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Wie ein Lkw im Schlafzimmer – Schnarchen kostet Carmen Katrin Seyfarth (35) den Schlaf

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Ihr schnarchender Partner kostet Carmen Katrin Seyfarth Nacht für Nacht kostbaren Schlaf. Doch was hilft gegen das störende Geräusch? Eine Schlafmedizinerin kennt kleine und große Tricks.

Werne

, 08.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Carmen Katrin Seyfarth ist müde. Nach einem harten Tag will sie nichts anderes, als sich endlich ins Bett zu legen und zu schlafen. Doch auch heute bekommt sie kein Auge zu. Das liegt an keinem Schlafproblem und auch an keinem Gedankenkarussell in ihrem Kopf. Nein. Ihr Mann Thomas ist Schnarcher.

„Es ist so, als ob man neben einer laufenden Kettensäge schlafen würde“, sagt die 35-jährige Wernerin. Ist ihr Mann vor ihr eingeschlafen, war die Nacht lange Zeit für sie gelaufen. Schließlich kann ein solches Schnarchen bis zu 90 Dezibel laut sein – also so wie ein Lkw, der gerade durch das eigene Schlafzimmer fährt.

Lautes Schnarchen stört auch beim Fernsehen

Seit 18 Jahren sind Seyfarth und ihr Ehemann ein Paar, 17 Jahre davon wohnen sie schon zusammen. „Und mein Mann war von Anfang an ein Schnarcher.“

Diese Ursachen führen zum Schnarchen

  • Übergewicht
  • Rückenlage beim Schlafen
  • Stress
  • Alter
  • Erhöhter Alkoholkonsum

Um 5 Uhr muss Thomas als Schweißer aufstehen. Dass ihm abends vor dem Fernseher ab und an die Augen zufallen, ist also kein Wunder. Doch auch hier stört das laute Schnarchen.

Seyfarth wird in der Nacht vom lauten Geräusch wach

„Da wird man schon sauer, wenn man den Fernseher nicht mehr versteht. Dann bekommt mein Mann schon mal ein Kissen ab oder ich schicke ihn ins Bett“, sagt Seyfarth.

Selbst wenn Seyfarth früher einschlief als ihr Mann, weckte er sie nachts durch sein Schnarchen auf. Erholtes Schlafen klingt anders.

Seyfarth: „Habe meinen Mann wachgerüttelt und getreten“

„Ich hab dann meinen Mann immer wach gerüttelt oder auch treten müssen, weil ich nicht mehr einschlafen konnte“, sagt Seyfahrt und muss dabei Lachen.

Intuitiv hat sie dabei genau das getan, was auch Dr. Anna Heidbreder, Fachärztin für Neurologie und Schlafmedizin vom Universitätsklinikum Münster empfiehlt: den Betroffenen wecken.

Größtes Schnarch-Risiko ist Übergewicht

Doch woran liegt es überhaupt, dass manche Menschen schnarchen und andere nicht? Anders als häufig gedacht findet das Schnarchen seinen Ursprung nicht in der Nase, sondern im Rachen.

Das Bindegewebe gerät dort durch das Atmen in Schwingungen und es kommt zum unangenehm klingenden Schnarchen. Die Ursache dafür kann vielschichtig sein. „Der größte Risikofaktor ist Übergewicht“, sagt Heidbreder.

Lösungsansätze

  • Gesunde Ernährung
  • Kleidungsstücke nutzen, die die Rückenlage verhindern
  • Schnarchschiene

„Fett setzt nicht nur da an, wo es von außen sichtbar ist, wie beispielsweise am Bauch“, sagt Heidbreder. Auch im Nasen-Rachen-Raum lagert sich Fett ab. Dabei bedeuten mehr Fettablagerungen größere Schwingungen.

Atmungsaussetzer als große Gefahr

Doch auch das Alter spielt eine große Rolle, denn so, wie auch die Haut weniger straff wird, erschlafft auch das Bindegewebe im Nasen-Rachen-Raum.

Schlimm ist das Schnarchen – abgesehen von der störenden Geräuschkulisse für andere – aber nicht. Erst wenn Atemaussetzer hinzukommen, müsse man sich Sorgen machen, sagt Heidbreder.

Auch Kegelbrüder mussten unter dem Schnarchen leiden

„Die Sauerstoffsättigung fällt bei Atmungsaussetzern, das bedeutet Stress für den Körper und unter anderem erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko“, so die Expertin. Fällt das auf, gilt es einen Facharzt aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen.

So schlimm ist es bei den Seyfarths allerdings nicht. Doch wie es ist, wenn jemand Nacht für Nacht im Schlaf ganze Wälder abholzt, haben auch Thomas‘ Kegelbrüder bei einem Ausflug mit Mehrbettzimmern gemacht.

Einzelzimmer als Urlaub für die Ohren

„Irgendwann brachte mein Mann mir Ohrstöpsel mit. Seitdem schlafe ich viel besser und er auch, da ich ihn nicht mehr rütteln und treten muss“, sagt Carmen Katrin Seyfarth.

Im Urlaub treffen beide trotzdem besondere Vorkehrungen, damit „meine Ohren auch Urlaub haben können“, so Carmen Katrin. Ihr Mann und ihr Sohn teilen sich dann ein Zimmer, während sie ihre Ruhe im eigenen Zimmer genießt.

Eingenähte Tennisbälle als Anti-Schnarch-Tipp

Doch was rät die Expertin, wie man das Schnarchen vermeidet? „Gesunde Ernährung und körperliche Aktivität sind das wichtigste“, sagt Heidbreder. Auch kein oder nur moderater Alkoholkonsum hilft sowie eine veränderte Liegeposition.

„Natürlich kann man sich 1000 Mal vornehmen, nicht auf dem Rücken zu liegen, aber der Körper macht im Schlaf, was er will“, so Heidbreder. Hilfe könne schön ein kleiner Trick bringen: Einfach zwei Tennisbälle in den Rücken eines Kleidungsstücks einnähen.

Kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben

Die Tennisbälle seien für den Körper so ungemütlich, wenn man sich darauf legen möchte, dass er es vermeidet und man auf der Seite oder dem Bauch schläft. In vielen Fällen führe das schon zu einer Besserung.

Ist man nicht so begabt im Nähen, gibt es sogar spezielle Rucksäcke, die das Liegen auf dem Rücken verhindern. Doch im Notfall genügt es schon den eigenen Partner anzustubsen, damit er sich dreht.

Operation ist für die Schlafmedizinerin nie die erste Wahl

Genügt das nicht, gibt es so genannte Schnarchschienen, die man beim Schlafen einsetzt. Dadurch wird der Kiefer nach vorne geschoben und die Atmung verbessert. Die Kosten müssen allerdings selbst getragen werden.

Auf Hilfsmittel wie Nasenpflaster, Stöpsel oder Ähnliches rät Heidbreder zu verzichten. Hilft alles nicht, gibt es noch die Möglichkeit einer Operation. „Doch die ist nie die erste Wahl.“

So weit wollen die Seyfarths nicht gehen. Sie vertrauen auf die Ohrenstöpsel und ihren Urlaub für die Ohren – damit der Lkw im eigenen Schlafzimmer für ein paar Wochen Fahrverbot hat.

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