw. Ende der 70er Jahre gebaut. Jüngste Maßnahmen waren etwa Brandschutztüren und Deckensanierungen. "Wir planen auch die flächendeckende Ausstattung mit Brandmeldeanlagen", so Goldt. Diese gibt es bislang in den Fluren und auf den Stationen, noch nicht aber in den Patientenzimmern. "Uns fehlt das Geld", erklärte Goldt. Dringend stehe auch die Sanierung der Patientenzimmer in Lünen und der Chirurgische Ambulanz in Werne an. 

Das Arbeitspapier der Berufsfeuerwehren in voller Länge: 

 

Zusammenfassung:

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