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Flüchtlingsfamilie auseinandergerissen

Wegen Abschiebung: Pater schreibt Brief an Gauck

CAPPENBERG Pater Altfried Kutsch aus Selm-Cappenberg hat hautnah erlebt, wie eine sechsköpfigen Flüchtlingsfamilie aus Armenien auseinander gerissen wurde. Sein Schock sitzt tief. Nun wendet er sich an Politiker, wie Bundespräsident Joachim Gauck. Hier können Sie seine Schilderungen und den Brief nachlesen.

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Pater Altfried Kutsch schrieb einen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck, um auf die für ihn sehr fragwürdige Abschiebepraxis in Deutschland aufmerksam zu machen.

Die Flüchtlingsunterkunft in Selm-Cappenberg: Hier war die armenische Familie untergebracht.

Im konkreten Fall der Familie Khachatryan/Vardanian gibt es nichts wesentlich Neues zu berichten, nur manches, was bisher nur Vermutung war, hat sich inzwischen bestätigt:

  • Gevorg ist am Freitag, 19. Juni, von Unna aus in den "Abschiebegewahrsam" (JVA) Büren überführt worden. Falls ihn jemand dort besuchen möchte: täglich von 9 bis 19 Uhr wäre das möglich, die Besucher müssen Personalpapiere zur Identifikation mit sich führen. Die einfache Wegstrecke beträgt von Cappenberg aus circa 110 Kilometer. Zwischenzeitlich konnte er von seinem guten Freund, Herrn Alexander Schönmeier schon einmal besucht werden, so dass er im Wesentlichen weiß, wie es seiner Familie ergangen ist.
  • Satenik ist in der psychiatrischen Klinik des LWL in Dortmund-Aplerbeck, wo sie nach richterlichem Beschluss zunächst für die Dauer einer Woche ggf. auch gegen ihren Willen behandelt werden kann. Zu ihr konnte Kontakt aufgenommen werden durch eine Schwester von Gevorg, Swetlana Khachtryan. Mit Swetlana, Alexander und Herrn Böckenbrink (Hausmeister) konnten wir heute Vormittag kurz in die Wohnung der Familie, um etwas frische Wäsche und Artikel des täglichen Bedarfs für Satenik zusammenzupacken, die Swetlana und Alexander ihr bringen wollen.
  • Die Kleinen Milena und Rafael befinden sich nach wie vor bei einer Pflegefamilie in Selm.
  • Die Größeren Serzho und Marietta sind bei der Jugendhilfe Werne untergebracht, ohne dass eine nähere Adresse der Unterbringung zu bekommen ist ("Datenschutz"; dass man mir als katholischem Geistlichen und damit potentiellem Pädophilen am Freitag gleich 2 Kleinkinder unbeaufsichtigt ins Auto gepackt hat, scheint dagegen nebensächlich ...) Heute wurden Serzho und Marietta von Werne aus mit dem Taxi unbegleitet zur Schule gebracht, auf einen Kontakt von der Jugendhilfe zum Lehrerkollegium und auf eine nähere Information desselben wurde bisher (Stand: Mittag) verzichtet.

CAPPENBERG Samstag war der erste nationale „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“. Ein verstörender Tag für Pater Altfried Kutsch (57) aus Cappenberg. Tags zuvor wurde er unfreiwillig Zeuge, wie eine Flüchtlingsfamilie auseinander gerissen wurde. Seitdem zweifelt der Kirchenmann, "ob das, was wir legal nennen, auch legitim ist".mehr...

Was steht zu erwarten?

Die Rechtsmittel scheinen mir als Laie in diesem Fall ausgeschöpft. Lediglich irgendeine Form von "Gnadenakt" könnte meines Erachtens nach die Abschiebung der ganzen Familie noch aufhalten, aber ich weiß nicht, ob so etwas in unserem Rechtssystem vorgesehen und möglich ist. Daher auch in meinen Anschreiben die für manche vielleicht enttäuschend geringe Fokussierung auf den Einzelfall, als vielmehr der Versuch, aufgrund dieses "Einzelfalls" ein Nachdenken über das Asylrecht und seine immer wiederkehrenden Bitternisse bei maßgeblichen Entscheidungsträgern anzuschieben.

Die in den verschiedensten, oft kurzen Gesprächen mit Behördenvertretern aufgeschnappten Nebenbemerkungen und speziellen Formulierungen lassen mich derzeit folgendes Szenario erwarten:

  • Die Abschiebung der kompletten Familie erwarte ich innerhalb der nächsten sechs bis zehn Tage.
  • Gevorg wird man bis zum Zeitpunkt der Abschiebung in Büren im Gewahrsam halten;
  • Satenik wird bis zum selben Zeitpunkt in Aplerbeck "therapiert" werden, um ihre Reisefähigkeit wiederherzustellen und sie nicht vorher noch nach Büren verlegen zu müssen;
  • alle vier Kinder werden ihren Eltern in dem Augenblick zurückgegeben, wenn diese gut gesichert im Flieger nach Jerewan sitzen...

 

 

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