Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Mamadou Bah aus Guinea

So sehr fühlt sich ein Flüchtling in Werne zuhause

WERNE Er kam vor dem großen Flüchtlingsstrom und vielleicht war das sein Glück. Mamadou Bah hat am 1. August eine Ausbildung bei der Alfred Bereszynski GmbH in Werne begonnen. Drei Jahre, nachdem der heute 27-Jährige aus Guinea nach Deutschland kam. Es war ein langer Weg, durch den Norden Afrikas, durch halb Europa - und letztlich auch durch den Dschungel der Bürokratie.

/
2013 kam der heute 27-Jährige als Asylbewerber nach Deutschland. Er flüchtete aus seiner Heimat Guinea.

Seit dem 1. August ist Mamadou Bah der neue Auszubildende im Handwerkerbetrieb von Alfred Bereszynski.

Mamadou Bah scrollt über den Bildschirm seines Handys. Er will uns den Weg zeigen, den er zurückgelegt hat - "fast komplett zu Fuß", sagt er. Er tippt auf einen schwarzen Punkt: Conakry. Conakry ist die Hauptstadt Guineas. Sie ist mit mehr als eineinhalb Millionen Einwohnern die größte Stadt des westafrikanischen Landes. "Da bin ich geboren", erzählt Mamadou Bah. "Da habe ich Geschichte studiert." Sein Studium hat er nicht beendet. Mamadou zog los. Richtung Norden. Aus Angst vor dem Krieg, sagt er.

Laut Auswärtigem Amt zählt Guinea zu den ärmsten Ländern der Welt. 1997 kam es zum Bürgerkrieg, seitdem befindet sich das Land in der Wiederaufbauphase. Ein Land, das für Mamadou und viele andere keine Zukunft bot. Und in dem seine Mutter und seine zwei Schwestern auch heute noch leben.

"Gelaufen, immer nur gelaufen"

Fünf Jahre ist es her, dass sich der heute 27-Jährige auf einen langen, unsicheren Weg machte. Heute sitzt er am Tisch, entspannt, im Blaumann. In den Firmenräumen seines Arbeitgebers, der Alfred Bereszynski GmbH am Baaken, erzählt er uns, was er erlebt hat. Eine Geschichte zurechtgelegt hat er sich nicht. Mamadou kennt nicht jedes Detail, nicht mehr jede Stadt, die er in zwei Jahren Reise zurückgelegt hat. "Das ist schon so lange her", sagt er und lacht.

"Ich bin gelaufen, immer nur gelaufen." Es ging durch Mali, durch Mauretanien, durch Algerien - durch die Sahara, die größte Trockenwüste der Erde. "Du wachst morgens auf und siehst nur Sand. Das kannst du dir nicht vorstellen!" Eigentlich habe er nach Marokko gewollt, sagt Mamadou. "Doch dann war ich in Libyen." Mit einem Schlepper setzte er nach Griechenland über, ging zu Fuß durch Länder wie Bulgarien und Ungarn, fuhr mit dem Auto von Österreich nach Belgien. "Da hat man mich mitgenommen", sagt Mamadou.

Durch Klick auf die farbigen Markierungen erhalten Sie weitere Informationen zur Fluchtroute. Rein- und Raus-Zoomen können Sie durch einen Klick auf die Plus- und Minustasten sowie durch Drehen am Mausrad. Durch einen Klick auf das Kastensymbol oben rechts können Sie die Karte im Vollbildmodus öffnen.

 

"Wollten ihm eine Chance geben"

Weil er in Belgien kein Asyl bekam, sei schnell klar gewesen: "Ich muss nach Deutschland." In Dortmund beantragte er Asyl, dann kam er nach Werne, besuchte einen Deutschkurs. Im Asylheim am Christophorus-Gymnasium, in dem Mamadou auch jetzt noch lebt, habe ein Mitarbeiter des Handwerkerbetriebs vor einiger Zeit eine Tür eingebaut, erzählt Yvonne Bereszynski, die mit am Tisch sitzt und den jungen Mann seit dem 1. August zum Metallbauer ausbildet.

"Mamadou wirkte wohl sehr interessiert, hat immer gefragt, wie das geht. Da hat unser Mitarbeiter ihm eine Visitenkarte gegeben." Kurze Zeit später rief das Arbeitsamt an. "Wir wollten ihm eine Chance geben und boten ihm einen Ausbildungsplatz an", sagt Bereszynski.

Aufenthaltsgestattung läuft bald aus

Doch so einfach war das nicht. "Wir haben die Ausländerbehörde angerufen, haben ein Schreiben geschickt, als Antwort darauf ein Formular bekommen, das Mamadou ausfüllen sollte. Wir haben gar nicht verstanden, was wir alles machen mussten", gibt die 31-jährige Metallbau-Meisterin offen zu. Ohne die Hilfe der Kreishandwerkerschaft wäre das nicht gegangen, sagt Geschäftsführerin Jutta Bereszynski. Doch der bürokratische Aufwand hat sich gelohnt.

SELM Wenn viele Flüchtlinge kommen - was sind die Folgen? Profitiert der Arbeitsmarkt? Wie groß sind die Herausforderungen für den Wohnungsmarkt? Was bedeutet all das ganz konkret für den Kreis Unna und die Region? Ein Interview mit einem Professor vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln.mehr...

"Super, toll, perfekt", sagt Mamadou auf die Frage, wie ihm sein Ausbildungsplatz gefalle. Der 27-Jährige strahlt, steht vom Tisch auf und geht zielstrebig durch die Werkstatt, vorbei an all den Geräten und Werkzeugen, deren Bezeichnung er sich beim Vokabeltraining am Wochenende aneignen musste. "Am Anfang haben wir Fotos von den Werkzeugen gemacht, damit Mamadou wusste, was wir meinen", erzählt Jutta Bereszynski.

Mamadou ist angekommen. In Werne, auf der Arbeit. Nur sein Status sagt etwas anderes. "Seine Aufenthaltsgestattung läuft im Februar 2017 aus", sagt Yvonne Bereszynski. "Dann muss sie alle drei Monate verlängert werden." Obwohl sein Ausbildungsvertrag dreieinhalb Jahre läuft.

Und dann? "Mal schauen", sagt Mamadou. Zurück in seine Heimat wolle er nicht mehr.

WERNE Etwa 20 der derzeit 520 Flüchtlinge in Werne haben einen sogenannten Ein-Euro-Job. Geht es nach der SPD, soll diese Zahl bald steigen. So sollen Flüchtlinge, die sich keine normale Beschäftigung suchen dürfen, dennoch arbeiten können. Mehr Stellen würden die Stadt aber auch vor neue Probleme stellen.mehr...

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Förderprogramm

Werner Kitas könnten Geld für Sanierungen erhalten

WERNE In der Kita Lütkeheide tropft es durchs Dach, wenn es stark regnet. Ein neues Förderprogramm und ein neuer Vertrag könnten dazu führen, das diese Kita und eine weitere in Werne eine dringend benötigte Sanierung erhalten. Grundsätzlich ist es aber ein Kampf ums Geld.mehr...

Pünktlich zum Sim-Jü-Start

Derby am Freitagabend: Herbern gegen Werne

WERNE/HERBERN Der Countdown läuft für das "gefühlt erste Derby seit 30 Jahren", wie es Herbern-Trainer Holger Möllers nennt. Am Freitag ab 19.30 Uhr treffen in der Fußball-Landesliga der SV Herbern und der Werner SC aufeinander. Pünktlich zum Sim-Jü-Start will Liga-Neuling WSC die anstehenden Feiertage gebührend einläuten.mehr...

Mit Fotostrecken

Das war der Werner Familienflohmarkt 2017

WERNE Regenschirme, Pavillons und Plastikfolien: Die Händler auf dem Familienflohmarkt in der Werner Innenstadt trotzten am Samstag – so gut es ging – dem Regen. Der Stimmung hat das Wetter aber nicht geschadet. Wie sie war, zeigen wir in einer Fotostrecke.mehr...

Stress durch Miniermotten

Kurios: Kastanie im Steintorpark blüht im September

WERNE Wer sich die vielen Kastanien in Werne anschaut, meint, es sei schon frühzeitiger Spätherbst. Viele Blätter sind rot und vertrocknet. Das liegt an kleinen gefräßigen Tierchen, die derzeit optimale Bedingungen vorfinden. Einer Rosskastanie im Steintorpark haben sie besonders zugesetzt: Sie zeigt ungewöhnliche Stresssymptome.mehr...

Sanierungsarbeiten

Wernes Stadtmuseum bekommt ein dichtes Dach

WERNE Die Sanierung des Werner Stadtmuseums hat begonnen. Das Dach ist undicht - vor allem bei Sturm hebt der Wind die Dachziegel an, sodass Regenwasser ungehindert ins Gebälk gelangt. Die Schutzfolien, die das eigentlich verhindern sollen, sind mehrfach gerissen. In vier Wochen soll das Problem behoben sein.mehr...

Fest in alter Gaststätte

Bildband über historischen Evenkamp nun erhältlich

EVENKAMP Bauerschaft, Zechenkolonie, Stadtteil: Der Evenkamp hat viel erlebt. Dank der Hilfe von vielen Evenkämpern ein Bildband voller Geschichten über den Werner Stadtteil entstanden und nun erhältlich. Das feierten die Anwohner mit einem Fest in der ehemaligen Gaststätte.mehr...