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Die Geschichte der Post in Werne: Von Marathon-Boten und verzweifelten Pferden

rnPost schließt

Die Postfiliale an der Alten Münsterstraße in Werne schließt am 30. August 2018 endgültig. Ein Blick in die Post-Geschichte der Lippestadt zeigt: Es lief schon früher nicht alles glatt.

von Heidelore Fertig-Möller

Werne

, 30.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Schon die Westfälische Hanse, zu der Werne seit dem 15. Jahrhundert gehörte, verfügte über ein ausgedehntes Botennetz – wahrscheinlich ist, dass Hansesche Boten auch zwischen Werne und ihrer „Principalstadt“ Münster sowie nach Warendorf verkehrt haben.

Das fürstbischöfliche Amt Werne hatte im Rahmen der „Leib- und Handdienste“ besondere „Briefträgerkotten“ bestimmt, deren jeweilige Besitzer verpflichtet waren, für das Amt Briefträgerdienste zu leisten. So zum Beispiel wurde im Jahre 1665 den Beamten des Amtes Werne befohlen, ihre Dienstpost mit Boten nach Dülmen zu schicken, wo sie dann mit der Amtspostverbindung Coesfeld-Münster weitergeleitet wurde.

Zu Fuß von Werne nach Münster

Allmählich bildete sich eine regelmäßige Fußbotenpostverbindung Werne-Münster heraus. Die Boten standen dabei teils im Dienste des Amtes Werne oder der Stadt Werne, beförderten aber auch für Jedermann Briefe und Dokumente. Ab 1751 wurde der „Wernesche Bott“ auch im „Münsterischen Almanach“ aufgeführt, in dem es hieß, dass der Bote am Donnerstag mit den Briefen von Werne nach Münster lief, dort die für weitere Orte bestimmte Post beim Kaiserlichen Postamt ablieferte, dann in Münster übernachtete und am nächsten Tag die für Werne bestimmten Briefe einsammelte und über Herbern zurück nach Werne oder auch nach Cappenberg brachte.

Das änderte sich, als 1803 der östliche Teil des Oberstifts Münster, wozu auch Werne gehörte, aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses preußisch wurde. Zunächst schuf man die halbamtlichen und privaten Fußboten ab und ordnete mit dem Edikt vom 12. Juni 1804 an, dass alle verschlossenen Briefe und Pakete, alle Geldsendungen und Wertgegenstände nur noch durch die preußische Post verschickt werden durften – eine neue Zeit brach hiermit an.

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Pferde scheiterten im Winter am Herberner Berg

Nach dem kurzen Zwischenspiel der französischen Fremdherrschaft über Werne von 1806 bis 1814 nahmen die Preußen das Münsterland wieder in Besitz. Das Amt Werne wurde abgeschafft und Werne gehörte nun zum Landkreis Lüdinghausen. Im Zuge einer allgemeinen Neuorganisation des preußischen Postwesens wandelte man 1825 das Postwärteramt in Werne in eine Postexpedition ohne Pferdewechsel um, die dem Postamt Dortmund unterstellt war. Seit 1821 wurde die einzige Postverbindung vom in Werne ansässigen Spediteur Schmiemann ausgeführt.

Im Winter bei Glatteis kam es vor, dass man eine ganze Woche unterwegs war, denn zeitweise konnten vier Pferde den Herberner Berg nicht bezwingen und man benötigte noch Vorspannpferde. Bis zur Jahrhundertwende war der Postverkehr in Werne noch so schwach, dass die Leitung der Postanstalt nur nebenamtlich wahrgenommen werden musste. Es war dann schon zur Tradition geworden, dass der Bürgermeister von Werne gleichzeitig die Werner Post leitete.

Werne wandelte sich 1850 zur selbstständigen Postanstalt

Ab 1850, als die Oberpostdirektionen in Preußen eingerichtet wurden, wandelte man Werne zu einer selbstständigen Postanstalt um und unterstellte sie der Oberpostdirektion Münster. Ein Jahr später wurde dann eine Personenpost Drensteinfurt-Werne-Münster eingerichtet. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 entstand am 1. Januar 1872 die Deutsche Reichspost – aus der Postexpedition Werne wurde 1874 ein Postamt dritter Klasse und dieses zog noch im selben Jahr vom Steinhaus in ein Haus in der Bonenstraße, das später die Bäckerei Veltmann beherbergte.

Die Geschichte der Post in Werne: Von Marathon-Boten und verzweifelten Pferden

So sah das Werner Postamt um 1900 aus. © Förderverein Stadtmuseum

Bahn verdrängte Pferde- und Personenpost

Um 1900 wurde für 87.000 Reichsmark ein neues Postgebäude an der Münsterstraße 3 errichtet, in das das Werner Postamt ein Jahr später einzog. Um diese Zeit war der Postkutsche dann auch eine schwere Konkurrenz in der Eisenbahn erwachsen. Als 1903 die Kleinbahn Werne-Ermelinghof (heute Bockum-Hövel ) ihren Betrieb aufnahm, hatte auch die noch existierende Personenpost von Werne nach Mersch und kurz danach auch die nach Kamen ein Ende. Nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke Dortmund-Münster im Oktober 1928 übernahm die Bahnpost die Postversorgung von Werne.

Die Betriebseinrichtungen des Postamtes Werne überstanden die beiden Weltkriege ohne nennenswerte Schäden. Nach Kriegsende im Frühjahr 1945 wurde unter der alliierten Militärregierung die Briefzustellung am 26. Juni 1945 in beschränktem Umfang wieder aufgenommen, der Fernsprechverkehr zwei Wochen später. In den 50er-Jahren kamen auch das Postamt Bockum-Hövel und Ascheberg und die Poststellen in Davensberg, Capelle und Herbern zum Postamt Werne. Damit war im Laufe der letzten Jahrzehnte das Postamt an der Münsterstraße viel zu klein geworden.

Vom Postamt zur Poststelle

So wurde im Jahre 1964 eine Erweiterung des alten Gebäudes geplant und erstellt, das fast einem kompletten Neubau an derselben Stelle gleichkam (die oben genannten Fakten wurden teilweise entnommen aus den „Postgeschichtsblättern für den Bezirk der Oberpostdirektion Münster“, 1964). Nun gehört dieses Postamt auch der Vergangenheit an und Werne hat eine neue kleinere Poststelle, die am 30. August im Ladenlokal an der Stockumer Straße 18 in Betrieb geht.

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