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Ursula Schwede übersetzte Autobiographie eines chinesichen Dissidenten

WERNE Gao Zhisheng ist verschwunden. Der chinesische Anwalt war den Machthabern ein Dorn im Auge, weil er sich für die Menschenrechte einsetzte. Doch ihr Plan, Zhisheng ruhig zu stellen, ist misslungen - auch dank Ursula Schwede.

Ursula Schwede übersetzte Autobiographie eines chinesichen Dissidenten

Präsentieren das Werk von Gao Zhisheng (v.l.): Hubertus Waterhues, Ursula Schwede und Bernhard Schneeberger.

Innerhalb von nur einem Monat übersetzte die pensionierte Lehrerin die Autobiographie des Dissidenten, die kurz vor seinem Verschwinden noch außer Landes gebracht worden war. Nun kann seine Stimme auch auf Deutsch vernommen werden - das Buch "Chinas Hoffnung" ist ab sofort im Handel erhältlich.Wollte mal etwas Verrücktes machen

"Ich hatte vorher noch nie etwas übersetzt", sagt Ursula Schwede. Aber sie wollte mal etwas Verrücktes tun - da kam die Anfrage des Agenda-Verlags gerade recht: 250 Seiten sollten möglichst schnell vom Englischen ins Deutsche gebracht werden. Über die Bedeutung des Inhalts war sie sich jedoch zunächst nicht bewusst.

Kindheit in Felsenhöhle

"Als ich das gelesen habe, konnte ich nicht mehr aufhören", so die 66-Jährige. "Vieles von dem, was da passiert, hatte ich vorher überhaupt nicht wahrgenommen." Sie übersetzte die Kindheit des Gao Zhisheng, der in einer Felsenhöhle aufwuchs. Sie las von der Familie, die sich verschulden musste, um den Leichnam des Vaters aus dem Krankenhaus zu holen. Sie erfuhr, wie die Mitglieder der "Falun Gong"-Bewegung ermordet und ausgeweidet wurden. "Nirgendwo kommt man so billig an Organe wie in China", weiß sie heute.Per Nachtstudium zum Anwalt

Per Nachtstudium wurde Gao Zhisheng zum Anwalt, unterstützte Folteropfer und ausgebeutete Arbeiterfamilien - bis er 2007 plötzlich verschwand. "Das Manuskript wurde in den USA ins Englische übersetzt", so Hubertus Waterhues, Inhaber der Bücherei Beckmann. "Zhisheng schreibt sehr persönlich und eindringlich. Er zeigt die nackte Realität in China."

Ursula Schwede arbeitete Tag und Nacht

Da der Verlag eine deutsche Version noch vor Olympia veröffentlichen wollte, arbeitete Ursula Schwede Tag und Nacht. "In Berlin habe ich die Übersetzung mit einer chinesischen Freundin abgeglichen." Geld wollte die Pensionärin für ihre Akkord-Leistung nicht: "Es geht hier um Menschenrechte, das ist für mich Ehrensache." Statt dessen bete sie täglich dafür, dass Gao Zhisheng noch lebt.

Verleger Bernhard Schneeberger hat für die erste Auflage, 6000 Exemplare, drucken lassen. Er ist stolz: "Ohne Ursula würde es das Buch auf Deutsch nicht geben." Die Ex-Lehrerin hat inzwischen Gefallen an ihrem neuen Job gefunden: "Das zweite Projekt ist bereits fertig."

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