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Skandalös: Ein Briefträger in Werne hat seinen Job wohl komplett verfehlt. Er teilte 21 Briefe nicht aus, sondern warf sie einfach in eine Mülltonne. Zum Glück blieb es nicht unbemerkt.

Werne

, 02.08.2018 / Lesedauer: 3 min

„Guck‘ doch spaßeshalber mal, ob er die Briefe in die Mülltonne geworfen hat“, sagte seine Mutter noch zu ihm. Mathias Tengowski ging die Treppe hinunter und schaute in die Papiertonne, die rechts neben dem Mehrfamilienhaus an der Breielstraße steht. Was erst wie ein schlechter Scherz klang, war am Donnerstag wirklich passiert. In der Tonne lagen Briefe. „Sie waren etwas versteckt. Oben drauf lag noch anderer Müll“, wie Tengowski erzählt, als er die Situation nachstellt.

Briefe können wichtige Dokumente enthalten

Nachdem er die Briefe aus der Tonne fischte, schaute er sie sich genau an - 21 an der Zahl. Sie sind adressiert und sollten an Bürger in den Straßen Thünen, Holtkamp, Abdinghof und St. Johannes gehen. Sie sind auch mit dem Stempel der Deutschen Post versehen. Was in den Umschlägen steckt, weiß er nicht. Er öffnet sie nicht - selbstverständlich nicht. Doch mit dem Blick auf den Briefumschlag kann er erahnen, dass es sich auch um wichtige Dokumente handeln könnte.

Die Briefe kommen vom Augenoptiker, Bankinstitut, Online-Versandhändler oder Reisedienst. Andere Exemplare - etwa von einem großen Modehändler oder einem Bonusprogramm-Anbieter - können hingegen Werbung sein. Egal, ob es sich um wichtige Reiseunterlagen, Kontoauszüge oder einen Inhalt handelt, der vielleicht sowieso im Müll landen sollte - die Briefe wurden nicht zugestellt.

Aktion zufällig beobachtet

„Ich finde, das ist eine Sauerei. Ich selber warte auch noch auf wichtige Post“, sagt die Mutter von Mathias Tengowski. Sie schildert die Situation, habe zufällig gerade durchs Fenster geschaut und den Postboten gegen 11.30 Uhr gesehen. Demnach habe er zunächst an der Verteilerstation, die gegenüber des Wohnhauses liegt, einen Stapel Briefe entnommen. Dann sei er neben das Haus gegangen. Nach etwa fünf Minuten kam er mit leeren Händen zurück, setzte sich auf das gelbe Post-Fahrrad und fuhr Richtung Ostring davon. Auf die eigene Post wartete man bis zum Nachmittag vergeblich.

Die Aktion stößt auch bei den Verantwortlichen der Deutschen Post auf Unverständnis, wie die Anfrage am Donnerstagnachmittag zeigt. „Briefe gehören nicht in die Mülltonne. Wir werden das klären und schauen, welche Konsequenzen wir ziehen“, erklärt Achim Gahr, Leiter der Pressestelle Mitte der Deutschen Post.

Mathias Tengowski hat am Donnerstagnachmittag die Polizei verständigt und die Briefe bei den Beamten abgegeben. Sie erstatteten Strafanzeige gegen den Briefträger, der gegen das Postgeheimnis verstoßen hat. Die Briefe werden am Freitag an die Empfänger verteilt. „Ich kann ja verstehen, dass es sehr warm ist und besonders die Postbeamten und Briefträger unter dem Wetter leiden. Aber Briefe zu entsorgen, ist nicht der richtige Weg“, so Mathias Tengowski.

Über den überraschenden Fund in der Mülltonne hatte der 37-Jährige auf Facebook berichtet. Einige Nutzer reagierten mit Empörung. Ein Mann - wohl nicht betroffen - nahm es mit Humor: „Wenn eine Rechnung für mich dabei ist, dann kannst du sie behalten.“

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21 Briefe landen im Müll statt im Briefkasten

Mathias Tengowski hat 21 Briefe aus der Mülltonne gefischt. © Andrea Wellerdiek

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